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Harald Christ
Lieber Golzheim als Wilmersdorf

Harald Christ: Lieber Golzheim als Wilmersdorf
Harald Christ, seit Mai Vertriebschef der Ergo, nach dem Redaktionsbesuch auf der Königsallee: Düsseldorf ist jetzt sein Lebensmittelpunkt. FOTO: Bauer
Düsseldorf. Nahezu 2000 Ehrenamtler sind für morgen ins Open-Air-Kino am Rheinpark eingeladen. Spendiert hat die Eintrittskarten den Engagierten und ihren Begleitpersonen Harald Christ, seit Mitte Mai Vertriebschef der Ergo.

Christ ist ein Neu-Düsseldorfer, aber er kennt die Stadt, ist schon im Rosenmontagszug mitgefahren. Er hat einst bei der WestLB gearbeitet, "und wer in Worms groß geworden ist, der kennt auch Bonn, Köln und Düsseldorf". In Berlin, wo er ebenfalls noch lebt, hat er sich zu schnell für einen Stadtteil entschieden, ist mehrfach umgezogen und am Schluss im urbanen, etablierten Wilmersdorf gelandet. Er lebt in einem Haus mit Klaus Wowereit - er oben, "Wowi" unten. Nun soll Düsseldorf sein neuer Lebensmittelpunkt werden, die erste Adresse ist Golzheim, eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Von dort geht es in zehn Minuten zur Ergo und zum Flughafen - und es wird von dort aus die Stadt sondiert, um die endgültige Bleibe im "richtigen" Stadtteil zu finden.

Mehr als 30.000 Euro lässt es sich der Manager jetzt kosten, "Menschen ins Kino einzuladen, die sonst nicht im Fokus stehen, es aber verdient haben". Christ ist überzeugt, "dass das Gemeinwohl davon lebt, dass sich Menschen persönlich einbringen, indem sie Zeit investieren oder sich finanziell engagieren, sofern sie die Mittel dazu haben".

Christ hat die Mittel. Er redet nicht gerne darüber, aber er verfügt über ein Millionen-Vermögen in dreistelliger Höhe, den Grundstein hat er vor zehn Jahren durch Anteilsverkäufe des Fondsanbieters HCI gelegt, den er selbst an die Börse gebracht hatte. 80 Millionen Euro soll das eingespielt haben. Aber reduziert werden will der 44-Jährige auf diese Champagnermomente des Kassemachens nicht. Dafür hat er zu viele Spitzenjobs innegehabt und zu viele Beteiligungen erworben. Er war mit 25 bei der BHW jüngster Vertriebsdirektor Deutschlands, ging zur Deutschen Bank und war bei Weber- und Postbank in leitenden Positionen.

Politisch hätte er beinahe ebenfalls Karriere gemacht. Der Vater stand bei Opel am Band, schon mit 16 trat Christ in die SPD ein. Als Frank-Walter Steinmeier 2009 als Kanzlerkandidat antrat, holte er den Aufsteiger in sein Schattenkabinett, und auch heute mischt Christ im Hintergrund mit, ist Präsidiumsmitglied beim SPD-Wirtschaftsforum. Er sei aber nicht auf sozialdemokratische Kreise festgelegt, versichert Christ von sich aus, er sei ein sozialdemokratischer, liberaler, grüner, christlicher Denker, evangelisch geprägt, der beispielsweise gerne auch Projekte Ole von Beusts (CDU) für junge Menschen gefördert habe. Er sei ein Pragmatiker, der immer die beste Lösung suche.

Bei der Einladung ins Open-Air-Kino hat sich Christ für den Film "Zeit für Legenden" entschieden, in dem es um Jesse Owens geht, der als Afroamerikaner 1936 in Berlin erfolgreichster Olympia-Teilnehmer wurde. "Es geht um einen Ausnahmesportler, der gegen Ausgrenzung gekämpft hat und auch ehrenamtlich tätig war", sagt der 44-Jährige, der es in Rheinland-Pfalz immerhin zum Landesmeister auf der Mittelstrecke gebracht hat. "Außerdem ist es eine Vorpremiere, das passt." Den Kontakt zu Kino-Organisator Sven Kukulies hat Peter Kluth hergestellt. Den Berater von Oberbürgermeister Thomas Geisel kennt Christ schon lange, die Verbindung hat auch Folgen für den Grand Départ der Tour de France 2017 in Düsseldorf. 250.000 Euro steuert der Manager bei, auch da geht es um Kinder und Jugendliche. "Das ist mein Prinzip. Ich spende für Projekte, die mit Jugend, Familie, Bildung und Kultur zu tun haben." Das in Düsseldorf verbreitete Mäzenatentum fasziniert ihn, er selbst spendet von seinem privaten Geld jährlich zwischen 250.000 und 400.000 Euro. Er bleibt seiner Heimat verbunden, hat gerade erst für die Jugendabteilung von Wormatia Worms 50.000 Euro gegeben, engagiert sich aber immer auch dort, wo er lebt.

Christ versucht, einiges hinter sich zu lassen. Irgendwann hat er seine Homosexualität öffentlich gemacht, als ihm Nachfragen zu blöd geworden waren. Vor zehn Jahren hat Christ größeren Wert darauf gelegt, öffentlich besonders wahrgenommen zu werden. Heute versucht er eher, Missverständnissen vorzubeugen, weist auf seine Hauptaufgabe Ergo hin, spricht mit Blick auf seine Person eher von Demut und Dankbarkeit. Dass er ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen hat, ist ihm bewusst.

Will er doch noch in die Politik? Immerhin ist nächstes Jahr in NRW Landtagswahl, die SPD hat Defizite in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. "Ich mache jetzt den Job, den ich will. Aber es wäre gelogen, die Politik für immer auszuschließen. Vielleicht werde ich mit 60 oder 64 Minister." Uwe-Jens Ruhnau

Quelle: RP
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