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Problemviertel in Düsseldorf-Rath
Stadt übersah jahrelang Kommune neben Schaustellergelände

Video: Das Ausweichgrundstück ist schon bewohnt
Düsseldorf. Eine illegale Halle im Schausteller-Problemquartier in Düsseldorf-Rath soll abgerissen werden. Die Stadt muss dafür aber die Güter an anderer Stelle lagern. Deshalb soll jetzt eine in Vergessenheit geratene Künstler-Kommune weichen. Von Julia Brabeck, Sebastian Esch und Arne Lieb

Die Stadt will eine illegal gebaute Halle von Schaustellern abreißen - und eine Aussteigerkommune soll deshalb ihren Standplatz verlieren. Der Konflikt um die Problemsiedlung an der Oberhausener Straße im Stadtteil Rath nimmt damit skurrile Züge an. Die Politiker im Stadtteil wollen nun die bedrohten Aussteiger unterstützen. "Es kann nicht sein, dass nach der Hackordnung agiert wird", sagt Peter Rasp (SPD).

Der Hintergrund: Die Schaustellerfamilien an der Oberhausener Straße in Rath sorgen seit vielen Jahren für Konflikte. Die Familien, die die Stadt in der Nähe der A44 einquartiert hatte, haben sich den städtischen Grund zu ihrem eigenen Reich aus Hütten und Wagen umgebaut. Der Weg wirkt wie eine Privatstraße. Die Vermesser der Stadt betreten das Areal nur unter Polizeischutz. Für besonderes Aufsehen sorgte das Quartier vor vier Jahren: Die Polizei rückte zu einer Razzia mit mehr als 300 Beamten an. Es stellte sich heraus, dass das Gelände einer Bande von Metalldieben als Unterschlupf diente.

SEK-Razzia von 2013: Polizei transportiert Diebesgut ab FOTO: Polizei

Ein Hauptstreitpunkt ist aktuell die Lagerhalle. Die Schausteller haben sie ohne Genehmigung errichtet. Sie steht zu nahe an einer Gasleitung, zudem verhindert sie, dass eine durchgehende Straße durch das Quartier geschaffen werden kann. Nach einer Klage der Stadt entschied das Landgericht, dass der Bau abgerissen werden muss.

Abriss-Urteil vor sieben Jahren gefällt, noch nicht umgesetzt

Allerdings kann das Urteil, das bereits vor sieben Jahren erging, immer noch nicht umgesetzt werden. Denn der Gerichtsvollzieher verlangt ein abschließbares Ersatzlager in der Nähe, in das die Fahrzeuge und andere Gegenstände aus der Halle gebracht werden können. Das ist bei Zwangsvollstreckungen üblich. Die Stadt muss dafür wohl in Vorkasse treten, kann aber versuchen, sich das Geld wiederzuholen. Warum sich das Verfahren hingezogen hat, ist unklar, die Stadt verweist auf die drohenden hohen Kosten.

Sie gehören zur letzten Hippie-Kommune Düsseldorfs (v.l.): Peter Sch., Friedhelm Gottschalk und Rudolf Haser FOTO: Anne Orthen

Nun hat sie einen Standort präsentiert, auf dem sich eine solche Halle errichten lassen könnte. Es gibt aber einen Haken: Auf dem Gelände direkt neben der Schausteller-Siedlung befindet sich seit den 1990er Jahren die Kommune - offenbar hatten das alle Beteiligten vergessen. Bei einer Begehung war das Gelände als unbewohnt eingestuft worden. Die Politiker wollen nun verhindern, dass die Aussteiger weichen müssen. Sie kritisieren das Verfahren. "Es ist ein fatales Zeichen für die rechtsschaffenden Bürger, dass die Stadt für einen illegal errichteten Bau einen Ersatz besorgt", sagt Birgit Schentek (CDU). Die Bezirkspolitiker verweisen darauf, dass an anderen Stellen der Stadt bestehende Hallen leerstehen.

Kommune will bleiben

Auch die Aussteiger wollen bleiben. Sie leben in Wohnwagen, haben Gärten und eine große Bühne. Sie wollten "ihrer Kreativität nachgehen", erzählt Bewohner Rudolf Haser. Es lebten noch neun Menschen auf dem Areal. Die Stadt wisse eigentlich Bescheid. "Wir haben seit knapp 20 Jahren eine mündliche Vereinbarung, dass wir hier leben dürfen, solange wir keinen Mist bauen." Miete zahlt man nicht. Das könnte sich ändern: "Wir sprechen mit den Politikern, alleine wegen der Rechtssicherheit möchten wir jetzt doch einen Vertrag", sagt Haser. Von der drohenden Räumung war Haser schockiert.

Von der Stadt heißt es, man wolle an einem Kompromiss arbeiten. Aber: "Die in Erwägung gezogene Fläche wird nach wie vor favorisiert", teilt man auf Anfrage mit.

Quelle: RP
 
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