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40 Grad
Letzte Arbeiten fürs Street-Art-Festival

Letzte Arbeiten fürs StreetArt Düsseldorf
Lakis Mouratidis aus Griechenland malt ein Bild zur Euro-Krise - auf der denkmalgeschützten Mauer vor dem Schauspielhaus. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Man sollte besser nicht darauf wetten, dass das Werk von Lakis Mouratidis fertig ist, wenn heute Abend das "40 Grad"-Festival eröffnet wird. Der 64-jährige Grieche mit den langen weißen Haaren, der in seiner Heimat für Arbeiten zu politischen Themen bekannt ist, malte gestern noch an den ersten von sehr vielen Käfern, aus denen sein Wandbild bestehen wird. In aller Ruhe pinselte er an jedem Detail, bis in den späten Abend.

Eleftheria Pavlou hatte es nicht ganz leicht, der Meister wirkte ziemlich griesgrämig und grummelte in seiner Muttersprache vor sich hin. Sein Werk, so erklärte die in Düsseldorf lebende Künstlerin, die ihm als Assistentin und Dolmetscherin zur Seite steht, befasst sich mit der Euro-Krise und mit Spieltheorie - das Ergebnis wird sich irgendwann in den kommenden Tagen bewundern lassen.

Mouratidis wirkt mit bei einem Kunstfestival, wie es diese Stadt noch nicht gesehen hat. Farbfieber-Chef Klaus Klinger hat zum zweiten Mal lokale und internationale Street-Art-Künstler eingeladen. Anders als bei der ersten Ausgabe gibt es aber diesmal einen zentralen Ort, nämlich den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus. Eine gute Entscheidung: Jetzt lässt sich die ganze Bandbreite der Street Art bei einem Besuch bewundern.

Vor allem aber ist dieser Platz, der kurz vor einem völligen Umbau wegen des "Kö Bogen II"-Projektes steht, eine besondere Kulisse. Mouratidis und andere Künstler zum Beispiel dürfen die heruntergekommene Mauer auf der Vorderseite bemalen, die gerade für Zündstoff zwischen Stadtplanern und Denkmalschützern sorgt. Klinger selbst gestaltet mit Helfern ein riesiges Mosaik auf dem Boden vor dem Theater. Auch zwei leerstehende Bürogebäude, die vor dem Abriss stehen, sind freigegeben. In vielen Zimmern arbeiteten gestern bereits Sprayer und Maler, in der Luft lag der Geruch von Lack. Wenn das Festival heute um 19 Uhr beginnt, werden die Gebäude mindestens bis zum 30. August zu Museen.

Die Ansätze der Künstler sind völlig unterschiedlich. Patrick Reichert Young aus Köln gestaltet einen Raum zum Thema Flüchtlinge, Kieselsteine stehen als Motiv für die Zerbrechlichkeit des Alltags durch Krisen und Krieg. Ein paar Räume weiter sprayt Fabian aus Düsseldorf eine Stilgeschichte des Graffiti von den Anfängen bis zur Gegenwart. Danny aus Rotterdam malt derweil auf der alten Mauer ein Bild aus den stilisierten Früchtchen, die man von Spielautomaten kennt. Auch das sah gestern nicht so aus, als würde es bald fertig. Aber es gehört zum Konzept, dass man den Künstlern auch bei der Arbeit zuschauen kann. Danny will sich jedenfalls nicht stressen lassen, genau so wenig wie der griechische Kollege. "I take it easy", sagt er. Arne Lieb

Alle Infos zum Festival gibt es unter www. 40grad-urbanart.de

Quelle: RP
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