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Klaus-Georg Berkelmann
Stadt soll Unterführung zahlen

Klaus-Georg Berkelmann: Stadt soll Unterführung zahlen
Klaus-Georg Berkelmann: "Der Reisholzer Hafen würde für Industrieunternehmen neue Investitionen und Jobs in Düsseldorf ermöglichen." FOTO: Bauer
Düsseldorf. Der neue Vorsitzende des Industriekreises über den Hafenausbau in Reisholz, das Pro für mehr Flüge und eine Bahnunterführung in Hassels.

Herr Berkelmann, es entsteht der Eindruck, Teile der Industrie ziehen sich aus Düsseldorf zurück, was sind die Sorgen der Mitgliedsbetriebe des Industriekreises?

Berkelmann Der Eindruck ist nicht richtig. Die produzierenden Unternehmen am Standort sind stark, sie investieren weiter in den Industriestandort Düsseldorf. Besonders wichtig sind dabei die Sicherung der Industrieflächen und die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Das betrifft den Hafen in Reisholz, den wir dringend brauchen, die Kapazitätsoptimierung des Flughafens und die Unterführung der Bahntrasse an der Bamberger Straße. Von Straßen und Brücken in der Region ganz zu schweigen.

Worum geht es an der Bamberger Straße?

Berkelmann Dort gibt es eine nicht öffentliche Trasse, an der zum Beispiel der Kranhersteller Terex oder der Baggerhersteller Komatsu aus Benrath ihre Bauteile per Schwertransport über die Gleise schicken. Das ist schon seit Jahrzehnten unglaublich aufwendig, da eine exakte Lücke im Bahnverkehr genutzt und Oberleitungen hochgefahren werden müssen. Wenn aber der RRX auf dieser Strecke fährt, wird es gar unmöglich. Daher ist eine für Lkw befahrbare Unterführung unbedingt erforderlich.

Über welche Kosten reden wir und wer trägt sie?

Berkelmann Es geht um einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Die betroffenen Unternehmen und der Industriekreis haben die Notwendigkeiten der Stadt mehrfach signalisiert. Und die Unternehmen sehen die Stadt Düsseldorf in der Pflicht. Schließlich wird damit eine wichtige Lebensader des Industriestandorts im Süden gesichert.

Sie sprachen auch das heikle Thema Hafenausbau an. Es gibt ja schon einen Hafen. Was kann der Hafen heute schon leisten?

Berkelmann Der Reisholzer Hafen ist für die Industrie im Düsseldorfer Süden eine zentrale Lebensader. Neben dem Transport extrem großer Bauteile wie von Terex oder Komatsu ist der Hafen wichtig für die ankommenden Rohstoffe, die im Werk von BASF und Henkel verarbeitet werden. Sie werden im Hafen flüssig angeliefert und kommen per Pipeline ins Werksgelände.

Sie haben einen funktionierenden Industriehafen, wozu ein Ausbau, den viele Anwohner mit Sorge sehen?

Berkelmann Zum einen werden durch die zunehmende Arbeitsteilung und Globalisierung steigende Mengen erwartet. Zahlreiche Unternehmen erhalten ihre Rohstoffe oder liefern fertige Produkte heute ausschließlich per Bahn oder Lkw. Verkehrswege wie die Straße werden weiter verstopfen, da bringt auch ein Ausbau kaum Entspannung. Auch die Schienenwege sind an ihrer Grenze. Der Rhein als wichtigste Wasserstraße NRWs kann dagegen noch wesentlich größere Kapazitäten aufnehmen als heute. Deshalb ist es nicht zuletzt im Sinne des Umweltschutzes sinnvoll, den Hafen bedarfsgerecht auszubauen. Ein großes Binnenschiff kann schließlich bis zu 500 Lkw ersetzen.

Welchen Zeithorizont sehen Sie für einen Ausbau des Hafens?

Berkelmann Die Bedarfsabfrage bei den Firmen wurde durch ein unabhängiges Beratungsunternehmen 2012 durchgeführt. Die Gründung einer Projektgesellschaft wurde gerade abgeschlossen. Das öffentliche Beteiligungsverfahren hat ebenfalls schon begonnen. Es geht voran. Der Hafen würde nach Fertigstellung für unsere Industrieunternehmen neue Gestaltungsmöglichkeiten und damit Investitionen und Jobs in Düsseldorf eröffnen.

Auch die Kapazitätsausweitung beim Flughafen ist höchst umstritten. Wie steht der Industriekreis dazu?

Berkelmann Unsere Unternehmen sind ausnahmslos international, viele mit Zentralen und Werken im Ausland. Langstreckenverbindungen ab Düsseldorf sind für den Industriestandort enorm wichtig. Durch eine Kapazitätsoptimierung mit mehr Slots kann die Nutzung optimiert, neue Investoren werden angelockt. Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Industrie das Vorhaben des Flughafens unterstützt, die Nutzung der Kapazitäten im Rahmen bestehender Vereinbarungen zu verbessern.

Wie sind Sie mit der Nahverkehrsanbindung zufrieden?

Berkelmann Wenn Sie damit auf den Nahverkehrszug RRX und den Haltepunkt Benrath anspielen, dann kann ich nur sagen, den begrüßen wir außerordentlich.

Besonders in den ersten Jahren mit Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) fühlte sich die Industrie zu wenig beachtet. Wie ist es heute?

Berkelmann Der Masterplan Industrie wurde von OB Elbers zusammen mit der IHK und uns ins Leben gerufen. OB Thomas Geisel verfolgt dieses sinnvolle Instrument im Rahmen der Stadtentwicklung weiter und gibt neue Akzente. Kurz: Die Stadt ist heute stolz, auch ein erfolgreicher Industriestandort zu sein, und das ist sehr erfreulich.

Man kann aber doch den Eindruck gewinnen, die Industrie verlässt die Stadt, denken Sie an ThyssenKrupp, SMS Group und andere. Warum?

Berkelmann Man darf nicht vergessen, dass viele Unternehmen global aufgestellt sind und auf Rahmenbedingungen reagieren, die nichts mit Düsseldorf zu tun haben, sondern mit dem globalen Wettbewerb. Düsseldorf ist als drittgrößter Industriestandort in NRW hervorragend aufgestellt und ist hoch attraktiv für international operierende Unternehmen. Die Industrie prägt die Stadt, unsere Unternehmen sind wichtige Eckpfeiler des Wohlstands der Region und weit darüber hinaus. Im Ausland beneidet man uns sehr um dieses starke Rückgrat der Wirtschaft. Deswegen sollte die Zukunftsfähigkeit des produzierenden Gewerbes höchste Priorität haben.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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