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Martin Roos
Debüt-Roman spielt im Schönheitssalon

Düsseldorf. Es ist eine besondere Aufgabe, den seit 300 Jahren toten Kurfürsten Johann Wilhelm Joseph Janaz von der Pfalz - kurz: Jan Wellem - zu einem aktuellen Thema für die Düsseldorfer zu machen. Dieser Aufgabe widmete sich Martin Roos, Autor, Journalist, Redenschreiber und Universitätsdozent, in seinem Debüt-Roman "Jan Wellem im Salon - Düsseldorfer Eskapaden". Das Buch jetzt im Droste-Verlag erschienen ist. Roos vermischt mit viel Witz Historie, Fiktion und Wahrheit.

Die Handlung spielt in erster Linie in einem linksrheinischen Schönheitssalon. Dort lässt Roos einen exquisiten Treffpunkt für die Düsseldorfer Schickeria entstehen. Seine Hauptfigur Jean-Baptist Dänzer-Valotti, für die Düsseldorfer "Schambatíst", ist Besitzer des gleichnamigen Salons und erweist sich als geduldige Seele und als Charakter mit seinen eigenen Meinungen. Seine Stammkunden und Freunde dürfen ihn Schabes nennen und ihre Gedanken, Träume und Ängste bei ihm abladen.

Aktueller könnte die Geschichte nicht sein, steht doch der Grand Départ kurz bevor - und mancher Charakter erinnert an reale Vorlagen. So der Oberbürgermeister Dietrich Wolkenheim, der sich begeistert von der herannahendem Tour zeigt, oder der Freund des Protagonisten, der Restaurantbesitzer Matteo Alberti, der zumindest namentlich den Baumeister Jan Wellems widerspiegelt. Der Kurfürst spielt in der Geschichte in Form eines Gemäldes eine Rolle: In Jeans Laden hängt eine vermeintliche Kopie des 1708 von Jan Frans van Douven gemalten Bildes des Kurfürsten und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa de Medici. Nach dem Tod des Kurfürsten kam das Gemälde nach Florenz, wo es sich heute in den Uffizien befindet. Über Generationen wurde dieses Gemälde im Roman in Jean-Baptists Familie weitergereicht, bis es bei ihm landete. Im Laufe der Handlung erweckt es immer mehr Interesse bei den Gästen des Salons. Ideen werden geäußert, von Kauf ist die Reden, aber auch von Fälschung, schließlich kommt es zum Diebstahl. Auf seiner Suche nach dem Bild und dessen Hintergrund taucht Jean immer tiefer ein in die Geschichten rund um Jan Wellen und entdeckt auch ein klein wenig sich selbst in ihm. Es wird betrogen, belogen, gelästert und geschossen, wie es auf dem Klappentext des 400-Seiten Romans heißt. "Es ging mir aber nicht darum, mich lustig zu machen, mich reizte eher der Spagat zwischen Wahrheiten und Lügen", sagt Roos. Es finde keine genaue Wiedergabe der Düsseldorfer Gesellschaft statt - doch ein wenig wird ihr der Spiegel vorgehalten, denn in den Salon kommen sie alle. Vermögensberater, gut betuchte Damen, junge schöne Frauen, der Oberbürgermeister, aber auch Pfarrer und Polizisten.

Roos' Ziel war es in erster Linie, etwas Lustiges zu erschaffen, etwas Leichtes. Letztendlich verbindet sich die Unterhaltung aber auch mit der echten Historie, und der Leser kann etwas lernen. Über seine Stadt, die Menschen, die in ihr leben, und vielleicht ein wenig über sich selbst.

Die Kopie des Gemäldes von van Douven ist übrigens keine Fiktion. "Es befindet sich heute im Lager des Düsseldorfer Stadtarchivs", erzählt Roos. Stefanie Thrun

Quelle: RP
 
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