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Felix Krull Im Central
Führmann ist ein reizender Hochstapler

Felix Krull Im Central: Führmann ist ein reizender Hochstapler
Moritz Führmann spielt den berühmten Schelm und Hochstapler Felix Krull aus dem unvollendet gebliebenen Roman von Thomas Mann. FOTO: andreas endermann
Düsseldorf. Dieser Roman, den Thomas Mann einst schrieb, hat es dem Schauspieler Moritz Führmann angetan: Erneut gab er in einer mit gewaltig Text angereicherten One-Man-Show den berühmten Schelm und Hochstapler Felix Krull. Die Zuschauer im Saal im Central applaudierten begeistert, und am Ende servierten er und Pianist Klaus-Lothar Peters nach geballten 70 Minuten eine charmante musikalische Zugabe.

Nicht nur Führmann kennt sich mit dem charismatischen Lügner aus ("Die Chuzpe dieses Kerls reizt mich ungemein!"), auch Jörg Knör hat einen Narren an ihm gefressen. So heißt auch sein Programm, mit dem er am 22. und 23. Juni im Theater an der Kö gastiert, "Filou". In gewisser Weise sei die Felix-Krull-Geschichte auch sein Karriere-Prinzip: immer mit der "Lüge", gibt er freimütig zu. "Ich kann das, mir ein Engagement oder eine TV-Sendung zu ergattern - ohne jede Erfahrung. Und dann die Lüge zur Wahrheit zu machen." Manchmal müsse man auch hoch stapeln, um sich unter Druck zu setzen: "Als mich eine Computerfirma fragte, ob ich mein Programm auch in New York auf Englisch machen kann, habe ich das tatsächlich mit Bravour geschafft, obwohl ich das noch nie gemacht hatte."

Das Faszinierende sei die Persönlichkeit, die das könne, sagt Theaterintendant René Heinersdorff über den schillenden Felix Krull. "Ein Schuss Erotik, eine Portion Bürgerlichkeit für die Seriosität, eine Spur Wahnsinn. Insofern ist mein Freund Moritz ziemlich gut besetzt." Seine Familie ist übrigens voll von Krullen, wie Heinersdorff sagt. "Mein Großvater, den ich sehr geliebt habe, war zum Beispiel in der Lage, Leuten zu vermitteln, ihm gehöre halb Düsseldorf, und für das Wetter sei er auch zuständig. Das Problem war, dass er es in dem Moment selber geglaubt hat."

Wir alle hätten tief in unserem Herzen eine Schwäche für solche Menschen fangenden Filous, meint Parfüm-Experte Frank Schnitzler. Mehrmals sei er solchen begegnet. "Aber ich habe diese Vorfälle verdrängt. Ich schäme mich ein wenig." Der Film aus den 1950er Jahren habe ihn als jungen Mann fasziniert, schwärmt Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven. Und auch er hat im wahren Leben einschlägige Erfahrung mit diesem Typus sammeln können: Bei einem dachte er mal, er wäre der Oberstadtdirektor von Düsseldorf, und er war "nur" ein "kleiner" Angestellter in der Stadtverwaltung. "Dauernd und unentwegt" begegnet Vermögens- und Zukunftsforscher Thomas Druyen Felix Krulls. "Wir sollten uns ernsthaft wieder auf die Suche nach Wahrheit und Charakter machen", ist er überzeugt. Ein Freund Moritz Führmanns schummelte sich jünger, um mal eine Frau kennenzulernen, und nun sind sie ein Paar. "Obwohl das eine völlig lapidare Schummelei war, wird es immer schwerer, das wahre Alter zu sagen. Da wäre ich gern dabei, wenn es rauskommt." Brigitte Pavetic

Quelle: RP
 
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