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Musik
Henry Rollins schaut für Platten vorbei und bleibt auf einen Kaffee

Musik: Henry Rollins schaut für Platten vorbei und bleibt auf einen Kaffee
Wenige Stunden nach seinem Auftritt beim Ruhrpott-Rodeo-Festival schaute Henry Rollins (l.) bei Günter Herke (r.) und Andreas Ziegler vorbei. FOTO: Slowboy
Düsseldorf. Günter Herke sucht noch immer nach den richtigen Worten, um zu beschreiben, wie er sich fühlt. Denn am Montag schaute die Ikone des Punkrock, Henry Rollins, in seinem kleinen Laden an der Oberbilker Allee vorbei.

"Er war ein Stück weit der Grund dafür, dass es überhaupt unser Plattengeschäft gibt, und dann stand er mittags vor der Tür: Ich fühle mich beseelt", sagt der Chef des Plattenladens.

Eigentlich hatten Herke und sein Geschäftspartner Andreas Ziegler eine Woche zuvor ihr Geschäft nach mehr als neun Jahren aufgegeben, waren mit dem Aus- und Aufräumen beschäftigt. Doch am vergangenen Sonntagabend habe dann überraschend jemand vom Management des Stars angerufen und gefragt, ob die beiden ihr Fachgeschäft für Punk-, Avantgarde- und Independent-Musik für den ehemaligen Sänger der Black-Flag- und Rollins-Band öffnen würden: Denn Rollins, der in der Nacht von Sonntag auf Montag beim Ruhrpott-Rodeo-Festival in Hünxe und wenige Tage davor beim Wacken-Festival auf der Bühne gestanden hatte, ist ein passionierter Vinyl-Sammler.

Als Rollins wie angekündigt vor Ort auftauchte, konnten die beiden Plattenexperten ihr Glück kaum fassen. Rollins habe sich in aller Ruhe - gut 1,5 Stunden lang - erst mal nach seltenen Platten umgesehen, dann ordentlich zugeschlagen. "Er hat viele Punk-Platten gekauft, etwa von der britischen Band The Damned, und experimentelle Musik", so Herke. Dann habe sich der noch immer muskulöse 55-Jährige, der in Filmen wie "Lost Highway", "Bad Boys II" und "Jackass II" spielte, auf Twitter 247.000 Follower und auf Facebook mehr als 286.000 Fans hat, lange mit Herke und Ziegler unterhalten. "Er ist fast 3,5 Stunden geblieben, war sehr cool, freundlich und hat mit uns auf Augenhöhe gesprochen. Er wollte etwas mehr über unser Geschäft wissen. In den vergangenen Jahren hatte er über eine Internet-Plattform auch mehrmals bei uns eingekauft", sagt Herke.

Natürlich hatten die beiden Fans wiederum viele Fragen an den Punk-Poeten, der noch immer weltweit die Bühnen rockt, aber nicht mehr als Sänger: Bei seinen Spoken-Word-Auftritten redet er über politische und soziale Missstände, spricht sich etwa für die Homo-Ehe aus, und das alles immer mit dem für ihn so bekannten vollen Körpereinsatz. Herke: "Er hat uns Anekdoten erzählt und aus dem Nähkästchen geplaudert, wie es früher mit Black Flag war, als sich die Musiker untereinander nicht verstanden, aber in einem kleinen Tourbus unterwegs waren." Doch was Rollins in dem wenige Quadratmeter großen Laden bei einer Tasse Kaffee verriet, wollen Ziegler und Herke für sich behalten: Die Atmosphäre sei schließlich freundschaftlich und persönlich gewesen.

Die Freude über den Besuch ist ungebrochen. Herke: "Wer kann schon sagen, dass Henry Rollins sein letzter Kunde war!"

(Semiha Ünlü)
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