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Der Besuch des Kaisers
Napoleon Bonaparte in Düsseldorf

Der Besuch des Kaisers: Napoleon Bonaparte in Düsseldorf
Napoleon 1811 bei seinem Einmarsch in Düsseldorf. FOTO: Stadtarchiv Düsseldorf
Der Einmarsch der Franzosen war auch für die Düsseldorfer Stadtgeschichte ein einschneidendes Ereignis. Die Stadt wurde durch die französischen Truppen in Teilen zerstört und auch der Besuch des Kaisers im Jahre 1811 blieb nicht ohne Folgen. Nach der Eroberung erließ Napoleon für die Stadt Düsseldorf ein Verschönerungsdekret, reformierte die Verwaltung und erließ den Code Zivil, ein neues bürgerliches Gesetzbuch. All diese Geschehnisse hinterließen natürlich auch Spuren im Stadtbild. Von Elena Chirico

Es war der 6. Oktober 1794, als französische Truppen Düsseldorf vom Rhein aus beschossen. Dabei wurde in Düsseldorf viel zerstört, unter anderem auch 16 Bürgerhäuser. Erst ein Jahr später, am 6. September 1795, besetzten Französische Truppen die Stadt. Fast ohne Gegenwehr konnte Düsseldorf von Ihnen eingenommen werden. 1801, nach dem Frieden von Lunéville wurde die Stadt von den Französischen Truppen wieder geräumt. Vorher jedoch sprengte die Französische Besatzung die gesamten Festungsanlagen und hinterlies einen riesigen Trümmerhaufen. Im März 1806 wurde das Herzogtum Berg durch Napoleon an seinen Schwager Joachim Murat übergeben. Düsseldorf wurde zum Großherzogtum erhoben.

Im November 1811 gab es in Düsseldorf dann hohen Besuch aus Frankreich. Napoleon marschierte mit seinen Truppen ein. Der 14-jährige Heinrich Heine stand während des kaiserlichen Besuchs, in Mitten der jubelnden Masse. Im "Buch le Grand" schildert er diese erste Begegnung mit dem Franzosenkaiser: "Als ich mich durch das gaffende Volk drängte, dachte ich an die Taten und Schlachten, die mir Monsieur Le Grand vorgetrommelt hatte, mein Herz schlug den Generalmarsch- und dennoch dachte ich zu gleicher Zeit an die Polizeiverordnung, dass man bei fünf Taler Strafe nicht mitten durch die Allee reiten durfte. Und der Kaiser mit seinem Gefolge ritt mitten durch die Allee [...]".

Napoleon unternahm eine Inspektionsreise nach Düsseldorf und sorgte gleich für reichlich Veränderungen in der Stadt. Sofort ordnete er eine Verschönerung an. Der Kaiser beauftragte den Architekten Adolph von Vagedes mit dem Bau der heutigen Königsallee und Heinrich-Heine-Allee und ordnete die Umgestaltung der Parkanlagen an. Gleich nach seinem Einzug in die Stadt besuchte er eine Gewerbeausstellung, die als Geburtsstunde des Messe und Ausstellungswesens bezeichnet werden kann. Napoleon residierte während seines Aufenthalts gemeinsam mit der Kaiserin im Schloss Jägerhof.

Der französische Kaiser kümmerte sich auch um Qualität und Preise der Gastronomien. Die Soldaten, die in Düsseldorf stationiert waren, sollten von einem großen Unterhaltungsprogramm profitieren können. Weit weg von zu Hause amüsierten sie sich in den verschiedensten Lokalitäten. Da eine soziale Vermischung verhindert werden sollte, gab es die Lesestube und das feine Bordell für die Offiziere und die weniger feine Pinte auf der Marktstraße für die einfachen Kanoniere. Die Etablissements auf der Ratinger Straße waren ausschließlich den Blaublütern vorbehalten. Als Napoleon eines nachts vom Rhein aus die übermäßig beleuchtete Straße erblickte, soll er "Rue de Martin" ausgerufen haben. Ein Düsseldorfer, der des Französischen nicht mächtig war, soll daraus Retematäng gemacht. Dieser Ausdruck ist auch heute im Volksmund immer noch eine gängige Bezeichnung für die Ratinger Straße.

Die durstigen Soldaten ließen die Zahl der Gastronomiebetriebe ansteigen. Düsseldorf wurde damit Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer großen Unterhaltungsmetropole, bei der auch das französische Lebensgefühl des "savoir vivre" nicht zu kurz kam. Sogar Napoleon selbst soll 1811 im "Schiffchen" an der Hafenstraße einen Schoppen Wein verköstigt haben. Auch sonst war Napoleon sehr unternehmungsfreudig. Er machte mehrere Ausflüge gemeinsam mit der Kaiserin, zum Beispiel einen Jagdausflug nach Benrath. Auch den Düsseldorfer Hofgarten, dessen Hügel nach ihm benannt wurde, besuchte er. "Das ist Klein-Paris, soll er dort oben geseufzt haben.

 
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