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Die Woche Im Rathaus
Stadt braucht gutes Management für Flüchtlingsheime

Düsseldorf. Wenn weiter weniger Flüchtlinge kommen, steigt der Spielraum der Stadtverwaltung. Dadurch rücken auch die hohen Kosten für die Unterbringung in den Fokus.

Die Proteste von Flüchtlingen gegen starke Hitze in den Traglufthallen haben daran erinnert, wie schnell im vergangenen Herbst manche Entscheidung gefallen ist - und dass Nachhaltigkeit damals, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, nicht das wichtigste Kriterium war. Es sieht jedenfalls danach aus, dass niemand so richtig beachtet hat, wie warm es im Frühling werden wird. Eilig hat die Stadt nun nachgebessert. Das Hitze-Problem hat sich hoffentlich erledigt, bis die beiden Hallen im Herbst verschwinden.

Günstig sind die beiden Notunterkünfte nicht: 96.000 Euro an Miete zahlt die Stadt pro Halle und Monat an den Berliner Hersteller. Inklusive Betreuung und Verpflegung - die Bewohner dürfen nicht kochen - werden sogar 871 Euro pro Bewohner und Monat fällig. Das ist immer noch günstiger als Hotels (mehr als 1100 Euro), aber ein Vielfaches von dem, was eine Sammelunterkunft in einem Wohngebäude kostet.

Diese Zahlen erinnern daran, wie groß der finanzielle Spielraum bei der Unterbringung von Flüchtlingen ist. Darauf deuten auch Recherchen des Netzwerks Correctiv hin. Die Journalisten haben für einen in der "Zeit" veröffentlichten Beitrag versucht, die Kosten zwischen Städten in ganz Deutschland zu vergleichen. Sie gelangten zu zwei Erkenntnissen. Zum einen sind die Unterschiede erheblich, und offenbar haben sich etliche Städte im Zeitdruck über den Tisch ziehen lassen. Zum anderen sind die meisten Kommunen in dieser Sache wenig auskunftsfreudig. Das gilt auch für Düsseldorf: Von dort erhielt man offenbar keine Auskunft (was sich die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch nicht erklären kann).

Auch für Düsseldorf wird das Thema Kosten jedenfalls zunehmend interessant. Die Politik macht neuerdings Druck: Die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP hat ein "Controlling" beschlossen, will also über die Ausgaben genauer informiert werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass man am bisherigen Verfahren zweifelt. Zudem könnte der Handlungsdruck erheblich sinken - falls der Flüchtlingsdeal mit der Türkei Bestand hat. Das führt zu Fragen: Ist die 70-Millionen-Euro-Investition in Wohnanlagen überhaupt noch nötig? Wie wirkt es sich aus, dass die Stadt leerstehende Landesunterkünfte übernehmen kann? Angesichts der hohen Kosten ist gutes Management gefragt. Zumal die Traglufthallen auch zeigen: Teure Unterkünfte sind nicht unbedingt die besten.

Quelle: RP
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