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Jüdische Kulturtage
Jugendliche zeigen Musical zum Thema Toleranz

Jüdische Kulturtage: Jugendliche zeigen Musical zum Thema Toleranz
Das Musical Kadima Steps nähert sich dem Thema Toleranz und Diskriminierung über die Geschichte einer Casting-Show. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Als Aviva zum Casting kommt, empfängt Jenny sie mit verschränkten Armen und einem überaus skeptischen Blick. "Deinem Nachnamen nach zu urteilen, kommst du nicht aus Deutschland - sondern aus Israel", sagt Jenny, die wie eine amerikanische HipHopperin aussieht, mehr als das sie fragt.

Aviva bestätigt, erst vor kurzem sei sie aus Israel hergekommen. Nun wolle sie vorsingen und vortanzen, um in der Tanzgruppe mitmachen zu dürfen. Jenny, die der Tanzgruppe vorsteht, gewährt ihr widerwillig eine kleine Chance. Die Musik läuft ab, Aviva und ihre Freundinnen tanzen, singen und lachen. Schön hört sich das an, bis Jenny die Szenerie unsanft beendigt. "Sorry, deine Stimme passt hier nicht hinein", sagt sie. "Du singst zwar toll, aber es passt einfach nicht." Eine Absage hat wohl jeder schon einmal bekommen. Aber Aviva spürt, dass es nicht ihr Gesangstalent ist, das Jenny, der Amerikanerin, nicht passt. Es ist ihre Herkunft.

Und so ist das bestimmende Thema des Musicals "Kadima Steps" die Toleranz, das friedliche und respektvolle Miteinander - unabhängig von Länder- und Religionsgrenzen. Für die jüdischen Kulturtage im Rheinland hat das Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf eigens ein Musical kreiert. Am Samstagabend wurde es im Leo-Baeck-Saal vor knapp 200 Zuschauern aufgeführt.

Irina Kazakov, Maximilian Mersch und Mathilda Kochan leiteten die etwa 40 Jugendlichen unterschiedlicher Religionen an. Ein halbes Jahr lang probte die bunt gemischte Gruppe zweimal pro Woche und brachte das Musical so eigenständig auf die Beine. Verschiedene bekannte Stücke aus Filmen und den Charts interpretierten die Mädchen und Jungen neu. So wurde aus dem noch recht jungen Hit des britischen Sängers Sam Smith "Stay with me" das Cover "Talk to me".

Schließlich, so musste es kommen, versöhnen sich Jenny und Aviva, tanzen gemeinsam und sprechen sich lautstark für Liebe und Gemeinschaft aus. Dabei greifen sie aktuelle Krisen und Themen auf und mahnen dazu, eigene Vorurteile zu überprüfen. "Ist jeder Israeli Jude? Wollen alle Israelis Krieg?", fragt der junge Philip im Musical. Am Ende stehen alle Hand in Hand auf der Bühne.

(her)
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