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Serie "Heimat erleben" in Düsseldorf
Sie kennen die besten Orte der Stadt

Stadtführungen in Düsseldorf: Sie kennen die besten Orte der Stadt
Sebastian Hartmann zeigt bei seiner Nachtwächter-Führung die historischen Seiten der Stadt. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Ute Michler, Sebastian Hartmann und Otto Bremm bieten ganz verschiedene Stadtführungen an. Von Sonja Schmitz

Wenn Sebastian Hartmann durch die Altstadt führt, zieht er sich Hut, Stiefel und einen altertümlich wirkenden Mantel an und nimmt die Lampe mit dem Kerzenlicht mit. Im Winter startet er freitags und samstags um halb neun abends, im Sommer eine Stunde später. In der Rolle des Nachtwächters bringt er Tagestouristen und Einheimischen nahe, wie die Düsseldorfer in vergangenen Zeiten gelebt haben. Zum Beispiel bekam ein Nachtwächter für seinen Dienst 13 Taler im Jahr. Ein magerer Lohn, schließlich kostete ein vernünftiger Mantel einen Taler.

Ute Michler ist Spezialistin für eine echte Düsseldorfer Besonderheit: das japanische Viertel rund um die Immermannstraße. FOTO: Endermann, Andreas

Zwar haben die meisten Düsseldorfer schon von Jan Wellem und einigen historischen Begebenheiten gehört, aber Stadtgeschichte mal aus einer anderen Perspektive erzählt zu bekommen, dieses Angebot nehmen viele gerne wahr. Zumal der Nachtwächter ein Experte für Geschichten von Mord und Totschlag ist. Beim Filmmuseum an der Schulstraße steht beispielsweise noch ein Stück Mauer von dem alten Kaschott, wie damals umgangssprachlich das Gefängnis hieß. Eine Wollspinnerei und eine Fellgerberei waren dort ebenfalls untergebracht, die Luft mit Urin geschwängert, der zum Gerben genutzt wurde. Später, wenn der Nachtwächter bei den Gaslaternen ankommt und von Diskussionen über sie berichtet, sind die Teilnehmer oft fassungslos: "Die muss man doch erhalten."

Ute Michler ist 30 Jahre lang durch die Welt geflogen. Aber auch privat ist sie viel gereist, am liebsten durch Asien. Als ihr Vertrag bei der LTU auslief, wo sie als Kabinenchefin arbeitete, da bekam sie von einem Kollegen den Tipp, Städteführungen anzubieten. Und das traf voll ins Schwarze. "Ich bin ein absoluter Fan von Düsseldorf und die Führungen machen viel Spaß", sagt Ute Michler.

Otto Bremm zeigt interessierten Bürgern die außergewöhnliche Natur in der Urdenbacher Kämpe. FOTO: Anne Orthen

Elf Jahre ist das mittlerweile her. Damals ließ sie sich von der Düsseldorf Marketing Tourismus als Stadtführerin ausbilden. Und sie hat es keinen Tag bereut. Denn das Wissen und die Erfahrungen, die sie auf ihren Reisen gesammelt hat, kommen ihr bei den Führungen zugute. Das gilt gerade auch für ihren zweistündigen Rundgang, der sich mit Japanern in Düsseldorf beschäftigt. Los geht es an der Touristen-Information am Hauptbahnhof, um dann an der Immermannstraße in das Klein-Tokio am Rhein einzutauchen. Die verschiedenen Läden und Restaurants geben Ute Michler Gelegenheit auf die japanischen Sitten und Gebräuche zu sprechen zu kommen. Vor allem deutsche Touristen interessieren sich für die Tour. Neulich hatten sich dafür mehrere Familien mit halbwüchsigen Kindern angemeldet, die alle jahrelang in Japan gelebt hatten. Im japanischen Supermarkt entdeckten die Kinder ihre Lieblingssüßigkeiten von damals wieder und waren begeistert.

Eine Warnung vorweg: Wer sich von Otto Bremm durch die Urdenbacher Kämpe führen lässt, muss sich Schuhe anziehen, die dreckig werden dürfen. Schließlich ist das Naturschutzgebiet im Süden der Stadt Überschwemmungsgebiet, da wird es bei Regen schnell matschig. Bremm ist Wanderführer beim Sauerländischen Gebirgsverein und hat sich von der Biologischen Station Haus Bürgel in einer umfangreichen Ausbildung zum Auenerlebnisbegleiter schulen lassen. Schließlich ist das Gebiet Lebenraum für viele Pflanzen und Tiere, eine Reihe davon kommt nur noch selten vor und ist vom Aussterben bedroht. Eine Rarität sind beispielsweise die Glatthaferwiesen, die zurzeit einen interessanten Anblick bieten. Durch die Blüte der Herbstzeitlose sind weite Felder lila eingefärbt. Im Frühjahr und Anfang des Sommers erwartet die Spaziergänger dort ein Meer an unterschiedlichsten Blumen und Kräutern. Drei Stunden dauert der Rundgang insgesamt. "Das klingt viel, es ist aber noch keiner vorher gegangen", sagt Otto Bremm, der seine Führung nicht als Einbahnstraße sieht. "Es sind immer wieder Menschen dabei, die hier geboren sind und von ihrer Jugend in Urdenbach erzählen, das ist total spannend."

Infos zu allen Touren gibt es beim Stadt-Marketing unter Tel. 17202854

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