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Willibert Pauels
"Heute stehe ich über den Dingen"

Willibert Pauels: "Heute stehe ich über den Dingen"
Willibert Pauels sprach über seine Depression. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Mit dem rheinischen Ausruf "Tach zusammen!" begrüßte Willibert Pauels das Publikum in der Kapelle des Johannes-Höver-Hauses am Rather Broich zu einer ungewöhnlichen Lesung aus seinem Buch "Wenn Dir das Lachen vergeht".

Sitzend an einem kleinen Holztisch neben dem Altar, war er für einen Moment der Alte, der Willibert Pauels, der 1995 für den Kölner Karneval entdeckt, seit 1996 regelmäßig mit bis zu 300 Auftritten pro Session in der Bütt stand und sich schnell zu einem der bekanntesten kölschen Karnevalisten mauserte. Er benötigte nicht viel, um seine Fans zum Lachen zu bringen: ein kleines schwarzes Hütchen, eine Hornbrille und eine rote Pappnase. Das Besondere: Pauels, der unter dem Pseudonym "Der Bergische Jung" firmierte, verwob als studierter Theologe und geweihter Diakon auch stets seinen Glauben mit karnevalistischem Frohsinn. So gerieten seine Büttenreden immer auch ein bisschen zur Predigt, nachhaltig und mitunter nachdenklich tiefgehend. Eine andere Seite thematisiert er in seinem Buch: Pauels leidet unter einer schweren Depression. Bereits im Alter von zehn Jahren erlebte er erste Angstschübe, litt unter schweren Schuldgefühlen. "Bereits als Kind hat man mir den schwarzen Hund in die Wiege gelegt", sagt Pauels und greift damit zurück auf ein sprachliches Bild, das der englische Dichter Samuel Johnson erstmals im 18. Jahrhundert für die Erkrankung gefunden hat.

Pauels schilderte seine mitunter dramatischen Erlebnisse plastisch. Und damit gelang ihm nicht nur ein unterhaltsamer Abend. Zu Hilfe kam ihm dabei immer wieder auch sein sprachliches Talent: "Im Rheinland spricht man nicht von einer Depression", so Pauels, "sondern nur vom 'Ärm Deer'."

Quelle: RP
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