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Fünf Lieblingsorte - Jörg Knör
Ein Bistro als Rückzugsort

Fünf Lieblingsorte - Jörg Knör: Ein Bistro als Rückzugsort
Jörg Knör hat jedem Mitarbeiter von Roberts Bistro eine selbstgezeichnete Karikatur geschenkt - auch Kellnerin Miriam. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Häufig ist es der Karneval, der Jörg Knör nach Düsseldorf bringt. Der geniale Parodist und spitzzüngige Entertainer gilt beim närrischen Volk als Gute-Laune-Garant. Außerhalb der fünften Jahreszeit füllt er mit Solo-Programmen die Säle der Republik. Seine aktuelle Show "Vip Vip, Hurra" zeigt er nun ein letztes Mal im "Theater an der Kö".

Scherzhaft nennt er die drei Abende vom 24. bis 26. November "Letzte Ausfahrt Düsseldorf". Heißt: Wer dabei sein möchte, sollte sich beeilen. Auch wenn viele seiner Fans "Vip, Vip, Hurra" schon gesehen hätten - ein Besuch lohne sich dennoch. "Die Leute werden kaum etwas wiedererkennen", versichert Jörg Knör, das sei wie bei einer aufpolierten Wohnung: "Das Klingelschild ist noch dran, aber das ganze Mobiliar wurde ausgetauscht." Flexibilität ist eine seiner Spezialitäten. Blitzschnell greift er Tagesereignisse auf und münzt sie kreativ um. Das Theater versteht der 56-Jährige als Spielplatz. Und so verwundert es nicht, dass er seinen "Tatort" als einen von fünf Lieblingsorten in der Stadt angibt.

Theater an der Kö Eine Bühne wie ein Boxring, schwärmt er. Er liebt diese Nähe zum Publikum. Berührungsängste sind ihm, einer erklärten "Rampensau", völlig fremd. Toll sei auch das Umfeld der Kö, denn dort fische er jede Menge Gags ab. "Ein fabelhaftes Schaufenster, ich kenne die üblichen Verdächtigen sehr genau", sagt er und denkt bei der feinen Gesellschaft oft an die TV-Satire "Kir Royal".

Roberts Bistro Sein Fluchtpunkt. Speziell im Karneval, wenn ihm zahllose Auftritte die Energie rauben. "Dort will ich hin, sobald ich mich kraftlos fühle und trotzdem nicht allein sein möchte", beschreibt Jörg Knör. Beim Schlemmen wählt er gern "die vertrauensvolle Auster". Ihm gefällt die Illusion von Frankreich im Medienhafen. Und die Lässigkeit, Hochwertiges aus der Küche auf Papiertischdecken zu servieren. "Die sind für mich Magneten", verrät der talentierte Zeichner. Von jedem Mitarbeiter, ob Küche oder Service, habe er schon eine Karikatur angefertigt und den Portraitierten geschenkt.

Geldautomaten Kein bestimmter. Alle in der Stadt. Wo er halt gerade ist und schnell Bares benötigt. Düsseldorf sei für ihn eine ständige Verlockung, teure Sachen einzukaufen, gibt er zu. Oft genug lässt er sich verführen, eine Kreditkarte aber lehnt er ab: "Ich bin ein großer Freund von Bargeld. Wo kämen wir hin, wenn es abgeschafft würde?" Schon wegen der Trinkgelder, die er lieber persönlich überreicht. Oder der Obdachlosen, die auf ihn zählen können: "Sie brauchen Empathie und Zuwendung. Da spende ich gerne."

Kantine in der Oper Auf den ersten Blick wirkt sie schmucklos. Doch wenn Künstler sie bevölkern, wird die nüchterne Kantine für Jörg Knör zum magischen Ort. Er liebt die Oper, ist Ehrenmitglied des hiesigen Freundeskreises, hat früher selbst in einem klassischen Orchester Oboe und Klarinette gespielt. "Während einer Vorstellungspause in der Kantine sein zu dürfen, inmitten der kostümierten Sänger, ist ein Stück Exklusivität, das ich sehr genieße."

Waffelbude in der Altstadt Reiste Familie Knör einst aus Wuppertal nach Düsseldorf, was damals einer kleinen Himmelfahrt gleich kam, war der Junge fasziniert von der mondänen Großstadt. Ein Abstecher zur Waffelbude in der Bolkerstraße gehörte beim Ausflug stets dazu. "Darauf freute ich mich jedes Mal", erinnert er sich. So geht es ihm bis heute. Fast alles habe sich verändert, diese winzige Bude aber sei noch da. Das findet er tröstlich. "Für mich bedeutet sie ein Stück Kindheit. Wenn ich den Waffelduft schnuppere, bin ich wieder der kleine Jörg." Regina Goldlücke

Quelle: RP
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