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Deutschland-Reise
Entschleunigungs-Tour macht Halt an Düsseldorfer Büdchen

Düsseldorf. So ganz zur Aussteigerin will Bianca Schäb nicht werden - "Entschleunigung" ist das, was sie sucht. Das Leben langsamer angehen, auf Unnötiges verzichten und sich von Hektik als Lebenskonzept verabschieden. Die Grafikerin tourt deshalb seit drei Wochen mit maximal 50 Kilometern in der Stunde durch Deutschland - schneller fährt ihr "Goggomobil" mit dem kleinen Camping-Anhänger nicht. Jetzt erreichte sie Düsseldorf, wo sie die Kunst der Entschleunigung am Büdchen lernen will.

"Ich könnte noch zwei Jahre lang weiterfahren", sagt die 30-Jährige. Ihre Fahrt führte sie unter anderem schon zu einem Koblenzer Kloster, in dem Nonnen ein Schweigegelübde ablegen und einer "Slow City", die sich dem langsamen Wachstum verpflichtet fühlt. In Düsseldorf machte sie Halt am informativen "Gesundheitsbüdchen" des Gesundheitsamtes, dem Fortuna-Büdchen am Rheinufer und dem Oberbilker "Das Büdchen" an der Linienstraße. Dessen Besitzer Ökkes Yildirim ist bekannt für schräge Kunstaktionen, demnächst will er beispielsweise Wanduhren an Galgenstricken im öffentlichen Raum aufhängen.

Die Frankfurterin Schäb filmt sich bei ihrer Tour, die Ergebnisse lädt sie in kleinen Serien auf ihren Youtube-Kanal "Frohleins Reise", ihre Erlebnisse sind auch auf www.frohlein.de/blog zu finden. In zwei bis drei Wochen sollen dort auch Videos ihrer Begegnung mit der Düsseldorfer Büdchenkultur zu sehen sein. Dabei begleitete sie Büdchen-Experte Christoph Dohmen, der auf dem "Büdchenblog" seine städtischen Lieblings-Kiosks, Trinkhallen und Stehcafés vorstellt.

Wie gut Schäb mit dem langsamen, spartanischen Lebensstil zurechtkam, kann sie selbst kaum glauben: "Ich dachte mir, dass es dabei wie bei einer Diät sein würde: Schon am ersten Tag denkt man an nichts anderes als an Erdbeertorte." Doch die drei Wochen, in denen sie Autobahnen mied, im nur etwa 1,50 Meter hohen Camper schlief und sich keinem Termindruck aussetzte - für die Fahrt von Köln nach Düsseldorf plante sie drei Tage ein - zeigten eine positive Wirkung: "Man merkt, mit wie wenig man eigentlich auskommt." Doch irgendwo gibt es selbst für die genügsame Schäb eine Grenze: "Das Einzige, was ich bisher vermisst habe, war Schaumfestiger für die Haare."

(bur)
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