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Fastenzeit
Diese Düsseldorfer wollen sich bewusst zurücknehmen

Fastenzeit: Diese Düsseldorfer wollen sich bewusst zurücknehmen
Engelbert Oxenfort will mit Ehefrau Hildegard fasten. FOTO: anne orthen
Düsseldorf. Kuchen, Süßigkeiten, Wurst und Alkohol stehen bei den Oxenforts ab heute auf der Roten Liste. Denn am Aschermittwoch beginnt nach dem kulinarisch oftmals ausschweifenden Karneval die Fastenzeit. Dem Fasten widmet man sich im Hause Oxenfort erst ab Donnerstag, denn den Hoppeditz wollen sie noch zünftig beim Fischessen mit einem Glas Wein beerdigen.

"Dann aber wollen wir uns einschränken. Das tut Leib und Seele gut", sagt Engelbert Oxenfort. Für ihn ist das nichts Neues, "ich kenne das Fasten schon von Kindesbeinen an und meine Frau ebenfalls". Die Plätzchenkiste, die sich die Oxenforts erst kürzlich noch gekauft hatten, werden sie jetzt verschenken. Denn darum geht es auch beim Fasten, um Großzügigkeit durch Verzicht, die Einsicht, was eigentlich notwendig ist und was nicht.

Oxenfort erinnert sich, wie seine Großmutter früher den Bierkrug kopfüber auf den Tisch stellte. Er blieb in den Wochen bis Ostern leer. "In anderen Teilen der Welt müssen Kinder hungern, hier werfen wir so viele Lebensmittel weg. Auch vor dem Hintergrund ist es gut, sich eine Weile zurückzunehmen. Das macht uns frei und wir machen natürlich sonst keine Abstriche. Gelacht wird trotzdem." Besonders klar sei ihm der Sinn des Fastens beim Verzicht auf Zigaretten geworden. Mittlerweile raucht Oxenfort nicht mehr. "Wenn man darauf verzichten kann und das nicht zu körperlichen Problemen führt, dann wird einem bewusst, was man wirklich braucht."

Während die Session offiziell ausklingt - auch wenn sie in diesem Jahr wetterbedingt doch noch verlängert wird - ist Oxenfort aber schon wieder mit dem Karneval beschäftigt. "Nach dem Karneval ist vor dem Karneval."

Doch auch außerhalb der Jecken-Szene gibt es Fastenvorsätze. Schauspieler Wolfgang Reinbacher hat sich noch nicht ganz entschieden: "Meine Vorschläge lauten 40 Tage auf Alkohol verzichten und ab 18 Uhr nichts mehr essen, vielleicht noch einen Apfel. Ob ich mich daran halte, weiß ich allerdings noch nicht." Barbara Noth, Dramaturgin am Schauspielhaus, fastet regelmäßig. Allerdings im Sommer ohne jegliche Nahrungsaufnahme. "Ich finde, in unserer Gegenwart geht der Gedanke verloren, dass auf etwas Verzichten Bereicherung bedeuten kann. Tatsächlich blüht die Welt auf und man gewinnt unglaublich viel Zeit, wenn man Computer und Mobiltelefon für eine Woche im Schrank einschließt."

(vpa)
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