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Creative Mornings
Kluge Köpfe staunten über Fotografen Fred Stein

Düsseldorf. Dreimal hat er sein Leben komplett auf den Kopf gestellt und ist bei Null wieder neu gestartet: Zuerst musste der Jude und Sozialist Fred Stein mit seiner Frau Lilo aus Nazi-Deutschland nach Paris fliehen, bevor er in New York in seinem "vierten Reich" (so hat er es selbst genannt) sein Lebensglück fand. Die Biografie des in Dresden geborenen Experten für deutsches Recht, der mit einer gebrauchten Leica "notgedrungen" vom Hobby- zum professionellen Fotografen des "Who is who" der 1930er bis 1960er Jahre wurde, war geradezu prädestiniert für das gestern unter dem Motto "Survival" (Überleben) stehende Netzwerk-Treffen von "Creative Mornings".

Eingebettet in die Sonderausstellung "Fred Stein. Auf dem Weg. Dresden Paris New York", die in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, zu sehen ist, erinnerte die Historikerin Andrea Kramp in ihrem Vortrag nicht nur an den Fotografen, sondern griff auch aus historischer Perspektive ein aktuelles Thema auf: Exil und Flucht, Überleben und Neuanfang in einer fremden Gesellschaft. Umgeben von Steins Porträts (darunter sind welche von Albert Einstein, Bertold Brecht, Gustaf Gründgens, Thomas Mann, Marlene Dietrich und Konrad Adenauer) sowie seinen spontanen Straßenfotografien, zeichnete Kamp die Eckpunkte im Leben der Familie Stein nach.

Und die Zuhörer aus Werbung, Medien, Kunst und Kultur waren nachhaltig beeindruckt von den vielen Facetten, die diese Fluchtgeschichte aufzeigt: Die Gefahren, Ängste, Verluste und Entbehrungen einerseits, andererseits der Mut zum Aufbruch und zur Integration in das Neue unter Beibehaltung der eigenen Wurzeln - schließlich gelang gerade dadurch die Entwicklung zu einem großartigen Künstler. Rainer und Lisa Kunst (Agentur Kunst und Kollegen) initiieren die frühmorgendliche Veranstaltung in Düsseldorf.

Creative Mornings läuft inzwischen weltweit in mehr als 162 Städten am selben Tag zu demselben Thema.

(dh)
 
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