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Street Art
Der Mann hinter den Pac-Man-Geistern

Street Art: Der Mann hinter den Pac-Man-Geistern
Pdot steckt hinter den bunten Geistern, die überall in Düsseldorf kleben. Er will anonym bleiben. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Geister-Sticker überall in der Stadt sind eine kuriose Attraktion von Düsseldorf geworden. Ein Treffen mit Pdot, dem Mann, der sie klebt. Von Arne Lieb

Manchmal hört Pdot, wie ein Kind auf einen seiner Geister zeigt und den Eltern freudig zuruft: "Da ist wieder einer!" Oder er bekommt mit, wie Betrachter gemeinsam rätseln, was es mit den Stickern auf sich hat. Dann freut er sich, dass die Menschen mal nicht auf ihr Handy schauen - und seine Kunst wahrgenommen wird.

Er geht trotzdem schweigend weiter. Pdot, wie er sich als Straßenkünstler nennt, will anonym bleiben. Natürlich, weil er seine Aufkleber illegal anbringt. Ein paar Mal ist er schon weggelaufen, wenn sich die Polizei näherte. Aber auch, so sagt er, weil er sich nicht in den Vordergrund drängen wolle, sondern es den Leuten überlassen, immer neue seiner Werke zu entdecken. Rund 2000 Geister hat er in Düsseldorf bislang geklebt, in allen möglichen Farben, viele simpel gestaltet, manche mit aufwendigen Motiven. So ziemlich jedem sind sie schon aufgefallen - und damit eine kuriose Attraktion der Stadt geworden.

Gerade sind einige künstlerisch gestaltete Geister von Pdot anlässlich des Street-Art-Festivals "40 Grad" in der "Brause" (Bilker Allee 233) zu sehen, genau wie Werke von anderen Stickerkünstlern. Die Ausstellung ist heute ab 20 Uhr geöffnet.

Über sich selbst verrät Pdot nur so viel: Er ist Ende 20 und sieht sich als kritischen Geist. Er habe keinen Fernseher und kein Radio, sondern informiere sich durch das Internet gezielt zu Themen, die ihn interessieren, wie Flüchtlingspolitik oder natürlich Street Art. An seinen Händen sieht man Schwielen - eine Folge seiner Leidenschaft: Alle Geister bastelt er in Handarbeit. Er schneidet mehrere Lagen Folie zurecht und verklebt sie, an einem komplizierten Sticker sitzt er schon mal sechs Stunden. Wenn er dann durch die Stadt zieht, hat er immer ein paar dabei und hält nach Plätzen Ausschau, in denen sie gut zur Geltung kommen - und ihn niemand beobachtet. Vor allem höhere Lagen haben es ihm angetan. Ein Sticker, so erzählt er, hängt in acht Meter Höhe. Wo? Das sollen die Leute selber herausfinden. Wie ist er so hochgekommen? Dienstgeheimnis.

Vor fünf Jahren hat Pdot mit den Geistern angefangen. Er habe das Motiv aus dem Videospiel Pac-Man einfach gutgefunden: neutral, freundlich, nicht sexistisch, mit hohem Wiedererkennungswert. Er wolle das Stadtbild verändern und graue Flächen verschönern, sagt er. Und auch provozieren. Aber nicht in den Alltag eingreifen: Die Vorderseite von Schildern etwa sei tabu. Pdot betont auch: Die Sticker lassen sich rückstandslos entfernen.

Die Reaktionen beobachtet er genau. Szenemagazine haben berichtet, auch in den sozialen Medien haben die Geister für Aufsehen gesorgt. Das gefällt Pdot. Geld verdienen will er mit den Stickern keinesfalls. Gerade verkauft er einige Exemplare, der Erlös geht aber an eine Flüchtlingsinitiative. Die nächsten Motive für die Straße seien in Arbeit. "Ich habe da immer noch Bock drauf."

Quelle: RP
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