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Rezeptbuch
Gourmet-Koch will jetzt scharf machen

Rezeptbuch: Gourmet-Koch will jetzt scharf machen
Sternekoch Robert Hülsmann hat ein Kochbuch mit vegetarischen Rezepten geschrieben. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Essen ist längst nicht mehr einfach nur Nahrungsaufnahme, es ist Lifestyle, Haltung und - es ist Leidenschaft. Was auf den Tisch kommt, wird zelebriert. Nichts anderes macht Robert Hülsmann schon sein ganzes mehr als 50 Jahre währendes Koch-Leben. Und weil er "Erotik nicht vom Essen trennen kann - was einfach wunderbar ist", hat der Oberkasseler Brasserie-Sternekoch nun sein erstes vegetarisches Kochbuch geschrieben, gewürzt mit aphrodisierenden Zutaten wie Granatapfel, stimulierendem Zimt oder Chili und Vanille, Fenchel, der schon die Gladiatoren im alten Rom beflügelt hat, blutzuckersenkender Berberitze oder Spinat, der für Schwung in Körper und Geist sorgen soll.

"Aber nicht, dass einer denkt, meine Rezeptsammlung sei für solche, die ihr müdes Liebesleben aktivieren wollen, und es gibt auch keine Tipps für Diätfans oder Trendsetter", sagt der 68-Jährige. Zusammen mit dem Fotografen Wolfen sei vielmehr ein Buch entstanden für Menschen, die gern und bewusst gut essen und Wert auf körperliches und seelisches Wohlgefühl legen.

Dabei tauchen viele alte Gerichte auf, die Hülsmann von seiner Großmutter, langjährigen Freundinnen und Pizzabäcker Mario geerbt hat - wie die Quarkbrötchen à la Astrid oder die Griesnockerln mit Steinpilzen. Die sammelt der Koch am liebsten in Belgien, wo er, wenn er nicht in Düsseldorf am Herd steht, mitten in der Natur mit Freundin Corinne und Hund lebt. "Der Herbst ist für mich die schönste Zeit des Jahres. Dann bin ich stundenlang im Wald auf der Pirsch." Aus den 1960iger Jahren stammt eine seiner Lieblingsspeisen: "Welsh Rabbit", eine mit Käsemasse gratinierte Toastscheibe, "die damals in jeder bürgerlichen Gaststätte auf den Tisch kam."

Und warum schreibt er ausgerechnet ein vegetarisches Kochbuch? "Die Nachfrage ist groß und sie wächst stetig. 40 Prozent der unter 40-Jährigen bestellen in meiner Brasserie weder Fleisch noch Fisch", erklärt der Sohn eines Metzgers. Aber auch in seiner Familie kam höchstens alle zwei Wochen mal Fleisch auf den Tisch. Stattdessen widmet sich Hülsmann mit Leidenschaft den verschiedenen Gemüsen, verführerischen Früchten, Kräutern und frischen Salaten, sie seien eben die Seele einer jeden Küche. Das im LIO-Verlag erschienene, 237 Seiten starke Buch (29,90 Euro) ist gespickt mit schönen Fotos (auch privaten) und außergewöhnlichen Ideen, darunter Kartoffelkrapfen mit Roquefort und Backpflaumen oder Linseneintopf mit Kapuzinerkresse. Zudem gibt es reichlich Infos beispielsweise über Anis-Samenkörner, die im Orient frisch verheiratete Paare bekommen, um ihre Liebesleidenschaft anzuheizen und ihnen viele Kinder zu bescheren.

Weil Robert Hülsmann aber eigentlich alle Rezepte nur im Kopf hat, hat er beim Schreiben doch tatsächlich was vergessen. Also Achtung: Bei der Granatapfel-Himbeer-Konfitüre fehlt der Zucker - 200 Gramm davon sollten schon rein.

Dagmar Haas-Pilwat

Quelle: RP
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