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Düsseldorf
Stadt wusste von Problemen in Unterkunft

Düsseldorf: Stadt wusste von Problemen in Unterkunft
Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Mitte) diskutiert am Donnerstag. mit Flüchtlingen, die nicht in eine Unterkunft in Holthausen einziehen wollen. FOTO: privat
Düsseldorf. Zwei Wochen vor dem Feuer in der Flüchtlingsunterkunft an der Düsseldorfer Messe wurde das Sicherheitspersonal verdoppelt. Auch im Vorfeld hat es oft Streit ums Essen gegeben. An der Itterstraße weigerten sich am Donnerstag zwei Familien, in eine Unterkunft zu ziehen. Von Stefani Geilhausen und Arne Lieb

Die Stadtverwaltung zeigt sich nach einem Krisengespräch überzeugt, dass sich weder Betreuer noch Sicherheitsdienst vor dem Feuer in der Lagerhalle an der Messe falsch verhalten haben. Allerdings mehren sich Hinweise auf erhebliche Konflikte vor der Brandstiftung. Die Polizei rückte mehrmals pro Monat wegen Schlägereien an. Meist sei das Essen der Grund dafür gewesen, dass einer oder mehrere Bewohner der Unterkunft für zuletzt 282 alleinreisende Männer "vollkommen ausgerastet" seien, heißt es bei der Polizei. Offenbar führte ein Streit ums Essen während des Fastenmonats Ramadan auch zu der Brandstiftung am Dienstag.

Nach dem Brand einer Matratze am 21. Mai erhöhte die Stadt die Zahl der Sicherheitskräfte von acht auf zwölf, das DRK setzte seit Anfang Juni sechs statt drei Sozialarbeiter ein. Es gab auch religiöse Konflikte: Von Ehrenamtlern heißt es, Bewohner mit christlichem Glauben seien heftig schikaniert worden. Streit zwischen Flüchtlingen unterschiedlichen Glaubens sind auch in den Amtskirchen bekannt. Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting vermutet, dass sie auch mit der Art der Unterbringung zu tun haben: "In einem Massenquartier steigt der Frust." Unter den rund 3800 Flüchtlingen, die von der Diakonie betreut werden, gebe es solche Konflikte nicht, sie leben aber auch in kleineren Unterkünften, kochten und versorgten sich selbst.

Fotos: Flüchtlingsheim in Düsseldorf steht in Flammen FOTO: Patrick Schüller

Nach Angaben der Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch befanden sich die Betreuer in einem Dilemma im Umgang mit Bewohnern, die für Ärger sorgten. Als vor Weihnachten eine Gruppe von 15 bis 20 Nordafrikanern in der Unterkunft an der Borbecker Straße Mitarbeiter und andere Flüchtlinge bedroht hatte, quartierte man sie zur Strafe in eine Turnhalle um, also eine Unterkunft mit schlechterem Standard. So verfuhr man auch zunächst in der Lagerhalle. "Das war aber unsere schlechteste Unterkunft." Deshalb hätten einige Bewohner bewusst Ärger gemacht, um eine Verlegung zu erzwingen - so wohl auch die Gruppe, aus deren Reihen die Brandstiftung begangen wurde. "Dass es so weit kommt, hat aber keiner kommen sehen", sagt Koch. Die Stadt hatte die Halle eigentlich nur für Notfälle bereithalten wollen, aus Platzmangel lebten dort aber seit vier Monaten Menschen.

Die Stadtverwaltung sperrt nun die Turnhalle der Freiherr-von-Stein-Realschule in Bilk, um zusätzliche Plätze zu schaffen. Das Rote Kreuz (DRK) soll dort ab 13. Juni bis zu 300 Personen betreuen. Das soll ein Kontingent für mögliche Evakuierungen sicherstellen. Dafür war bislang die abgebrannte Halle da. Der Sportunterricht wird in die Turnhalle der Carl-Sonnenschein-Schule verlegt. Ab der übernächsten Woche sollen wieder neue Flüchtlinge kommen.

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Mitarbeiter von Stadt und Diakonie waren gestern derweil an den Leichtbauhallen an der Itterstraße in Holthausen im Einsatz. Flüchtlinge, die kürzlich in der Stadt angekommen sind und zunächst in der kommunalen Erstaufnahme in Mörsenbroich lebten, weigerten sich ab dem Mittag, den Bus zu verlassen und wollten in eine andere Unterkunft. Die Flüchtlingsbeauftragte Koch sprach am Abend mit zwei Familien mit insgesamt elf Personen, die in dem Fahrzeug ausharrten. Bewohner der Leichtbauhallen versuchten ebenfalls, die Neuankömmlinge zum Aussteigen zu überreden. Die Stimmung blieb friedlich, gegen 20 Uhr verließen die Flüchtlinge schließlich den Bus.

Quelle: RP
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