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Fifty Shades Of Grey
Erotikfilm langweilt Senioren

Fifty Shades Of Grey: Erotikfilm langweilt Senioren
Die 82-jährige Hanna sah den Film in der Reihe "Traumkino". Die Geschichte habe sie nur mäßig begeistert. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Sonderlich begeistert ist Hanna wirklich nicht. "Da hat ja ein Softporno mehr zu bieten", erzählt sie. Aber die Geschichte sei mal etwas anderes gewesen, eine Abwechslung. Die 82-jährige Hanna hat sich am Mittwochvormittag den Film "Fifty Shades of Grey" im "Traumkino" des Ufa-Palastes am Hauptbahnhof angesehen.

Und weil das ein leicht delikates Thema ist, verrät sie ihren Nachnamen lieber nicht. Wer weiß schließlich, ob sie nicht mit pikanten Sexpraktiken in Verbindung gebracht wird? Aber Hanna ist eine starke Frau. "Ich würde da nicht drauf reinfallen, was der mit dem Mädchen macht", sagt sie. Einmal, sagt Hanna, wäre sie vielleicht mit ihm mitgegangen, aber dann hätte sie dem was erzählt. "Wenn der mich einmal so behandelt hätte, wäre ich sofort abgehauen", sagt Hanna.

Ein junger hübscher Mann kommt aus der Gosse. Seiner schwierigen Kindheit hat er sich entledigt und verdient inzwischen das große Geld. Christian Grey ist Unternehmer und hat sich selbst zum Milliardär gemacht - jedenfalls im Film. Mit seiner Aura zieht Grey die Kunststudentin Anastasia Steele in seinen Bann und führt sie in die Praktiken des Sadomaso ein. Als die Buchreihe "Fifty Shades of Grey" von E. L. James als Blockbuster in die Kinos dieses Landes kam, spaltete sich die Meinung. Während Baumärkte von verstärktem Absatz von Kabelbindern und Klebeband berichteten, sorgten sich andere um den Verfall der verbliebenen Sitten der Gesellschaft.

Man kann das alles aber auch deutlich entspannter sehen. Nämlich so wie die meisten der älteren Frauen und Männer, die sich bei Kaffee und Kuchen die überwiegend harmlosen Szenen von "Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen" angesehen haben. Eine Dame, die sich vor neuen Verehren fürchtet und im Verborgenen bleiben möchte, sagt etwa: "Ach, der Film ist schon sehr interessant. Man lernt wenigstens mal neue Sachen kennen." Sie selbst steht aber nicht auf derartige Sexualpraktiken. "Sie etwa?", fragt sie ihren Besucher zurück.

Die Stimmung nach dem Film ist jedenfalls überwiegend heiter und entspannt. Ingrid ist mit ihren Freundinnen im Kino gewesen und sagt hinterher im Eiscafé: "Es soll ja bald einen zweiten Teil geben. Wenn der noch ein bisschen krasser ist, gehen wir wieder rein." Warum, fragt Ingrid, solle man nicht einen Film über dieses Thema drehen, schließlich gebe es ja eine große Szene in dem Bereich. "Viele junge Leute mögen das doch", mutmaßt Ingrid. Und so wie die Liaison zwischen Christian und Anastasia abläuft im Film, könne das schon der Realität entsprechen, glaubt Ingrid, die mit ihren 70 Jahren einen jugendlichen Eindruck macht. "Geschmäcker sind verschieden", sagt sie. Wenn man seinen Gefallen an solchen Dingen findet, dann sei das in Ordnung. Sie selbst hat im Film aber eher gelacht. Henning Rasche

Quelle: RP
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