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Daniel Noll
Der Cartoon-Ingenieur

Daniel Noll: Der Cartoon-Ingenieur
Comiczeichner Daniel Noll mit seinem ersten Buch. Seit sieben Jahren lebt der Wirtschaftsinformatiker in Düsseldorf. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Gedrungene Figur, große Köpfe und Kartoffelnasen. Drei Merkmale, die auf fast jede Figur in den Cartoons von Daniel Noll zutreffen. Kleine Witze in Bildformat, manchmal politisch, etwas gesellschaftskritisch und mit viel Humor. Von Stefanie Thrun

1985 in Berlin geboren und aufgewachsen nahe Frankfurt, zog es Noll vor sieben Jahren nach Düsseldorf. Weg möchte er erst mal nicht mehr, wie er sagt. Ihm gefällt es hier, er liebt den Rhein, die Kasematten, das Filmmuseum und seinen Stadtteil Bilk. Ideen zu seinen Zeichnungen findet er im Alltag. In Gesprächen mit Freunden, Kollegen, bei Spaziergängen durch die Stadt, Inspiration wartet überall. Seinen eigentlichen Job als Wirtschaftsinformatiker, der ihn überhaupt erst nach Düsseldorf gebracht hat, übt er gerne aus. Sein Berufsalltag ist greifbar, wenn etwas schief läuft, gibt es dafür einen klaren Grund, am Ende vom Tag weiß man immer, was man geschafft hat.

Die Cartoons von Daniel Noll können schon mal ein bisschen böse sein. Mit Kritik kann er gut leben. FOTO: David Noll

Beim Zeichnen ist das etwas anders. Wenn er Freunden seine Cartoons vorlegt, lachen sie nicht immer. Witz ist nicht klar zu definieren, ist nicht einfach greifbar. Gemalt habe er aber schon immer gerne, sagt Daniel Noll, sowohl in seiner Kindheit als auch während des Studiums. Klar war immer, dass es Cartoons sein sollten: "Für einen ganzen Comic bin ich wahrscheinlich zu faul", sagt Noll. 2012 besuchte er erstmals als Cartoonist die Spielemesse in Essen. An einem kleinen Tisch durfte er seine Arbeiten präsentieren, etwas, das ihn damals noch viel Überwindung gekostet hat. Heute zeigt er begeistert seine Zeichnungen, erklärt, wie er arbeitet. "Eigentlich sind es kleine Collagen." Er malt Hintergründe, einzelne Figuren oder Gegenstände, legt sie aufeinander, um zu sehen, was passt. Der Text kommt später hinzu. So entsteht beispielsweise ein Hirsch, der mitten auf einer Autobahn steht und mit den Worten "Ich bin geboren, um im Scheinwerferlicht zu stehen!" einem Auto entgegentritt. Ein bisschen böse, natürlich, aber das macht seine Cartoons aus.

Kritik bleibt dabei nicht aus. Für Noll ist das allerdings meist ein lustiger Nebeneffekt. Rechnet er mit Widerspruch, kommt meist keiner, so unter anderem bei einer Zeichnung zur Erdogan-Thematik. "Manchmal bin ich fast schon enttäuscht, wenn keine Kritikschreie kommen. Ich mache extra meinen Computer aus, weil ich denke, gleich geht's los, aber nichts passiert." Dann gibt es nur zwölf Kommentare bei Facebook, alle positiv. Sieht man sich dagegen das Bild an, auf dem ein Schinken über eine Wiese läuft, zählt man satte 375 Kommentare.

FOTO: Daniel Noll

Auf die Frage, ob dieses Hobby vielleicht zum Beruf werden könnte, muss er lachen. "Wahrscheinlich eher nicht. Ich finde es einfach schön, dass ich ein bisschen was verkaufen kann. Mein Traum wäre es aber, alle paar Jahre ein Buch herausbringen zu können, das wäre schön."

Eines gibt es schon. Bei Panini erschien Anfang des Jahres das Buch "Einbilder - Zartschmelzende Cartoons" mit 170 seiner Zeichnungen. Mittlerweile ist Noll Cartoonist für die Zeitschrift "Unicum". Außerdem wurden einige seiner Zeichnungen im Satiremagazin "Eulenspiegel" gedruckt und waren bei der Ausstellung des Deutschen Karikaturenpreises 2014 und der Galerie der Komischen Künste in Wien zu sehen. Wir verlosen viermal je ein Exemplar des Buches. Einfach eine E-Mail an stadtegespraech@rheinische-post.de schicken.

Quelle: RP
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