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Raimund Jahnke
Der Salmiakki-Mann

Raimund Jahnke: Der Salmiakki-Mann
Raimund Jahnke in der Pempelforter Kneipe Mutt's. Den Salmiakki gibt es in 0,7-Liter- und 0,35-Liter-Flaschen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Die Düsseldorfer Altstadt hat schon viele Kult-Schnäpse erst in den Kehlen der Zecher und später aus dem Sortiment der Kneipen verschwinden sehen. Von Persiko spricht schon lange keiner mehr, der Mexikaner hat nie wirklich den Durchbruch geschafft, Krumme Lanke und Killepitsch haben überlebt.

Seit einigen Jahren hat sich ein neues Likörchen in die Herzen trinkfester Stammgäste einschlägiger Etablissements geschlichen - der Salmiakki. In inzwischen 35 Läden der Altstadt und der Peripherie erhalten experimentierfreudige Gäste den nach Lakritze schmeckenden Kurzen nach original finnischem Rezept. Zu verdanken haben sie das Raimund Jahnke. Und das kam so:

"Ich habe schon immer gerne meinen Urlaub in Finnland verbracht. Es muss so Ende der 90er Jahre gewesen sein, als meine Gastgeber mir einen Salmiakki angeboten haben. Sie tranken zuerst - und überlebten. Dann habe ich auch einen probiert. Ich fand ihn toll, wirklich lecker", erzählt der 53-Jährige. Immer wieder brachte er für Freunde den "finnischen Fusel", der mit nur 26 Prozent Alkohol eigentlich erstaunlich mild im Abgang ist, nach Deutschland mit. 2004 reifte dann der Entschluss, selbst Salmiakki (heißt übersetzt eigentlich nur Salzlakritz) herzustellen. "Die ersten, überraschend erfolgreichen Versuche habe ich in der Spülmaschine unternommen: Eigentlich habe ich nur Lakritzbonbons in einer Wodka-Flasche aufgelöst und alles schön bei 60 Grad durchrütteln lassen." Unter dem Dach seiner Firma für Elektrotechnik begann er zwei Jahre später mit dem Vertrieb, kreierte selbst Etikette, setzte vor den nicht geschützten Begriff Salmiakki "seine" Marke "Null Zwo Elch" (eine Anspielung auf die Düsseldorfer Vorwahl) und ging Klinken putzen.

"Kreuzherreneck und Julio waren die ersten Kneipen, die mitgemacht haben", sagt der Pempelforter. Sein ursprünglicher Job geriet in den Hintergrund, glückliche Zufälle halfen dabei, dass der Siegeszug des Salmiakki in der Landeshauptstadt nicht mehr aufzuhalten war. "Die Musiker einer finnischen Band ließen sich auf ihrer Deutschland-Tournee Miniatur-Fläschchen, jeder mit einem persönlichen Label, anfertigen. Beim ESC 2011 in Düsseldorf bot das Kreuzherreneck ein Lena-Gedeck - Alt mit Salmiakki - an, das sorgte sogar überregional für Schlagzeilen." Jahnke kaufte sich zwei Mischmaschinen und zwei Abfüllanlagen und verlegte seinen Firmensitz nach Benrath. "Mittlerweile muss ich nicht mehr die Kneipen mit meinen Sixpacks abklappern, die Wirte melden sich bei mir. Touristen aus dem Umland tragen die Marke nach außen, so dass auch Anfragen aus dem Ruhrgebiet kommen." Neben Pempelfort und Derendorf gibt es Kneipen in Oberkassel oder Holthausen, in denen der Salmiakki in Strömen fließt. "Eine Confiserie in Bayern lässt sich von mir mit Salmiakki beliefern, die machen daraus Trüffelpralinen." Und Raimund Jahnke denkt bereits einen Schritt weiter: "Ich könnte mir auch ein Salmiakki-Eis vorstellen." 

Quelle: RP
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