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Thorsten Anders
Ein Meister des schlechten Geschmacks

Thorsten Anders: Ein Meister des schlechten Geschmacks
Thorsten Anders in seiner Filmsammlung. Sein neuestes Hörspiel "Frankensteins blutige Teufelspranke" spielt erstmals in Düsseldorf. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Ein gigantisches Monster, ein weiser japanischer Greis, kreischende Frauen und ein ebenso bärbeißiger wie schießwütiger General - Thorsten Anders mag es trashig. Zusammen mit seinem Freund Sascha Menge produziert er Hörspiele, mit denen er Lust auf die Welt der gut gemachten Geschmacklosigkeit jenseits des Mainstreams wecken will.

In seinem neuesten Werk entsteigt ein mythischer japanischer Riesensalamander dem Rhein und plättet dabei nicht nur Edeldamen und ihre Chihuahuas, er fällt auch gleich den Rheinturm.

"Trash ist für mich kein Schimpfwort", sagt Anders. Als Fan des absurden, unfreiwillig komischen Films lernte er Regisseure wie Ed Wood lieben, füllte seine Wohnung nach und nach mit immer mehr Devotionalien aus dem Reich der Pappmaschee-Filmkunst. "Mich interessieren am meisten die alten Sachen aus den 50er und 60er Jahren, Sascha eher die 80er und 90er", sagt Anders. Das Lieblingsmonster des 43-Jährigen ist ein grünes Fischwesen, dass durch Filme aus den 50ern bekannt wurde.

In Anders' Regalen stehen fast 3000 katalogisierte DVDs und Blu-Rays, wo noch Raum war, fanden Figuren aus Science-Fiction, Fantasy und Agentenfilmen einen Platz - unter ihnen auch sein Liebling, der Fischmensch aus dem Schwarz-Weiß-Schocker "Der Schrecken vom Amazonas" (1953). "Filme müssen nicht gut sein, sie müssen vom Herzen kommen", erklärt Anders seine Vorliebe für reißerische alte Streifen wie "Die Rache des Ungeheuers" (1955) oder "Die Straße der Verdammnis" (1977). Seine Liebe zum Trash will er mit der Welt teilen, weshalb er bereits zwei Horror-Hörspiele produzierte. Als Sprecher für sein neuestes Werk, "Frankensteins blutige Teufelspranke", konnte er auch Prominenz gewinnen wie Hennes Bender, Szene-Kenner wie den Godzilla-Experten Ingojira (Ingo Strecker) und Sprecherlegende Santiago Ziesmer, der Hollywoodstars wie Steve Buscemi und Matthew Broderick seine Stimme leiht, aber auch den Spongebob spricht.

Dass Anders seine Geschichte in Düsseldorf spielen lässt, liegt nicht nur am Wohnort des Event-Managers, der mit seiner Frau und seinem neun Monate alten Sohn Eric (im Hörspiel zu hören als dumpf grollendes Monster "Gi-Gansyou") in Pempelfort lebt. Denn die Stadt ist auch ein kleines Stück Japan, das Heimatland der "Kaiju" (Film-Monster wie Godzilla). "Ich habe schon auf dem Japan-Tag im letzten Jahr kleinere Aufnahmen gemacht", sagt Anders. Für eine Szene, in der "Thorsten" und "Sascha" - einfallsreiche, aber inkompetente Reporter und Hauptpersonen des Hörspiels - eine mit Sprengstoff beladene historische Straßenbahn fahren, bekam Anders Hilfe vom Verein "Linie D". Tür auf, Tür zu, quietschende Räder sind im "Frankenstein" ebenso zu hören wie O-Töne eines Ticketverkäufers der "Weissen Flotte". Erhältlich ist das Hörspiel für 9,99 Euro in größeren Elektronikmärkten oder bei Amazon. Oliver Burwig

Quelle: RP
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