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Interview mit Guido Cantz
"Der Karneval ist das beste Trainingslager"

Interview mit Guido Cantz: "Der Karneval ist das beste Trainingslager"
Guido Cantz beim "Närrischer Dienstag" im Maritim-Hotel. Der 44-Jährige würde sich die Ehrenbürger-Würde von Düsseldorf wünschen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Er ist einer der bekanntesten deutschen Comedians und eine feste Größe im Karneval - auch in Düsseldorf. Am 10. November kommt Guido Cantz mit seiner Show "Blondiläum" ins Savoy-Theater.

In der Show blickt er auf 25 Jahre im Showgeschäft zurück (Tickets unter www.westticket.de oder Telefon 0211 274000). Im Interview spricht der Kölner über sein Alter, die ewige Rivalität der beiden Rhein-Städte und die Herausforderungen, die der Karneval mit sich bringt.

Wenn Bands Best-of-Alben herausbringen, sind sie meist in einem gesetzteren Alter. Fühlen Sie sich mit 44 Jahren alt?

Cantz Nein, eigentlich nicht. Wenn man zurückdenkt, dann sind diese 44 Jahre echt verflogen. Ich stelle nur fest, dass ich sehr früh auf der Bühne gestanden habe. Daher fühle ich mich mit Mitte 40 immer noch recht jung. Wobei ich vor kurzem in einer Fernsehsendung war, bei der ich der älteste Comedian war.

Hat sich in den vergangenen 25 Jahren der Humor geändert?

Cantz Es gibt Zeitgeist und gewisse Moden. Irgendwann fanden viele Leute Blondinenwitze toll ...

Das fanden Sie wahrscheinlich nicht so gut.

Cantz Ich kann auch über mich selber lachen. Aber irgendwann war die Zeit der Blondinen-Witze auch wieder vorbei. Und dann gab es eine Zeit, in der schwarzer Humor angesagt war. Doch der Hauptunterschied ist, dass es schwieriger geworden ist, Leute zum Zuhören zu bekommen.

Weil die Aufmerksamkeitsspanne durch Smartphones und andere Dinge geringer geworden ist?

Cantz Genau. Man muss einfach mehr bieten auf der Bühne, damit die Leute bei einem bleiben.

Welche Kniffe wenden Sie da an?

Cantz Die aktuelle Themenauswahl bei einem Bühnenprogramm ist sehr wichtig. Man muss mit den Zuschauern agieren. Man muss auch einfach reagieren können, wenn sich im Publikum etwas anbietet. Das gilt besonders im Karneval. Da laufen zum Beispiel die Kellner durch den Sitzungssaal.

Zu Ihrem Soloprogramm kommen die Leute schließlich, weil sie Sie gut finden und nicht weil es die Sitzung ist, die sie aus Gewohnheit besuchen.

Cantz Ich glaube, dass es deutlich einfacher ist, wenn man aus dem Karneval kommt und dann Comedy macht als umgekehrt. Denn wenn man immer in dem geschützten Rahmen eines Soloprogramms aufgetreten ist und dann zum ersten Mal auf einer Karnevalssitzung auftritt, dann merkt man schnell, dass dort ein anderer Wind weht.

Wäre Ihre Karriere auch ohne Karneval denkbar?

Cantz Nein, das glaube ich nicht. Karneval ist das beste Trainingslager für die Comedybühne und das Fernsehen.

Sie haben also vom Karneval gelernt, wie man am besten auf ein Publikum eingeht.

Cantz Wie gesagt, Karneval ist die beste Schule. In meinen 25 Jahren stand ich mindestens 5000 Mal auf der Karnevalsbühne. Das gibt es nicht mal in Las Vegas.

Zum 20-jährigen Bühnenjubiläum sind Sie Ehrensenator geworden beim AVDK. Was kommt jetzt zum 25-Jährigen? Gibt es da schon eine Karnvelsgesellschaft in Düsseldorf, die sich angemeldet hat?

Cantz Ich gehe davon, dass ich noch hohe Weihen erlangen werde. Ich hab Mal gehört, als Ehrenbürger von Köln würde man von den Steuern befreit. Das wäre doch eine feine Sache. Aber gerne auch in Düsseldorf, wenn es sich denn lohnt.

Haben Sie noch Wünsche und Träume, was Ihre Showkarriere angeht? Wollen Sie auch mal das Olympiastadion füllen wie Mario Barth?

Cantz Ich war bei seinem Weltrekord sogar dabei. Das war ein großes Erlebnis 2014. Phänomenal, was Mario da auf die Beine gestellt hat. Ob das noch zu toppen ist? Ich würde sehr gerne "Verstehen Sie Spaß?" noch ein paar Jahre moderieren und wünsche mir noch viele erfolgreiche Jahre auf der Bühne. Damit wäre ich sehr zufrieden.

Haben Sie mal überschlagen, wie viele Ihrer 5000 Karnevalsauftritte in Düsseldorf stattfanden?

Cantz Das werden schon einige gewesen sein. Klar gibt es diese Konkurrenzsituation zwischen Köln und Düsseldorf, die auch ein bisschen gemacht ist. Ob ich jetzt in Düsseldorf auftrete oder in Köln macht ja keinen Unterschied. Ich behaupte sogar, dass die Düsseldorfer besser zuhören, weil sie vielleicht nicht so verwöhnt sind. Die Düsseldorfer freuen sich, wenn ich bei ihnen auftrete, egal ob Karneval oder Comedyprogramm. Man darf sich selbst nicht so ernst nehmen und über Köln wie Düsseldorf Scherze machen. Jan Wiefels

Quelle: RP
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