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Simone Rethel
"Denk nur ans Jetzt, nicht ans Gestern"

Simone Rethel: "Denk nur ans Jetzt, nicht ans Gestern"
Simone Rethel bereitet sich auf ihren Auftritt im Theater an der Kö für das Stück "Wir sind die Neuen" vor. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Ihre Herkunft begünstigte vermutlich Ihre Vielseitigkeit. Simone Rethel ist Schauspielerin, Malerin, Fotografin und Autorin. In Düsseldorf spielt sie gerade Theater, trifft ihre Familie und genießt die Museumslandschaft in der Landeshauptstadt.

Noch bis 15. Januar sind Sie in dem Stück "Wir sind die Neuen" im Theater an der Kö zu sehen. Was reizt Sie an dem Stück und an Ihrer Rolle?

Rethel Ich habe den Film gesehen und war wahnsinnig begeistert. Es geht ja um einen Konflikt zwischen Generationen, und am Ende nähern diese sich an. Die Älteren leben und diskutieren, und die Jungen stehen unter unglaublichem Druck. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, mit lieben Freunden so eine WG zu gründen, dann aber auch mit Jungen und Alten. Es ist wichtig, dass wir Zeit miteinander verbringen. Die älteren Menschen dürfen nicht stehen bleiben und nur noch über ihre Krankheit reden.

Kürzlich trafen wir uns bei "Düsseldorf In" in Heerdt. Sie kamen mit dem Theaterregisseur René Heinersdorff, der "Wir sind die Neuen" für sein Theater an der Kö inszenierte. Was verbindet Sie beide?

Rethel Ich kenne René schon viele Jahre. Er nennt mich auch bei meinem Spitznamen Möndi. Ich bat ihn auch, eine Rede bei der Beerdigung meines Mannes zu halten, was er ganz wunderbar gemacht hat. Und er sagte: Möndi, Du musst wieder arbeiten. Ich hatte für meinen Mann Johannes Heesters eine schauspielerische Pause eingelegt. Dass ich wieder Fuß fassen konnte in der Schauspielerei, das habe ich René zu verdanken.

Sie kennen die Stadt ein wenig. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Rethel Ich mag die Stadt sehr. Und übrigens hatte ich mein erstes Engagement nach der Schauspielschule in Düsseldorf, an der Komödie. Ich mag die Museen in dieser Stadt, da schätze ich die Bandbreite. Und wie viele gehe ich gerne an der Kö shoppen und trinke einen Kaffee dort. Die Geräuschkulisse ist besonders: Das Zwitschern der Vögel an der Kö ist unglaublich.

Ihr Vorfahre Alfred Rethel, der 1859 starb, war im 19. Jahrhundert schon mit 13 Jahren Schüler an der Düsseldorfer Kunstakademie. Theodor Heuss hielt ihn für einen der größten deutschen Maler des 19. Jahrhunderts. Eine Straße hier ist nach ihm benannt. Welchen Ruf hatte Alfred in Ihrer Familie?

Rethel Es war uns schon stets bewusst, dass wir aus einer Malerfamilie kommen, aber er war nicht so oft Thema bei uns. Alfred Rethel war Historienmaler, und meinen Vater und mich faszinierten die Expressionisten.

Alfred Rethel war Maler wie Ihr Vater, der zudem als Bühnenbildner und Designer erfolgreich war, Ihre Mutter war Fotografin. Konnten Sie angesichts dieser Künstlerdichte jemals an so etwas wie eine Banklehre denken?

Rethel Es wäre undenkbar gewesen, dass ich etwas anderes gemacht hätte als Schauspielerin zu werden. Was noch eine Option gewesen wäre: die Malerei, aber das habe ich im Laufe meines Lebens ja auch verwirklicht.

Was fehlt Ihnen noch in Ihrem persönlichen Erlebnistagebuch für Düsseldorf? Worauf hätten Sie Lust?

Rethel Ich habe große Lust und bin neugierig darauf, mehr Zeit mit meiner Verwandtschaft hier zu verbringen, um sie mehr kennenzulernen. Die Nachfahren Alfred Rethels leben ja hier, bislang kenne ich zwei Verwandte, die in Oberkassel leben.

Sie sind nicht nur Künstlerin, 20 Jahre waren Sie die Frau an der Seite des legendären Johannes "Jopie" Heesters, den Sie auch heirateten. Welche seiner Lebensweisheiten ist besonders wertvoll für Sie?

Rethel Vorwärts! Denk nur ans Jetzt, nicht ans Gestern. Bis ins höchste Alter hat mein Mann nie in der Vergangenheit gelebt. Das hat ihn jung gehalten - und seine Neugierde aufs Leben und Menschen.

Sie schrieben das viel beachtete Sachbuch "Sag nie, du bist zu alt". Wie halten Sie sich fit?

Rethel Ich mache es ähnlich wie mein Mann. Bis zum Schluss ging er ins Fitnessstudio. Und das mache ich auch: Crosstrainer, Laufband, Muskeltraining. Ich bin nicht gegen die Rente, aber ich bin gegen den Ruhestand. Ich denke, das ist nicht gesund. Brigitte Pavetic

Quelle: RP
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