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Ausstellung
Malen statt Zahlen

Ausstellung: Malen statt Zahlen
Die Ergo-Mitarbeiter Andrea Büschgens und Joachim Schwalb stellen eigene Kunstwerke im Foyer ihres Unternehmens aus FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Im Berufsleben kalkuliert Joachim Schwalb Versicherungstarife. Aber in seiner Freizeit hat der in der Pfalz geborene Mathematiker mit dem Rauschebart wenig mit Zahlen zu tun. Vielmehr steht er am liebsten in seinem heimischen Malzimmer an der Staffelei. "Das Malen tut mir gut, es entspannt mich", sagt Schwalb.

Sogar im Urlaub nimmt er oft an Workshops teil, um sein Können zu verbessern. Und weil der Hobbykünstler auch gerne tanzt, hat er bei seinen neuesten Arbeiten schwungvoll und sehr reduziert Schritte und Bewegungen, die Pliés und Pirouetten einer "echten" Ballett-Tänzerin mit roter und schwarzer Tusche auf Papier festgehalten.

Zum ersten Mal stellt der 49-Jährige seine Bilder aus - und das in einem Gebäude, in dem vor 30 Jahren der inzwischen weltberühmte Gerhard Richter zwei große Gemälde für das Foyer der Victoria-Hauptverwaltung am Ehrenhof geschaffen hat. Sie sind die millionenschweren Spitzen einer 3500 Werke umfassenden und öffentlich kaum bekannten Kunstsammlung, welche die heutige Ergo-Versicherungsgruppe und ihr Kurator Franz-Josef Krebber pflegen.

Über mangelnde kreative Anregungen am Arbeitsplatz können sich die 4000 Mitarbeiter also nicht beklagen. Und offenbar wirkt so viel Kunst inspirierend, wie die Premiere einer Ausstellung zeigt. Im Raum Berlin in einem der drei Häuser am Victoriaplatz sind erstmals in der Geschichte des Unternehmens auf Anregung von Mitarbeitern Plastiken, Fotografien, Zeichnungen, Schmuck, Aquarelle und Grafiken - gemacht von Mitarbeitern zu sehen.

"Jeder konnte sich bewerben", erklären die Initiatoren Simon Meier und Marcel Gräfenstein. Eine achtköpfige Jury, darunter neben Kurator Krebber auch Julia Barbara Ries, verantwortlich für Kunst-Versicherungen, hat die originellsten und fantasievollsten Werke ausgewählt.

Mit dabei sind die vielsagenden Skulpturen von Andrea Büschgens. Die 49-Jährige hat sich erst vor zwei Jahren an "den Stein gewagt". Sie brauche was Handfestes, was sie ordentlich bearbeiten könne, erzählt die Historikerin, die inzwischen bei Ergo für die Raum- und Flächenplanung zuständig ist. Und weil man Speckstein und Serpentin am besten mit Säge, Hammer und Meißel, Feile und Sandpapier in Form bringt, entstehen daheim auf der Terrasse Plastiken mit Namen wie "Schlafmütze" oder zwei Figuren, die eine "Schnittstelle" haben.

Auch für Andrea Büschgens ist es das erste Mal, dass sie ihre Kunst öffentlich macht. Es sei ein gutes Gefühl, den Kollegen zu zeigen, was alles in einem stecke. "Das fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl", betont sie.

"Und warum soll man Kunstwerke immer nur im Museum bestaunen, wo doch viel Potenzial so nahe liegt?", fragt Büschgens. Fürs Erste jedenfalls können nur die Mitarbeiter in Düsseldorf die Werke anschauen und kaufen. Doch Letzteres nur privat und außerhalb der Arbeitszeit. Vielleicht geht die Schau auch auf Tournee. Hamburg hat jedenfalls schon Interesse bekundet und angefragt.

Dagmar Haas-Pilwat

Quelle: RP
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