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Torsten Enge
Ein Philosoph singt freche Lieder

Torsten Enge: Ein Philosoph singt freche Lieder
Torsten Enge spürt dem Klang der 1930er Jahre nach. Marlene Dietrich hat er eine eigene CD gewidmet. FOTO: andreas bretz
Düsseldorf. Man muss ihn erlebt haben, wie er da am Flügel steht: groß gewachsen, ein feines Lächeln in den Mundwinkeln, und wie er ein Lied singt, das schon Marlene auf den Lippen hatte. Torsten Enge - Philosoph, Sänger, Autor - imitiert die große Dietrich nicht, er setzt den alten Melodien eigene Glanzlichter auf.

Die Musik der 1930er Jahre hat es ihm besonders angetan, auch weil er fasziniert ist vom "Esprit der Texte". Aber festlegen lässt er sich nicht, denn der Mann ist ein Multitalent.

"Die Liebe zur Musik war immer da", sagt Torsten Enge. Und weil zur Neigung eine auffallend schöne Stimme kam, studierte er zunächst Gesang und probierte sich als Regie-Assistent aus - "der Drang zur Bühne war stark." Bis er auf die zweite Liebe seines Lebens stieß: die Philosophie, die ihm neue Einsichten bot. Er tauchte ein in die Gedankenwelt von Hegel und Leibniz, dessen universellen Geist er bewundert. "Der dachte über so aktuelle Themen nach, wie man Frieden stiften kann." Torsten Enge studierte Philosophie, promovierte, war viele Jahre als Dozent an der Uni tätig, entwickelte für die Hochschule ein Kulturprogramm und organisierte "Philosophische Sommerwochen". Auch ein Theater für die Studierenden hätte er gern gegründet, fand dafür aber keine Mitstreiter.

Die Musik blieb all die Jahre Lebenselixier. Wobei er gern die Elemente mischt, schon mal den "Zarathustra" von Nietzsche rezitiert und mit den Tönen des Jazz-Ensembles "Lesart" auf einer CD zu einem Klang-Cocktail mixt. "Wenn man schwierige Texte hört statt liest, findet man vielleicht leichter einen Zugang."

Der ist ihm bei seinen Live-Auftritten sicher, ob er mit seinem "Hölderlin-Programm" oder der Revue "Checkpoint Charlie" in der Düsseldorfer Jazz-Schmiede auftritt - ein musikalisches Porträt von Berlin zu der Zeit, als die Stadt noch von einer Mauer zerschnitten war.

Und immer wieder spürt er dem Klang der 1930er Jahre nach. "Die Texte sind wunderbar, fast alle wurden von jüdischen Autoren geschrieben, sie haben Witz und Pfiff." So singt der Philosoph die frech-frivole "Zuhälterballade" von Kurt Weill und die melancholischen Chansons der Dietrich.

Ihr hat er eine eigene CD gewidmet, auf der er beweist, wie gut sich seine Stimme auch mit dem Swing verträgt. Diese Hommage an Marlene hätte einfach sein müssen, "weil man ihr nach dem Krieg hierzulande so viel Verachtung entgegengebracht hat."

Nun, mit Anfang 60, will sich Torsten Enge ganz auf Projekte konzentrieren, bei denen es um eigene Texte geht. Soeben arbeitet er an einem "Buch der Sonette", das zunächst als E-Book erscheinen soll. Das erste Gedicht heißt "14 Zeilen" und handelt von einer großen Zärtlichkeit. Zu wem? Das wird nicht verraten.

Ute Rasch

Quelle: RP
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