| 00.00 Uhr

Apollo Varieté
Chinesische Artistin lernt Schlangestehen

Apollo Varieté: Chinesische Artistin lernt Schlangestehen
Dou Dou lässt sich von Roberto Capello gern auf Händen tragen. Das Paar ist zurzeit in der Show "Shanghai Nights" im Apollo zu sehen. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Gut, dass Dou Dou bei ihrem ersten Einkauf in Deutschland nicht allein war. Hätte die 21-jährige Chinesin nämlich ohne Begleitung ein deutsches Kaufhaus betreten, wäre der Tag wohl in einem heftigen Streit mit den anderen Kunden zu Ende gegangen. Denn Dou Dou, die zurzeit einer der Stars in der ApolloShow "Shanghai Nights" ist, hätte wohl die vor Kasse wartenden Menschen beiseite geschubst, um möglichst schnell zu bezahlen und zu gehen.

"In China drängeln beim Einkaufen alle Leute durcheinander", sagt die Frau, der so viel Durchsetzungsvermögen eigentlich kaum anzusehen ist. Sehr schlank, nicht besonders groß und zierlich ist die Künstlerin nämlich. "Wer in China so höflich wie die Deutschen warten würde, käme nie an die Reihe", sagt sie und lächelt charmant. In "Shanghai Nights" spielt Dou Dou eine junge Frau im China der 1940er-Jahre.

Sie trifft auf einen charmanten Italiener, der sich um ein Rendezvous mit der hübschen Chinesin bemüht. Bis es zum Happy End kommt, sehen die Zuschauer zahlreiche faszinierende Varieté-Nummern: Da jonglieren die Künstler mit Hüten, balancieren riesige Vasen auf ihren Köpfen, kämpfen bei verbundenen Augen mit Säbeln, springen meterhoch, machen Salti und bilden menschliche Pyramiden. Mittelpunkt der Show aber bleibt das junge, angehende Paar, das die Zuschauer mit seinen Auftritten immer wieder begeistert.

Roberto Capello spielt den italienischen Galan, der durch seine Leidenschaft zu Höchstleistungen auf der Bühne angetrieben wird. Dass Dou Dou und Roberto Capello im Scheinwerferlicht so gut harmonieren, ist kein Zufall: Seit sich die Zwei vor bald drei Jahren bei einen Auftritt getroffen haben, sind sie ein Paar. Die Beziehung scheint gar nicht so leicht, immerhin haben beide unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Sprachen.

Eines aber haben Dou Dou und Roberto gemeinsam: ihre Verwunderung über die gute Organisation der Deutschen. Roberto erlebte in dieser Sache vor einiger Zeit seine eigene Überraschung. Er hatte sich ein Auto gekauft und fuhr zum Straßenverkehrsamt. Am Schalter legte er die nötigen Papiere vor, um ein Nummernschild zu bekommen. Schon nach fünf Minuten bekam er das Gewünschte überreicht. Roberto wartete aber noch einige Stunden weiter.

Worauf, wusste er selbst nicht, sagt er. "In Italien dauert so ein Vorgang manchmal Wochen", sagt er. "Ich hatte einfach nicht erwartet, dass Behördengänge hier so problemlos sind." Dou Dou weiß inzwischen auch, wie im Supermarkt und im Kaufhaus der deutsche Hase läuft. Ihre Kollegen erklärten ihr, dass Deutsche ein Schubsen und Drängeln an der Kasse als unangemessen empfinden. Dou Dou geht nun zuweilen allein in Supermärkte, ganz ohne einen Eklat zu entfachen.

Holger Lodahl

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Apollo Varieté: Chinesische Artistin lernt Schlangestehen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.