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Düsseldorf
Stadt wählt Gaslaternen-Quartiere aus

Düsseldorf: Stadt wählt Gaslaternen-Quartiere aus
An der Hildebrandtstraße in Friedrichstadt lassen sich die Kriterien der Stadt gut veranschaulichen: Viele Autos bedeuten hohe Anforderungen an die Verkehrssicherheit und deshalb oft Punktabzüge, Altbauten und viele Bäume sorgen für eine gute Atmosphäre und bringen Pluspunkte. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Vor den Herbstferien werden Stadt und Stadtwerke in die Bezirke gehen und mit Bürgern und Politikern beraten, welche Gebiete mit alten Laternen erhalten bleiben. Für die Auswahl gibt es nun sieben feste Kriterien. Von Christian Herrendorf

14.339 Gasleuchten gibt es in Düsseldorf, rund 4000 davon sollen erhalten bleiben - für diese schwierige Auswahl gibt es nun ein Bewertungssystem, das auf alle Gebiete angewendet wird. "Die Gaslaternen sollen nicht dort bleiben, wo die Leute am lautesten schreien, sondern dort, wo sie die belastbaren Kriterien am besten erfüllen", sagte der zuständige Dezernent Stephan Keller gestern.

Der Stadtrat hatte Ende vergangenen Jahres den Kompromiss in Höhe von 4000 Gaslaternen gefasst, eine Größenordnung, die Stadt und Stadtwerke laut Keller "noch" stemmen könnten. Dass sie so viele Leuchten abbauen will, hatte die Stadt in der jahrelangen Diskussion mit Umweltschutz und Kostenersparnis sowie der Sicherheit im Straßenverkehr und Kriminalprävention begründet. Bürger hatten sich stets für den Erhalt des aus ihrer Sicht einmaligen Netzes eingesetzt.

Das Planungsbüro "Licht Raum Stadt" aus Wuppertal hat im Auftrag der Stadt einen Bewertungsbogen mit sieben Kriterien entwickelt, die es auf für jede Straße mit Gaslaternen anwendet. Die Mitarbeiter des Planungsbüros sind dafür Monate im Einsatz und werden Bürgern und Bezirkspolitikern Punktzahlen für alle Straßen und Viertel vorstellen. So sollen die Quartiere ermittelt werden, in denen die erwähnten rund 4000 Gaslaternen erhalten bleiben. Die Kriterien im Überblick:

1. Kriminalprävention Die Umfrage der Stadt zum Sicherheitsgefühl der Bürger hat einen klaren Wunsch ergeben: "Mehr Licht". Die Gaslaternen haben eine niedrigere Beleuchtungsqualität. Die Prüfer beurteilen unter anderem, ob trotzdem Gesichter entgegenkommender Personen zu erkennen sind.

2. Denkmalpflege Die Gaslaternen sollen vor allem in Gebieten erhalten bleiben, die Denkmalschutzbereiche sind und Erhaltungssatzungen haben.

3. Gestaltung Stadtraum Der Erhalt der alten Leuchten soll einen Mehrwert für die Stadt bieten. Das heißt, es sollen nicht einzelne Straßenzüge mit Gaslaternen bestehen bleiben, sondern Ensembles in Quartieren, Vierteln oder Stadtteilen. Pluspunkte gibt es, wenn die Architektur dort zu den alten Leuchten passt. Atmosphäre ist in diesem Zusammenhang einer der Aspekte, der Punkte bringt.

4. Wirtschaftlichkeit Nach Angaben der Stadt ist es teurer, Gaslaternen zu erhalten, auf den technisch erforderlichen Stand zu bringen und weiterzubetreiben, als sie auf LED umzurüsten. Folglich spielt es auch eine Rolle, wie viel an Laternen eines Quartiers getan werden muss, damit sie weiter leuchten können.

5. Bürgerwünsche Stadt, Stadtwerke und Planer werden vor den Herbstferien in den zehn Bezirken die Bürger beteiligen und Politiker anhören. Wünsche und gute Vorschläge geben ebenfalls Pluspunkte. So können Privatleute, die Gaslaternen durch Beleuchtungen an ihren Häusern ergänzen oder die Blendquellen (etwa durch Werbung) wegnehmen, die Punktzahl ihrer Straße und ihres Quartiers verbessern.

6. Verkehrssicherheit Unter anderem Zebrastreifen und Kreuzungen müssen gut und frühzeitig erkennbar sein. Dies ist durch Gaslaternen an bestimmten Stellen nicht gewährleistet und führt dann zu Punktabzügen.

7. Brandschutz Die Netzgesellschaft der Stadtwerke muss gewährleisten, dass kein Gas unkontrolliert austreten kann, die Flamme überwacht wird und der Verbrauch optimal ist. Deshalb erhält jede der 4000 fortbestehenden Gaslaternen einen Strömungswächter und eine Batteriezündung mit Flammüberwachung. Außerdem guckt sich die Netzgesellschaft jede Laterne an, ob sie genügend Abstand zur Bordsteinkante hat, Bäume oder Büsche in der Nähe stehen oder sie windanfällig ist. Nach den bisherigen Erhebungen besteht bei etwa 80 Prozent der Leuchten Handlungsbedarf. Die Kosten sind noch nicht abzuschätzen, weil noch nicht feststeht, welche Laternen angegangen werden.

Das Planungsbüro hat gestern für drei Stadtteile beispielhaft gezeigt, wie die Bewertung ausfällt. Flingern-Nord erhielt mit 5,3 Punkten einen relativ niedrigen Wert, weil dort viel Straßenverkehr herrscht und durch Geschäfte und Lokale viele andere Lichter existieren, die zusammen mit den Gaslaternen blenden beziehungsweise eine uneinheitliche Stimmung ergeben. Grafenberg erhielt 5,9, Oberkassel 7,3 - ein Wert, der gute Chancen auf den Erhalt bedeutet. Bürger und Politiker können die Werte wie beschrieben noch verändern, wenn sie Problemfälle beheben oder einzelne Straßen mit sehr niedriger Punktzahl aus ihrem Gaslaternen-Quartier herausnehmen.

Quelle: RP
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