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Michael Becker
"Irgendwo zwischen George Clooney und Schwiegersohn"

Düsseldorf. Gilt der Applaus den Musikern, die die Bühne betreten, oder noch Michael Becker, der sie gerade verlässt und den Gang zwischen dem ersten und zweiten Parkett federnd durchschreitet, links und rechts Lächelblicke verschenkt und dann mit elegantem Schwung Platz nimmt? Gewohnt smart sieht er an diesem Abend der Saisoneröffnung aus, der Intendant der Düsseldorfer Tonhalle. Blauer Anzug, leicht ergraute Schläfen (nächstes Jahr wird er 50), und strahlend, denn das Publikum im ausverkauften Haus freut sich wie er über die 1100 neuen Abonnenten, die er in seiner Ansprache begrüßt hat.

Der Erfolg der Tonhalle ist zum Gutteil sein Erfolg. Nachwuchs ist wichtig, deswegen begeistert fast alle der Solo-Auftritt des 1. Konzertmeisters Dragos Manza, 27 Jahre jung, der unter Leitung von Sir Roger Norrington (81) Mozarts Violinkonzert Nr. 3 energiegeladen spielt. Der Applaus zwischen den Sätzen und am Ende will gar nicht enden, Becker ist schon in der Pause bester Stimmung, er läuft durchs Publikum, schüttelt an diesem Abend mehr als hundert Hände, wie er selbst schätzt, verteilt Küsschen - und genießt das Bad in der Menge wie ein erfolgreicher Politiker. Zwischendurch, genauer um 21.04 Uhr, findet der fußballbegeisterte Intendant sogar noch Zeit für einen Post auf Facebook: "Mal ein kleiner Zwischenstand: Dragos Manza und die Symphoniker haben gerade mit Roger Norrington das 1:0 gemacht. Ein herrliches Mozart G-Dur-Konzert plus seelenruhiger Bach-Zugabe. Toll. Glückwunsch. Zweite Halbzeit Mendelssohn 1." Becker setzt im Chat auf ein 3-0, mindestens.

Ein schöner Start in die Saison, Becker ist am Ende glücklich, im Grünen Gewölbe wird mit Wein, Bier und Schmalzbrot gefeiert. Becker versprüht weiter Charme, nicht nur den Damen gefällt's. Ist er der George Clooney des Düsseldorfer Musiklebens? Becker schmunzelt und zieht die Augenbrauen hoch. Der Vergleich gefällt ihm, aber er will bescheiden sein. Die meisten sähen in ihm den idealen Schwiegersohn. Noch wichtiger ist ihm aber, authentisch rüberzukommen, nur dann mache das Intendantenleben Spaß. Dass er ankommt, weiß Becker nicht nur aus Gesprächen, schließlich erhält er auch Fanpost. Fünf bis sechs Briefe sind's pro Woche, viele sprechen Lob aus für seine Ansagen. Natürlich freut ihn das, aber verstellen würde er sich dafür nicht. "Das kann ich gar nicht." So einer wie Sir Norrington imponiert ihm. "Der ist ganz bei sich."

(ujr)
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