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Elena Sancho Pereg
Die singende Schauspielerin

Elena Sancho Pereg: Die singende Schauspielerin
Elena Sancho Pereg ist seit einem Jahr Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein. Von Düsseldorf ist die Baskin begeistert. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. In ihrer Hand hält sie einen Fahrradhelm. Was für ihre Gesundheit sicherlich wertvoll ist, würde man, ganz in Vorurteilen verharrend, eher nicht von einer Opernsängerin erwarten. Aber Elena Sancho Pereg mangelt es an Starallüren, an solch falscher Eitelkeit.

Ein Kaugummi, das auf der Bank klebt, auf die sie sich setzen mag, entfernt die Spanierin mit einem abgebrochenen Ast. Kein Ekel, kein verzogenes Gesicht. Elena Sancho Pereg lächelt über ihre strahlend weißen Zähne, die roten Lippen, und erzählt einfach, dass der Baum da rechts ihr Lieblingsbaum in Düsseldorf ist. Nebenbei: Wer hat denn schon einen Lieblingsbaum?

Opernsänger ist ein Beruf, aber auch irgendwie ein Zustand. In Hollywoodstreifen sind sie immer dick, immer eitel, fast immer zickig. Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, dass Hollywood oft an der Wirklichkeit vorbei arbeitet, dann ist es diese grazile 33-jährige Dame. Die Baskin, Fingernägel im matten Blau lackiert, oranger Pulli, brauner Blazer, ist das Gegenteil des filmischen Stereotyps. Sie lacht herzerfrischend, erzählt einfach drauf los, in Deutsch und Englisch gemischt, weshalb sie ihren Gesprächspartner auch einfach duzt.

Seit einem Jahr ist Elena Sancho Pereg Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein. Ab Freitag ist sie in der Rolle der Emilie Turecek (genannt Fiaker-Milli) in "Arabella" von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss zu sehen. Im Wien der 1860er Jahre geht es grob vereinfacht um Liebe. Zwei Töchter einer ärmlichen Adelsfamilie, Arabella und Zdenka, sollen heiraten. Aber wen und warum, das ist natürlich sehr verworren. Am Ende, das ist das Schöne der Oper, dominiert das Glück.

Elena Sancho Pereg ist so etwas wie der Nachwuchsstar der Opernszene. In ganz Europa ist die Sopranistin gefragt und gewinnt einen Preis nach dem anderen. Den NRW-Förderpreis hat sie sich gesichert, für den Faust-Theaterpreis ist sie jüngst nominiert worden. Aber, Elena Sancho Pereg sagt: "Von Preisen kann ich nicht leben, ich brauchte einen Job." Den hat sie in Düsseldorf bekommen. In Friedrichstadt wohnt sie zusammen mit ihrem Bruder. Vorher hatte sie eine Wohnung in Oberkassel, aber ihr jetziger Kiez gefällt ihr besser. "Da ist es lässiger", sagt sie. Elena Sancho Pereg schwärmt von diesem Land, von den Menschen hier und von der Lebensqualität der Stadt insbesondere. "Ich könnte mir vorstellen, hier eine Familie zu gründen." So schön findet eine Baskin, die für Musik, Essen und Landschaft in ihrer Heimat brennt, Düsseldorf.

Elena Sancho Pereg ist eine Schauspielerin, die singt. Die meisten Opernsänger müssen das Schauspielern erst lernen, ihr liegt es im Blut. Sie mag die moderne Oper, mag Jazz, mag Soul, mag Tanzen in den Clubs. Mit sechs Jahren hat sie begonnen, im Chor zu singen. "Ein Zufall", sagt die 33-Jährige. Ein glücklicher Zufall.

Henning Rasche

Quelle: RP
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