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Claus Wilcke Alias Percy Stuart
"Ich liebe es, nah beim Publikum zu sein"

Claus Wilcke Alias Percy Stuart: "Ich liebe es, nah beim Publikum zu sein"
Claus Wilcke mimt ab 24. Mai im Theater an der Luegallee einen Senior, der in stetem Clinch mit seinem Freund liegt. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Er ist wieder da, wieder in Düsseldorf - der Schauspieler Claus Wilcke, den viele als "Percy Stuart" in Erinnerung haben. Hat er vor acht Jahren mit Christiane Krüger den "Frühling im September" im Theater an der Kö beschworen, kommt er nun als Senior ins Theater an der Luegallee zurück.

Im Stück "Eine Bank in der Sonne" spielt er den schlampigen Burt, der eine Hassliebe zu seinem stets in edlen Zwirn gekleideten alten Freund Harold (Rainer Hannemann) pflegt. Beide tauschen Bosheiten so lange aus, bis die schicke Adrienne (Ariane von dem Bussche) auftaucht und Harold plötzlich auf Wolke sieben schwebt. Premiere ist am 24. Mai. Erstmals setzte Wilcke seinen Fuß diese Woche auf die kleine Oberkasseler Keller-Bühne. Dafür hat sein Freund Ernst-Werner Quambusch gesorgt, der Intendant etlicher Kammerspiele ist, unter anderem in Wuppertal, dem Wahl-Wohnort von Wilcke. Quambusch pflegt den Kontakt zu den Intendanten Ingrid Wanske und Joachim Meurer, die das Luegallee-Theater leiten. "Wir tauschen öfter Stücke aus."

Trotz seiner 76 Jahre hat Wilcke nichts an Vitalität eingebüßt. Lebhaft erklärt er bei er Vorstellung, dass "wir das Stück des US-Autors Ron Clark, das Herbert Bötticher 1999 ins Deutsche übersetzt hatte, dem heutigen Lebensgefühl angepasst haben. Damit es auch jüngeren Menschen gefällt." Er freue sich auf das kleine Theater, "weil ich es liebe, nah beim Publikum zu sein, zu erleben, wie es fühlt und denkt." Außerdem sei er gern in Düsseldorf: "Es ist nicht alles so eng hier, wie zum Beispiel in Köln." Doch verbindet ihn eher ein unangenehmes Erlebnis mit Düsseldorf. Nicht etwa eine Rolle, sondern eine Schlägerei mit der Polizei. Und ganz Schauspieler stellt er die Szene nach, die einem seiner Filme entsprungen sein könnte. Als Beifahrer neben einem alkoholisierten Bekannten war er 1981 in eine Polizeikontrolle geraten. "Ich wollte meinem Bekannten helfen und einen Anwalt herbeirufen", erklärt er und springt mit geballter Faust auf, um zu zeigen, was dann geschah. "Der Beamte versetzte mir einen Kinnhaken - und ich schlug ohne zu zögern zurück." Sogleich sei er von drei Beamten umzingelt und überwältigt worden. "Die Düsseldorfer Zeitungen waren voll davon", erinnert er sich. "Ich habe den Prozess gewonnen, weil ich nicht zuerst geschlagen habe." Danach sei seine Popularität in Düsseldorf rapide gewachsen.

Stellt sich die Frage, warum die Ordnungshüter so mutig, waren, einen "Percy Stuart" anzugreifen. "Ich war gut in Form, hatte für diese Rolle in England trainiert", gibt Wilcke schmunzelnd zu. Ab 1969 sei er Percy Stuart gewesen, und habe sogar die Titelmelodie "Ein Mann, ein Mann, der alles kann..." gesungen, die als Single überragenden Erfolg hatte. "Leider habe ich keinen Vertrag abgeschlossen und gehe bis heute leer aus." Bis heute aber hallt ihm der Ruf des draufgängerischen US-Millionärs-Sohnes Percy nach, den der Vater verpflichtet hatte, etliche Prüfungen abzulegen zwecks Aufnahme in einen respektablen Club. Vier Jahre lief die Erfolgsserie im ZDF, danach war Wilcke in vielen Serien wie "Dem Täter auf der Spur" oder "Männer vom K3" zu sehen. Er tourte durch etliche Länder und war Mime, Regisseur und Synchronsprecher etwa für Elvis Presley, Warren Beatty oder George Hamilton.

Auf der Bühne erfolgreich gab es im Privatleben einige Hürden. Vielleicht war es ein bisschen so wie in seinem Filmdebüt "Meine 99 Bräute", die er als "Vorstadt-Casanova" 1958 mehr oder weniger beglückte. So viele Bräute hatte Wilcke nicht, "nur" vier Ehefrauen. "Ich kann heute mit vier Exfrauen telefonieren", beschreibt er gut gelaunt seine häusliche Situation. Drei Kinder sind das Ergebnis dieser Ehen, zwei sind auch Schauspieler. Und drei Enkel haben inzwischen aus "Percy Stuart" einen Großvater gemacht, der bis zum letzten Atemzug schauspielern will. "Ich konnte in meinem Leben alles spielen, was ich wollte, und bin dankbar für das Glück, auch im Alter noch weitermachen zu dürfen." Heide-Ines Willner

Quelle: RP
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