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Pétanque-Turnier
Französisches Kugelwerfen für Schweizer

Pétanque-Turnier: Französisches Kugelwerfen für Schweizer
Am Rheinufer spielten mehr als 1100 Sportler beim 20. Festival du Pétanque. Das Turnier ist gefährdet, weil Hauptsponsor Vallourec abgesprungen ist. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Pétanque ist kein Sport für Hektiker. Bis Bernhard Lemm-Rödel, Chef des Vereins Düsseldorf sur Place, die Regeln erklärt hat, vergeht eine Weile. Und wer den Turnier-Veranstalter dann noch fragt, was der Unterschied zu Boule oder Boccia ist, der hat eine blöde Frage gestellt - und viel Zeit mitzubringen.

Grob gesagt, müssen die Stahlkugeln so nah wie möglich an das Schweinchen genannte kleine Bällchen geworfen werden. "Das erfordert Körpergefühl", sagt Urs Blöchinger, sehr langsam sagt er das. Er ist mit seinen Vereinskameraden Felix Rudolf und Felix Zehnder aus dem Schweizer Kanton Aargau angereist, zum dritten Mal bereits. Sie sind in einem Pétanque-Verein in Bad Zurzach organisiert. Ob der Sport nicht langweilig ist, fragen wir Felix Zehnder. Doch der antwortet erst mal nicht. Dann sagt er mit Schweizer Akzent: "Ich muss jetzt spielen". Die Antwort bleibt er genauso schuldig wie Urs Blöchinger und der andere Felix. Ein Unterschied zum Boule ist, dass weder geraucht noch Wein getrunken werden darf.

(V.l.) Urs Blöchinger, Felix Zehnder und Felix Rudolf sind die Schweizer Mannschaft aus dem Kanton Aargau. Dass das Turnier wegen Regen und Gewitter abgebrochen werden musste, störte sie kaum. In der Ruhe liegt ihre Kraft. FOTO: Anne Orthen

"Wer betrunken ist, muss vom Platz", sagt Organisator Lemm-Rödel. Langweilig scheint es dennoch nicht zu sein, denn das Schweizer Team in roten Grüezi-Trikots ist genauso gespannt wie die mehr als 1100 anderen Teilnehmer. Sie nehmen den Sport ernst. Die Eidgenossen haben gerade einen zähen Sieg errungen gegen eine Mannschaft bestehend aus drei neunjährigen Düsseldorfer Jungs. Eine Frage des Alters ist Pétanque jedenfalls nicht.

Wer sich als Zuschauer am Wochenende das Pétanque-Turnier in Ruhe ansah, der versteht etwas von der Faszination, die das beruhigende Spiel ausstrahlt. Es ist Ent- und Anspannung, ein einfaches Spiel mit viel Taktik, aber vor allem ist es - auch ohne ein Glas Wein dazu - echt französisches Lebensgefühl. "Und das Rheinufer hier bei Euch in Düsseldorf passt einfach ideal dazu", sagt Urs Blöchinger. Dass das Spiel wegen Gewitters unterbrochen wurde, machte den Sportlern nichts.

Der Fortbestand des Turniers, das sein 20-jähriges Bestehen feierte, ist übrigens fraglich. Hauptsponsor Vallourec hat seine Unterstützung aufgekündigt. Thorsten Breitkopf

Quelle: RP
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