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Wirtschafts-Hochschule
Besuch von Beckenbauer

Wirtschafts-Hochschule: Besuch von Beckenbauer
WHU-Rektor Markus Rudolf (v.l.), Franz Beckenbauer, Manager Marcus Höfl und FOTO: Endermann, Andreas (end)
Düsseldorf. Eigentlich soll Franz Beckenbauer über die Zukunft des Sports reden, aber er blickt lieber zurück in die Vergangenheit. Zu seiner großen Zeit, so erinnert sich Beckenbauer, waren die Fußballplätze noch keine blendend gepflegten Teppiche, sondern Wiesen, in denen sich der Lederball voll Wasser saugte und am Ende so schwer war, dass man beim Kopfball fast ohnmächtig wurde. Damals gab es auch noch kein datengestütztes Training, die Trainer ließen die Spieler einfach einen Berg hochlaufen, bis die Oberschenkel schmerzten. "Wir haben trainiert wie die Neandertaler", sagt Beckenbauer.

Das alles erzählt der 69-Jährige, als er gestern zu Gast in der Wirtschaftshochschule WHU in Flingern ist. Der Grund für seinen Besuch ist das "Camp Beckenbauer". Der Name lässt eine Fußballschule für Kinder vermuten, dahinter verbirgt sich aber ein Netzwerk-Forum der Sportwirtschaft. Es umfasst einen Studenten-Ideenwettbewerb für die olympischen Sportarten namens "Franz", dessen Sieger gestern prämiert werden und ihre Ideen im Herbst in Kitzbühel beim "Camp" vorstellen dürfen. Dort werden auch Funktionäre des Olympischen Komitees (IOC) erwartet. Zugleich trifft man in der WHU auf rund 60 junge, geschäftlich gekleidete Menschen, die Herren ohne Krawatte, Teilnehmer der "Young Leaders in Sports Summit", einer Konferenz für junge Spitzenkräfte der Sportwirtschaft. Auch andere Sport-Größen wie Michael Stich oder Maria Höfl-Riesch sind zu Gast.

Beckenbauers Rolle ist etwas unklar. Gründer und Organisator des "Camp Beckenbauer" ist sein Manager (und Höfl-Rieschs Ehemann) Marcus Höfl. Die Fußball-Ikone, so erfährt man am Rande, fungiert eher als "Inspiration" - vielleicht ähnlich wie bei der WM 1990, als er sich als Teamchef ja auch nicht um jedes Detail gekümmert haben soll, sondern um die große Linie. Bekanntlich mit Erfolg.

Franz Beckenbauer ist die Inspirationsfigur für das "Camp Beckenbauer" - und erzählte von alten Zeiten. FOTO: Andreas Endermann (2)

Bei der Pressekonferenz, bei der WHU-Rektor Markus Rudolf, Höfl und Beckenbauer die Sieger des Wettbewerbs vorstellen, kann man dann Beckenbauers zweites fantastisches Talent erleben, neben seiner Begabung für Ballsport. Er macht auf jeder Bühne und zu jedem Thema eine charmante Figur, selbst wenn seine Ausführungen nicht immer von dem Drang getrieben sind, inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Schon gar nicht, wenn es um die Zukunft der Sportwirtschaft geht. Da bleibt Beckenbauer nebulös. Auf die Frage, ob die IOC-Funktionäre überhaupt offen für Ideen der Studenten sind, sagt er: "Das weiß ich nicht, aber es ist schön, wenn sich Studenten Gedanken machen."

Die Zuhörer wollen sowieso viel lieber wissen, wie er die aktuelle Lage im Fußball einschätzt. (Für die Bayern ist er trotz Verletzungspech optimistisch, den Hamburger SV hat er abgeschrieben: "Ich sehe keine Anhaltspunkte für Hoffnung.") Und dann erzählt Beckenbauer mit Freude ein bisschen aus der Zeit, als die Bälle noch aus Leder waren und es keine "Young Leaders Summit" gab. Natürlich nicht, um zu sagen, dass heute alles besser wäre. "Wir haben auch Fußball gespielt." Arne Lieb

"The Gods of Football" FOTO: Marija Markovic
Quelle: RP
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