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Flüchtlinge in Düsseldorf
Stadt übernimmt Unterkunft an der Roßstraße

Düsseldorf. Die 210 Bewohner der Flüchtlings-Notunterkunft an der Roßstraße in Derendorf werden am Mittwochvormittag nach Duisburg gebracht, denn das Land übergibt die Einrichtung an die Stadt Düsseldorf. Diese will in dem ehemaligen Finanzamt bald selbst Flüchtlinge unterbringen. Ehrenamtler kritisieren, dass Flüchtlinge und Helfer nicht rechtzeitig informiert wurden.

"Wir wissen nicht, wie es für uns weitergeht", sagt Paul Gollenbusch, einer von rund 70 Bürgern, die sich in der Einrichtung engagieren.

Da kaum noch Flüchtlinge nach Deutschland kommen, reduziert die Bezirksregierung Düsseldorf die Anzahl der Notunterkünfte. Die Johanniter, die für die Betreuung zuständig sind, seien darüber Ende vergangener Woche informiert worden, sagt eine Sprecherin der Bezirksregierung. Der Vertrag mit dem Wohlfahrtsverband werde aber erfüllt. Mit der Stadt Düsseldorf müsse man noch Gespräche führen, so die Sprecherin der Behörde weiter. Es sei noch unklar, ob die Stadt die Unterkunft "zunächst zeitweise oder dauerhaft" nutzen könne.

Die Stadt Düsseldorf erhält immer noch eine Zuweisung von rund 150 Flüchtlingen pro Woche. Sie gehört zu sieben Städten, an die derzeit alle Flüchtlinge verteilt werden, da sie ihre Betreuungsquote noch nicht erfüllt haben. Auf der Suche nach zusätzlichen Plätzen verhandelt die Stadt auch mit dem Land. Die andere Notunterkunft des Landes im Behrens-Bau am Rheinufer hat die Stadt ebenfalls übernommen. Der Vertrag gilt aber bislang nur bis Anfang Juni. Eine Landesunterkunft in der Bergischen Kaserne wird derweil immer unwahrscheinlicher: Das Land verfügt derzeit über mehr als ausreichend Wohnplätze für Flüchtlinge.

Die Ehrenamtler sind verärgert darüber, dass weder Land noch Stadt mit ihnen gesprochen haben, auch hauptamtliche Mitarbeiter sollen kritisieren, dass Informationen fehlen. Die Ehrenamtler hatten unter anderem eine Kleiderkammer sowie Sprach- und Fahrradkurse organisiert. "Wir würden uns gern weiter in der Einrichtung engagieren, aber wir wissen nicht, ob und wann es weitergeht", sagt Gollenbusch. Auch bei den Flüchtlingen habe die plötzliche Verlegung Ängste ausgelöst. Die Ehrenamtler haben für heute Vormittag ein Treffen in der Einrichtung organisiert und wollen Blumen mitbringen. "Wir wollen uns zumindest richtig verabschieden", sagt Gollenbusch.

(arl)
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