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Jazz Rally
Festival mit Stars und ungewöhnlichen Spielorten

So feiert Düsseldorf die Jazz Rally 2016
So feiert Düsseldorf die Jazz Rally 2016 FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Vier Tage, etwa 90 Konzerte, 30 Bühnen, rund 300.000 Besucher - die Jazz Rally bewies am Wochenende erneut, dass Düsseldorf eine Musikstadt und die Jazz Rally eines der größten Open-Air-Jazz-Festivals ist.

Es begann mit Klaus Doldinger, der in der Tonhalle mit Fans und prominenten Gästen wie Udo Lindenberg, Sasha und Max Mutzke eine lange Party feierte. Auch andere Termine lockten zahlreiche Musik-Fans an - teilweise an recht skurrile Orte, von denen sonst kaum jemand erwartet, dass sie als Bühne taugen. Die Oldtimer-Straßenbahn etwa, die Samstag und Sonntag mehrmals ab Landtag über die Schienen rollte und von den sechs Musikern der Combo "Dixie Diamonds" in eine fahrende Bühne verwandelt wurde. "Das ist ja pure Nostalgie", sagte Sabine Neumann, die einen Platz bei der Premiere ergattert hatte. Mit Ehemann Stephan war sie aus Siegen gekommen. Die Idee hatten viele Besucher: Die Bahn war voll besetzt, viele Gäste standen auf dem Gang und hielten sich an den Schlaufen fest, um nicht in das Musik-Ensemble zu purzeln.

Zum Auftakt am Freitagabend war die Jazz Rally noch ein echtes Frühsommerfestival. Im voll gepackten Zelt auf dem Burgplatz sorgte der Schweizer Sänger Seven für richtig gute Stimmung - und bewies, dass er das gesamte Party-Animations-Abc von "Werft die Hände in die Luft" bis zu "Singt mit!" beherrscht. Draußen auf dem Burgplatz lauschten viele Zaungäste. Meist gestellte Frage: Woher kennt man diesen Seven eigentlich? Antwort: Aus der Fernsehshow "Sing meinen Song".

In der Rheinterrasse konnte man derweil eine Frau erleben, die man bislang vor allem am Rand des Boxrings wahrgenommen hat: Natalia Klitschko, Ehefrau von Ex-Boxweltermeister und Kiewer Bürgermeister Vitali, hat gerade eine Musik-Karriere gestartet. Das Ex-Model präsentierte dem höflichen Publikum eigenwillige, selbst komponierte Songs irgendwo zwischen Pop und Jazz. Das Besondere: Sie singt auf Ukrainisch und Russisch und bot gleich zu Anfang eine einfache Übersetzungshilfe: "In allen Songs geht es um Liebe."

Ab Samstag hielt das Wetter dann nicht die Versprechen, die es zum Auftakt gemacht hatte. Darunter litt das Stahlwerk, das mit seinem Strand Treibgut erstmals dabei war. Auf dem Programm standen elf Konzerte, die wegen Regengefahr größtenteils in den Club verlegt wurden. Black Milk trat am späten Sonntagnachmittag auf die Club-Bühne. Einige Dutzend junge Fans waren dem Hip-Hop-Sänger und Rapper aus Detroit/USA gefolgt. Extra aus Duisburg angereist war Justin Kramacher. "Black Milk ist der Coolste und in der Hip-Hop-Szene ein Star", sagte der 21-Jährige. Ob er sich auch andere Konzerte des Jazz-Rally-Programms angehört hätte? "Jazz-Rally? Sehe ich aus wie ein Jazzer?", sagte er und schob sich das Base-Cap zurecht.

Die Düsseldorfer Jazz-All-Stars um Wolf Doldinger (Bruder von Klaus und ebenso Saxofonist), erhielten bei ihrem Konzert in der Johanneskirche derweil mal wieder prominenten Besuch auf der Bühne: Oberbürgermeister Thomas Geisel spielte auf der Querflöte mit. Sie freuen sich darauf, im Juni ihr 150. Konzert in der Kirche zu geben.

Im etwas überfüllten Rheingoldsaal der Rheinterrasse trat Meret Becker am Sonntagabend auf. Die Sängerin präsentierte die Lieder ihres aktuellen Country-Folks-Albums "Deins & Done". Passend dazu erzählte sie amüsante Anekdoten über coole Cowboys auf noch cooleren Pferden, sang ihre Songs, spielte Klavier, Keyboard, Meldodica und Gitarre. Niemand werde merken, dass sie das kaum könne, sagte sie. "Ist ja ein Jazz-Festival. Wenn mal ein Ton daneben geht, sage ich einfach, das muss so sein." Perfektion steht eben nicht ganz oben auf der Liste einer Meret Becker, die von sich sagt, eines ihrer Vorbilder sei der Saxofonist in der Muppet Show. Für diese Selbstironie erntete sie viel Applaus. Besucherin Susanne Karmeier aber war gespannt auf Meret Beckers Spezialität. "Hoffentlich spielt sie noch die singende Säge", flüsterte sie und musste nicht lange warten. Denn schließlich gehört das ungewöhnliche Musikinstrument zu jedem Meret-Becker-Konzert, das die Künstlerin selbst "einen Abend voller trauriger Liebeslieder" nannte. Aber traurig war ihr Auftritt gar nicht, höchstens ein wenig melancholisch - und auf jeden Fall erfolgreich. "Wunderbar, perfekt, echt schön", sagte Susanne Karmeier begeistert.

Diese Vielseitigkeit sei erneut das Markenzeichen der Jazz Rally Düsseldorf gewesen, sagte Otto Lindner von Destination Düsseldorf, dem Veranstalter der Jazz Rally. "Düsseldorf hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Es herrschte an allen Tagen eine stimmungsvolle und friedliche Atmosphäre. Das ist ein Düsseldorf, das ich sehr schätze." Auch im nächsten Jahr wird es eine Jazz Rally geben, verspricht er.

H. Lodahl/A. Lieb

Quelle: RP
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