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Kaan Düzer
Fotograf zeigt die Punks der Altstadt

Das sind die Punks der Düsseldorfer Kapuzinergasse
Das sind die Punks der Düsseldorfer Kapuzinergasse FOTO: Kaan Düzer
Düsseldorf. Er wollte eigentlich nur den Film voll bekommen, damit er ihn endlich entwickeln kann - Kaan Düzer fotografiert am liebsten noch analog. Er erinnert sich noch ganz genau: Auf seiner zweiäugigen alten Rolleiflex-Kamera waren sieben Fotos frei. Also fuhr der 46-Jährige nach Düsseldorf, um Fotomotive zu finden.

Als er durch die Altstadt schlenderte, ging er an der Kapuzinergasse vorbei, einem bekannten Treffpunkt für Punks. Spontan blieb Düzer stehen und fragte, ob er Fotos von der Punk-Gruppe machen dürfte.Jan, der an dem Tag auf der Straße saß, zeigte ungläubig auf die alte Kamera. "Was, damit?", fragte er und lachte laut. Das Eis war gebrochen.

Auf der Kapuzinergasse in der Düsseldorfer Altstadt hat Kaan Düzer mehrere Jahre eine Gruppe Punks fotografisch begleitet. FOTO: Andreas Bretz

Am kommenden Dienstag findet im Rathaus eine Vernissage statt, bei der seine Arbeiten ausgestellt werden. Die gemeinnützige Organisation Fiftyfifty unterstützt Düzers Schau finanziell. Das könnte Aufsehen erregend werden: Auch seine "Fotomodelle" wollen kommen. Oberbürgermeister Thomas Geisel wird eine Rede halten. Die Ausstellung endet am 8. Juni.

Kaan Düzer wurde 1969 in der Türkei geboren. Er wuchs in Istanbul auf und kam mit 25 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland. Seitdem lebt er in Solingen und arbeitet in der Computerbranche, und zwar in Neuss. Aber auch das Fotografieren bedeutet ihm sehr viel: "Ich sehe mich mehr als Fotograf und Künstler", betont er. Punks zu fotografieren, war schon lange Zeit ein Wunsch von ihm. "Mich faszinieren die Haarfarbe, der dominante Körperschmuck und die Tattoos der Punks", sagt er. Oft zieht es ihn mittlerweile in die Kapuzinergasse. Seit er das Vertrauen der Gruppe gewonnen hat, dürfe er fotografieren, was er wolle.

Auf die Idee, aus den Fotografien ein Buch zu gestalten, kam er gemeinsam mit der Punk-Gruppe. Insgesamt 3000 Fotos hatte er geschossen. "Ich habe dann nachher doch zu einer digitalen Kamera gewechselt. Leider wurde es analog zu teuer", sagt der Fotograf. Zusammen mit seinen Protagonisten suchte er 300 Bilder aus und reduzierte die Zahl dann auf 68. Der Bildband ist trotz der bunten Farben der Punks bewusst in schwarz-weiß gehalten. Düzer wollte das Straßenleben festhalten, zeigen, wie hart das Dasein auf der Platte ist. "Farben hätten von der eigentlichen Situation abgelenkt", sagt er. 2015 war die erste Auflage des Buches fertig, dieses Jahr erschien die zweite. Jeder Punk, der fotografiert wurde, bekam ein Exemplar und ist stolz darauf. Zusammen so frei zu sein, wie man möchte, schweißt die Gruppe zusammen. Es muss wohl der Bruch mit der Bürgerlichkeit sein und die Verheißung der Freiheit, die Düzer so fasziniert.

Doch nicht nur positive, auch traurige Erfahrungen musste der Fotograf während seines Projektes machen. Maik, den er direkt an seinem ersten Tag kennenlernte, starb an einer Überdosis Heroin. "Das war unheimlich traurig. Ich habe gedacht, Maik würde einfach ein paar Tage nicht zu uns kommen. Dass er tot ist, habe ich erst später erfahren", sagt Düzer. Drogen seien auch ein Teil des Lebens auf der "Kapu".

Der Bildband ist beim Verlag BoD-Books on Demand erschienen und kostet 15 Euro. Mehr Fotos aus seinem Buch finden sich online unter www.rp-online.de/duesseldorf.

Alessa Brings

Quelle: RP
 
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