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Ausstellung im K 20
Gabriele Henkel macht sogar Persil zur Kunst

Ausstellung im K 20: Gabriele Henkel macht sogar Persil zur Kunst
FOTO: Endermann, Andreas (end)
Düsseldorf. Wenn das K 20 bald die Ausstellung "Henkel - die Kunstsammlung" zeigt, hat dieser Titel etwas von einem Etikettenschwindel.

Denn der Konzern hat diese Werke zwar im Laufe der Jahre erworben, aber da gibt es jemanden, ohne den diese Sammlung nicht zustande gekommen wäre: Gabriele Henkel, Witwe des 1999 verstorbenen Konzern-Chefs Konrad Henkel. Wann genau sie angefangen hat, Kunst als Teil ihres Lebens zu sehen, sich mit ihr auseinander zu setzen, aber auch die dazu gehörende Szene zu genießen, dürfte außer ihr nur ein kleiner Kreis von Vertrauten wissen.

1955 heiratet die um 1930 Geborene (das exakte Datum verheimlicht sie!) den 40 Jahre alten Konrad, 15 Jahre später beginnt sie mit dem Aufbau der Sammlung. Aber die junge Journalistin, die sie seinerzeit war (u.a. arbeitete sie für die US-Zeitschrift Newsweek und war Mitglied der Bonner Bundespressekonferenz) hat schon vorher Kontakt zur Düsseldorfer Szene im Dunstkreis der Kunstakademie gehabt.

Dass sie Teil dieses Kultur-Mix aus Studenten, freischaffenden Kreativen, Altstadtgängern und Dozenten der Hochschule sein konnte, war ihrem Charme, ihrer Bildung, ihrem scharfen Geist, aber nicht zuletzt auch ihrer Schönheit geschuldet. Junge Künstler jeden Alters ließen sich schon immer gern von attraktiven Musen küssen. Einzelheiten aus jenen Jahren gibt es nur von Gleichaltrigen dieser Altstadt-Bohéme.

Salopp gesagt, muss es eine sehr kreative, rege Zeit gewesen sein, in der beispielsweise ein rumänischer Künstler namens Daniel Spoerri 1968 unbedingt ein Restaurant am Düsseldorfer Burgplatz eröffnen wollte und das am Ende schaffte, weil die einflussreiche Gabriele Henkel ihm dabei half. Spoerri - ein Kapitel der Altstadt-Legenden wie Creamcheese, Pferdestall oder das Lord Nelson. Dass sie schließlich 1970 - da war sie Ende 30 - anfing, Kunst zu kaufen, geschah, so sagte man, auf Wunsch der Henkel-Führung.

Eine Rolle, prädestiniert für diese Ehefrau eines weltweit agierenden Konzern-Chefs: ihr stand alles offen. Sie lernt Menschen kennen, auf die der Begriff Jet-Set passt und die die anderen nur aus dem Fernsehen kennen. Bis heute ist sie fasziniert von dieser Welt des Kreativen, schart über die Jahre Maler, Bildhauer, Journalisten und Schriftsteller um sich. Wer diese Abende in der Familienvilla in Hösel erlebt hat (oder auch in ihrem privaten Haus im Zoo-Viertel), der musste irgendwann an das Bild von Motten denken, die dem hell strahlenden Licht nicht widerstehen konnten (und wollten), das da in ihrer Mitte funkelt.

Sie kannte (und kennt) sie alle, und mit den meisten war oder sie per Du: Beuys, Immendorff, Lüpertz, Richter, Polke, Mack, Uecker, später Gursky und Ruff, Immi Knoebel und Sieverding. Dass sie auch höchst großzügige Gastgeberin, Mäzenin, Kundin, Sammlerin ist, hat diese Beziehungen natürlich gefördert - aber anders als bei anderen reichen Sammlern, denen die für viel Geld erworbenen Werke nur teuer sind wie Trophäen, wird Gabriele Henkel von den Großen der Kunst immer ernst genommen. Denn irgendwann war klar: Sie war eine von ihnen. Und ist es immer noch.

Die Frau hat natürlich das große Glück, ohne jeden Druck finanzieller Grenzen (jedenfalls solcher üblicher Definition) ihre Ambitionen ausleben, ihr Talent in Ruhe pflegen zu können. Über Geld spricht man nicht in solchen Kreisen, aber wenn man sagen würde, es spielt keine Rolle, trifft man den Kern. Unvergessen ihre Verblüffung, als ein früher Konzernlenker (der nicht aus der Familie stammte), sie freundlich, aber bestimmt bat, doch bitte ihre Pläne und Vorhaben zu "budgetieren".

Sie spie das Wort aus wie einen Pflaumenkern, offensichtlich schwer kauend an dieser Zumutung. Unvergessen auch der von ihr (wie viele andere) geförderte junge und sehr sympathische Künstler, mit dem sie in einer riesigen Halle eine größere Installation realisieren wollte, zu der aber nach dem unbarmherzigen Urteil der Chefin die Farbe einer einer Wand nicht passte. Der junge Mann: "Frau Henkel telefonierte kurz - und am nächsten Tag kamen Anstreicher und bemalten die Wand in der von ihr gewünschten Tönung!" Der offenbar noch nicht mit irdischen Gütern dieser Quantität Verwöhnte war nachhaltig beeindruckt.

Das sind viele in ihrer Umgebung. Vor allem, wenn man die Ehre hat, als Gast bei einem ihrer "kleinen Abendessen" dabei sein zu dürfen. Der Begriff "klein" hieß rund 100 Personen, und die Namen waren erlesen. Da saßen gemeinsam an den langen Tafeln Angela Merkel und Helmut Kohl, der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, die SPD-Legende Horst Ehmke, FDP-Chef Guido Westerwelle und der Alt-Liberale Klaus Kinkel, der Journalist Rudolf Augstein und der Alt-Linke Klaus Staeck, manchmal schaute Henry Kissinger vorbei und traf auf Industrie-Erbe und Kunst-Sammler Mick Flick. Ganz klar: wenn sie einlädt, dann kommt man auch. Nicht zuletzt, weil die Gäste wissen, dass der Abend in jeder Hinsicht erlesen - aber nie protzig! - und immer spannend sein wird.

Der Besucher wird Teil eines inszenierten Gesamtkunstwerks, nichts überlässt die Gastgeberin dem Zufall. Die Tischdeko ist stets ihr eigenes, wenn auch flüchtiges Werk, gern bedient sie sich geschickt gesetzten Lichts und der Produkte des Konzerns, mit dessen Geld sie Kunst kaufte, und dessen Kapital sie durch deren Wertzuwachs nicht selten vermehrte: Persil als Pulver oder Megaperls, Kristalle, Pads, Pulver, Kugeln - die Fantasie der Henkel-Frau macht aus solchen Gegenständen Kunst, vor der jeder Betrachter staunend steht und über die Vielseitigkeit simpler Dinge nachzudenken beginnt.

Es ist halt eine Inszenierung von Lebenswelten - unter diesem Arbeitstitel erhielt sie die Professur für Kommunikationsdesign an der Hochschule Wuppertal. Absolut logisch: Kommunikation in jeder Form ist ihre herausragende Fähigkeit, immer wieder arbeitet sie gern als Autorin (dabei selbst das kleinste Honorar gerne einfordernd!) Nun also sollen Werke der Sammlung gezeigt werden: für Gabriele Henkel sicher eine späte Bestätigung, denn ihre Beziehung zum Konzern war über die Jahre nicht ohne Spannung. Hans Onkelbach

Quelle: RP
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