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Oper
Eine Ballerina am Klavier

Oper: Eine Ballerina am Klavier
Cécile Tallec ist in Paris aufgewachsen. Seit 14 Jahren gehört sie als Korrepetitorin dem Ensemble der Rheinoper an. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Da wächst ein Mädchen in Paris heran, spielt früh Klavier, hat das absolute Gehör und träumt davon, zwei Berufe parallel auszuüben: Konzertpianistin und Primaballerina.

Denn eine begabte Tänzerin ist die Tochter eines Sängers und einer Klavierlehrerin auch. In jungen Jahren kennt Cécile Tallec schon ganze Opern auswendig, darf Generalproben besuchen, ist verzaubert vom "Maskenball" mit Luciano Pavarotti und fasziniert von "Elektra". So sehr sie das Ballett liebt - am Ende triumphiert die Musik.

"Mit 13 Jahren machte es klick, da wusste ich, wohin ich wollte." Was im Sinne ihrer Eltern war, wie sie erzählt: "Das zeigt schon mein Name, Cécile ist die Schutzpatronin der Musiker. Ich sollte Pianistin werden, meine jüngere Schwester Geigerin. Das funktionierte." Sie studiert am Conservatoire supérieur in Paris Klavier und Klavierbegleitung, schließt ihr Examen mit Auszeichnung ab, macht eine Ausbildung als Korrepetitorin und arbeitet an der L'Opéra national de Paris mit renommierten Künstlern zusammen.

Und heute? Heute ist aus Cécile Tallec längst eine glückliche Düsseldorferin geworden. Als der damalige Intendant Tobias Richter 2002 auf Talentsuche in Paris ist, bewirbt sie sich. Eine französische Korrepetitorin ist ihm im Vorfeld von "Carmen" und "Die Liebe zu den drei Orangen" sehr willkommen. "Ein Jahr wollte ich ursprünglich in Düsseldorf bleiben", sagt sie. "Dann lernte ich meinen Mann kennen, einen Österreicher aus dem Opernchor. Aber ich lebe hier wirklich sehr gern. Habe ich Sehnsucht nach Paris, setze ich mich in den Zug." Seit 14 Jahren gehört Cécile Tallec (40) als Korrepetitorin dem Ensemble der Rheinoper an. Für Laien ist ihr Beruf schwer vorstellbar. "Meine Aufgaben sind sehr vielseitig", sagt sie. "Ich studiere mit den Solisten ihre Partien ein, helfe beim Rhythmus, der Intonation, der Sprache.

Bei szenischen Proben spiele ich am Klavier alle Arien mit, was nicht ganz so interessant ist, weil es viele Wiederholungen gibt. Auch bei Orchesterproben sind wir dabei." Am liebsten mag sie die Arbeit mit den Sängern: "Vor allem, wenn sie die betreffende Oper nicht kennen. Ich weiß genau Bescheid über ihre Geschichte und gebe das weiter. Dann bin ich ein bisschen wie ein Regisseur." Sehnte sie sich nie nach einer Karriere als Pianistin? "Nein, da wäre ich ja so einsam", antwortet sie. "Man braucht schon ein ausgeprägtes Ego, um als Solist erfolgreich zu sein. Ich dagegen liebe den Kontakt mit Menschen und bin gern in einem Ensemble." Natürlich sei ihr Job ein wenig undankbar, räumt sie ein: "Man führt ein Schattendasein und steht nicht selber im Licht. Aber die Sänger sind froh, dass es uns gibt." Und gelegentlich fällt auch auf Cécile Tallec etwas Glanz. Bei mehreren Ballett-Abenden spielte sie Kompositionen von Maurice Ravel, Mozart und zuletzt das Solo in César Francks "Variations Symphoniques". Im Kosmos der Rheinoper fühlt sie sich wohl: "Es kommen immer wieder neue Künstler, Gäste und Musiker. Nur dürften gern noch ein paar Franzosen mehr dabei sein." Regina Goldlücke

Quelle: RP
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