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Globalisierung
Die lange Reise einer Flaschenpost

Globalisierung: Die lange Reise einer Flaschenpost
Sabine Roy hat vor Jahren eine Flaschenpost ins Meer geworfen - nun ist sie gefunden worden. FOTO: Endermann
Düsseldorf. Bei ihrer ersten Kreuzfahrt wirft die Düsseldorferin Sabine Roy eine Flaschenpost ins Meer. Fast elf Jahre später geht sie deshalb griechisch essen. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte über die Weiten des Meeres, einen US-Amerikaner mit skurrilem Hobby- und die doch immer noch irgendwie unglaublichen Möglichkeiten des Internets.

Im Oktober 2004 bricht Sabine Roy von Bremerhaven mit der TS Maxim Gorkiy auf. Die Reise führt über New York bis zur mexikanischen Insel Cozumel. Vor den Bermudas schickt sie die Flasche durch ein Bullauge auf die Reise. Sabine Roy könnte später schwören, dass sie eine Flasche aus Glas verwendet hat.

Clint Buffington sammelt Flaschenpost und schreibt unter www.messageinabottlehunter.wordpress.com FOTO: CB

In den folgenden Jahren macht sie viele weitere Reisen. Sabine Roy befasst sich auch beruflich mit dem Thema - sie arbeitet als Reiseberaterin bei Neckermann am Flughafen. An die Nachricht im Meer denkt sie nicht mehr, sie geht davon aus, dass die längst verschwunden ist.

Ist sie aber nicht. Am 21. Mai 2011, auf den Tag genau vor genau vier Jahren, fällt sie in die Hände von Clint Buffington. Der damals 26-Jährige aus Salt Lake City im Bundesstaat Utah ist im Urlaub mit seiner Mutter, um seinen Abschluss in Literaturwissenschaften zu feiern. Er ist an diesem heißen Tag unterwegs auf einem Strandspaziergang - und kommt offenbar aus einer besonderen Familie. Spaziergang, das bedeutet bei den Buffingtons, dass man sich Wasser und Essen in den Rucksack packt und nach Treibgut sucht: Bojen, Holz, Muscheln und eben Flaschen. Schöne Stücke nehmen die beiden mit. Clint Buffington schreibt darüber ein Blog, das in den USA viel Aufmerksamkeit erregt: "Message in a Bottle Hunter".

Der Flaschenpost-Jäger wird diesmal hinter einer Düne fündig. Sein Herz schlägt höher, als er den Zettel sieht - auch wenn er schon oft enttäuscht wurde. "Es ist unglaublich, wie viele Menschen einfach das Etikett in die Flasche stopfen."

Die Flasche hat in der Zwischenzeit eine weite Reise gemacht: Die Buffingtons finden sie auf einer kleinen Insel der British West Indies - rund 1600 Kilometer entfernt von dem Ort, wo Sabine Roy sie sieben Jahre zuvor losgeschickt hat.

Bis er die Absenderin findet, muss Clint Buffington noch ein Rätsel lösen, an dem er mehrere Jahre mit beträchtlichem Aufwand arbeiten wird - wie gesagt: Die Buffingtons sind eine besondere Familie.

Clint Buffington erkennt das Logo des Schiffs auf dem Zettel in der Flache, aber die Handschrift ist nicht mehr lesbar. Als er das Papier in die Sonne hält, sieht er lediglich schwache Abdrücke eines Stifts. Dann ein erster Erfolg: "Plötzlich war das Wort ,Düsseldorf' sichtbar", erinnert er sich. Nach hartnäckiger Untersuchung kann er auch den Namen der Absenderin herausarbeiten. Die genaue Adresse allerdings ist nicht mehr wiederherzustellen.

Clint Buffington versucht vergeblich diverse Tricks: Er bestrahlt den Zettel mit schwarzem UV-Licht und verwendet einen Foto-Filter, der unsichtbare Schrift sichtbar macht. Auch im Internet findet er keine weiteren Informationen über die mysteriöse Sabine, obwohl er stundenlang sucht. Vergessen kann er die Flaschenpost nicht. "Ich habe mir gesagt, dass ich diese Frau irgendwann finden muss."

Die Wende kommt, als das Deutsche Hygiene Museum in Dresden im Winter ankündigt, dass es ein anderes Fundstück von Buffington ausstellen will. Er entscheidet sich, nach Deutschland zu reisen. Vorher will er Sabine Roy endlich finden.

Er schreibt alle Personen dieses Namens an, kontaktiert Facebook-Gruppen aus Düsseldorf. Die Such-Anfrage wird immer weiter geteilt und erreicht Tausende Menschen. Diesmal hat er Glück. Keinen Tag nach der Veröffentlichung meldet sich ein Mann von Helgoland, der Sabine Roy kennt - der Flaschenpost-Jäger ist erfolgreich.

Jetzt haben sich alle drei in Düsseldorf zum Essen verabredet. Clint Buffington hat den Eindruck, dass Absenderin und Finder viel gemeinsam haben: die Vorliebe für griechisches Essen und Flaschenpost, außerdem die Sorge um die Verschmutzung der Meere.

Die treibt Sabine Roy wirklich um. Sie ist deshalb verwundert, dass sie damals doch eine Plastikflasche ins Meer geworfen hat. Noch mal würde sie das nicht machen, sagt sie - auch wenn sich dann keine weiteren Finder aus Übersee melden werden. "Inzwischen habe ich viele weitere Kreuzfahrten gemacht, aber keinen Müll ins Meer geworfen."

Arne Lieb

Quelle: RP
 
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