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U-Bahn-Pfusch
Staatsanwälte prüfen Baustelle

U-Bahn-Pfusch: Staatsanwälte prüfen Baustelle
Die Staatsanwaltschaft befragte bei der Baustellen-Besichtigung Mitarbeiter von Bilfinger Berger über die Kontrollmechanismen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Zwei Staatsanwälte haben Montag die strittigen U-Bahn-Baustellen in Düsseldorf unter die Lupe genommen und sich dort über das Vorgehen bei den Kontrollen informiert. Bilfinger Berger setzt künftig externe Fachleute zur Überwachung ein. Drei Mitarbeiter sind beurlaubt, einer wurde entlassen. Von Hans Onkelbach und Andreas Pankratz

Zwei Vertreter der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft haben gestern eine der Baustellen für die Wehrhahn-Linie untersucht. Uwe Kessel und Andreas Stüve wollten sich beim Ortstermin im Baubereich Kirchplatz informieren, wie die Kontrolle des Baus von Schlitzwänden technisch funktioniert. Am Ende des Ortstermins war man nicht wirklich weiter. Denn es stellte sich heraus, dass 26 der 27 manipulierten Protokolle mit einer Vorgängersoftware des derzeit verwendeten Systems erstellt worden sind, es also nicht auf Anhieb erkennbar ist, wie es zu Veränderungen kam. Die alte Software hat die Baufirma Bilfinger und Berger bis Mai vergangenen Jahres eingesetzt.

Wie berichtet, soll es mehrere Fälle von Schlampereien bei Prüfprotokollen für den Bau von Schlitzwänden gegeben haben. Angeblich hat einer der Arbeiter bereits bei ersten Gesprächen gesagt, man habe mehrfach willkürlich Zahlen in die Protokolle eingesetzt, wenn die Mess-Geräte nicht funktionierten und man keine Überstunden habe machen wollen. Gegen zwei Bilfinger-Berger-Mitarbeiter besteht der Verdacht der Fälschung solcher Protokolle in mehreren Fällen. Ein förmliches Ermittlungsverfahren gibt es aber noch nicht, hieß es zuletzt von Seiten der Staatsanwaltschaft. Man wies auch die Aussage zurück, es liege ein erstes Geständnis vor.

Wieso eine neue Software?

Bis sie sich zu formellen Ermittlungen entscheidet, will sich die Staatsanwaltschaft umfassender informieren. Und dazu diente auch der gestrige Ortstermin – es ist nicht eindeutig geklärt, wer die Messprotokolle warum gefälscht hat. "Dafür werden wir denjenigen vernehmen, der für die Kontroll-Software zuständig ist", erklärte Oberstaatsanwalt Johannes Mocken. Der Verfasser des Programms ist Mitarbeiter des Bauunternehmens. "Wir müssen herausfinden, warum Bilfinger Berger ein neues Programm verwenden und wie sich das von dem bisherigen System unterscheidet", so Mocken weiter. Anders als in Köln (wo Baumaterial entwendet und verkauft worden ist) gibt es in Düsseldorf keine klare Motivlage. Bei der Staatsanwaltschaft hält man es für denkbar, dass es hier lediglich zu Schlampereien auf Grund von Bequemlichkeit gekommen ist.

Der Baukonzern Bilfinger Berger erklärte gestern bei einer Pressekonferenz in Mannheim, man werde künftig externe Bau-Experten-Gruppen einsetzen, um vergleichbare Projekte wie die U-Baustellen in Köln und Düsseldorf zu überwachen. Geleitet würden diese Kommissionen von Claus Jürgen Diederichs (früher Uni Wuppertal) und Jürgen Schnell (TU Kaiserslautern). Die von Diederichs geleitete Gruppe wird die aktuellen Projekte prüfen. Das Unternehmen erklärte weiter, man habe im Zusammenhang mit Kölner und Düsseldorfer Ereignissen drei Mitarbeiter beurlaubt und einen entlassen.

Quelle: RP
 
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