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Günter Althaus
"Stadt braucht mehr Verkaufssonntage"

Günter Althaus: "Stadt braucht mehr Verkaufssonntage"
Günter Althaus ist Chef der Handelskooperation ANWR Group. Der Handelsexperte ist auch Präsident des Mittelstandsverbunds ZGV FOTO: Clemens Meyer
Düsseldorf. Der Handelsexperte warnt vor den Folgen des Sonntags-Verkaufsverbot. Die Kunden wanderten dann ins Outlet nach Roermond ab.

Herr Althaus, der Düsseldorfer Einzelhandel fürchtet die Internetkonkurrenz. Ist es richtig, auf das Einkaufserlebnis im stationären Handel zu setzen?

Günter Althaus Die Gleichung Erlebnis gleich Umsatztreiber funktioniert nicht immer, das ist oft zu sehr aus der Sicht des Händlers gedacht. Eine aufwendige Inszenierung in Düsseldorfer Läden ist vielen Kunden egal. Denn die Mehrheit setzt auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das erklärt auch den großen Erfolg des Outlets im niederländischen Roermond, das längst nicht nur die Schnäppchenjäger anlockt. Inzwischen stellen die Marken schon gezielt Kollektionen für die Outlets her.

Was ist der Erfolgsfaktor von Roermond im Gegensatz zu den Düsseldorfer Markenhändlern?

Althaus Ganz klar die Öffnungszeiten. Roermond ist 364 Tage im Jahr für Kunden geöffnet. Konkret wichtig dort ist die Ladenöffnung am Samstag und Sonntag. Das passt perfekt zum Kaufverhalten der Kunden. Speziell bei der Sonntagsöffnung kann Düsseldorf gar nicht mithalten. Und die wenigen verkaufsoffenen Sonntage werden ja jetzt noch gerichtlich eingedampft. Für den stationären Einzelhandel in Düsseldorf ist das brandgefährlich.

Sollte der Sonntag generell ein Verkaufstag werden?

Althaus Das halte ich politisch für unwahrscheinlich. Aber bei den bisherigen verkaufsoffenen Sonntagen hoffe ich auf die neue CDU/FDP-Landesregierung. Bisher sah es ja so aus, dass nur drei oder vier verkaufsoffene Sonntage genehmigt wurden. Der Düsseldorfer Einzelhandel kann aber sicher zehn oder zwölf pro Jahr gebrauchen.

Wie sehen Sie die vielen Verbote von verkaufsoffenen Sonntagen infolge von Klagen durch Verdi?

Althaus Kritisch. Denn bereits genehmigte Verkaufssonntage wurden dabei sehr kurzfristig verboten. Der Einzelhandel war da aber bereits mit Werbung und Vermarktung in Vorleistung getreten. Auch die Dienstpläne waren schon fertig, das Personal geblockt, das alles hat hohe Kosten verursacht, denen keinerlei Umsatz entgegensteht. Genehmigungen für Verkaufssonntage müssen für den Handel verbindlich sein.

Aber ist denn der verkaufsoffene Sonntag so umsatzstark?

Althaus Die verkaufsoffenen Sonntage sind nicht die umsatzstärksten Tage. Es geht aber auch um den Eventcharakter. Die Kunden gehen gerne mit dem Partner oder der ganzen Familien an dem freien Tag zum gemeinsamen Shoppen, was Essen, einfach mit viel mehr Zeit durch die Läden schlendern. Das ist wichtig, denn das bindet die Kunden an den Einkaufsstandort Düsseldorf.

Verdi argumentiert gegen die verkaufsoffenen Sonntage und sieht die Sonntagsruhe der Arbeitnehmer in Gefahr.

Althaus Der Schutz der Sonntagsruhe ist so eine Sache. Das trifft doch im Grunde heute kaum noch zu. Die Mitarbeiter von Restaurants oder Tankstellen genießen ja auch keine Sonntagsruhe, Sie als Journalist sicher auch nicht. Außerdem gibt es ja oft doppelte Vergütung und obendrauf Ausgleichstage.

Wie gefährlich wird für die Düsseldorfer Händler der schnell wachsende Online-Handel.

Althaus Man muss das aus einer anderen Perspektive betrachten. Es geht ja nicht nur um Online, sondern um die Digitalisierung des gesamten Handels. So ist es ja heute so, dass mehr als 50 Prozent der Kunden sich vor dem Kauf bereits im Internet informiert haben, vor allem haben sie auch schon Preise verglichen oder können es mit dem Smartphone direkt vor dem Kauf im Laden tun. Also ist es etwa wichtig, dass der Kunde online die Verfügbarkeit in den einzelnen Geschäften sieht. Und zwar am besten für die ganze Stadt, nicht nur für einzelne Läden. So etwas fehlt mir hier in Düsseldorf.

Die IG Kö hat bereits einen gemeinschaftlichen Internetauftritt.

Althaus Dort kann ich sehen, wo welche Geschäfte sind. Das reicht aber nicht. Die Verfügbarkeit von Waren kann ich dort nicht abfragen.

Wie beurteilen Sie die Aufstellung des Düsseldorfer Einzelhandels insgesamt?

Althaus Es gibt erstaunlich viele Parkplätze, respektive Parkhäuser. Die sind zwar teuer, aber es gibt genug Kapazitäten, ein Riesenpluspunkt. Außerdem ist es der Stadt Düsseldorf auch mit geschickter Stadtplanung gelungen, Einkaufszentren harmonisch in das Stadtbild zu integrieren, nicht etwa wie in Mönchengladbach. Dort ist es zu einer Kannibalisierung des bestehenden Einzelhandels durch das Center gekommen, in Düsseldorf war das weit weniger der Fall.

Letzte Frage: Was bindet die Kunden am besten?

Althaus Persönliche Beziehung!

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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