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Privatdetektiv
Manfred Lotze sucht nach der Wahrheit

Privatdetektiv: Manfred Lotze sucht nach der Wahrheit
Privatdetektiv Manfred Lotze betrachtet es als wichtigste Motivation, zu Unrecht Verurteilte aus dem Gefängnis zu holen. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Wo Polizeiarbeit aufhört, fängt der Job von Manfred Lotze an. Der 71-jährige und die Mitarbeiter seiner Detektei suchen nach Informationen, bestätigen Verdachte oder räumen diese aus. Lotzes Spezialgebiet: der "Tatort Arbeitsplatz".

Auf einem riesigen Schreibtisch stehen mehrere Telefone, die klassische Handlupe liegt daneben, an einem Metallarm ein beleuchtetes Vergrößerungsglas zum Vergleichen von Fingerabdrücken. Dahinter sitzt Lotze, der vor fast 50 Jahren den Beruf des Verlagskaufmanns an den Nagel hängte, um Detektiv zu werden.

"Privatdetektive sind wir ja alle", sagt er. Der Begriff stamme aus dem Englischen, wo er dazu diene, den Polizeibeamten ("detective") vom nicht verbeamteten Ermittler ("private detective") zu unterscheiden. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, weshalb es neben den 1300 deutschen Detekteien - unter ihnen Lotzes "Detektiv Institut Kocks" - unzählige Ein-Mann-Betriebe gebe, die sich diesem geheimnisumwitterten Metier widmen.

"Viele Menschen kommen mit falschen Erwartungen zu uns", sagt Lotze. Fernsehsendungen zeichneten ein Bild von der Detektivarbeit, das von der Realität abweiche. Funksender unter Autos kleben? Nicht erlaubt, weil eine zeitlich uneingeschränkte Überwachung gegen die Persönlichkeitsrechte verstößt. Beschatten mutmaßlicher Ehebrecher? Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 1977 kaum noch nötig: Bis dahin habe es unzählige "Treuedetektive" gegeben, die für ihre Kunden einen Scheidungsgrund suchen mussten - und diesen im Notfall auch selbst konstruierten. Lotze will davon nichts wissen: "Personenbezogene Daten dürfen wir erst nach einem konkreten Anfangsverdacht sammeln."

Ohnehin sind diese Kunden nicht Lotzes Spezialgebiet, nur etwa fünf Prozent seiner Auftraggeber kämen mit privaten Anliegen zu ihm. Seine Klienten sind Unternehmer, die wissen wollen, wohin das Geld aus ihren Büchern verschwindet und warum sich alle Mitarbeiter vom selben Arzt krankschreiben lassen. "Da schicken wir unter Umständen sogar einen unserer Leute als Testpatienten vorbei, um zu prüfen, wie schnell ein Arzt Atteste ausstellt", sagt Lotze. Denn so mancher habe sich mit den regelmäßigen Blaumachern einen festen Kundenstamm aufgebaut. Einen seiner größten Erfolge sieht Lotze in einer "Wettbewerbsgeschichte" vor fünf Jahren, in deren Ausgang sein Auftraggeber eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 800 000 Euro erhielt.

"Meine Hauptmotivation ist es, zu Unrecht verurteilte Menschen aus dem Gefängnis zu holen", sagt Lotze. 95 Prozent der jährlich rund 500 Fälle schließen er und seine Kollegen erfolgreich ab - was nicht heißen muss, dass der Kunde Recht behält. Wenn ein Verdacht sich als unhaltbar erweist, sei es aber oft schwierig, dem Klienten das beizubringen. Als Symbol für die Ungewissheit, die in jedem Fall steckt, steht auf Lotzes Tisch eine Kristallkugel. "Wenn Kunden mich fragen ,Was ist morgen?', dann zeige ich auf die Kugel, in der liegt die Antwort." Denn mitunter sind es seine Klienten, die sich auf der falschen Seite des Rechts wiederfinden.

Oliver Burwig

Quelle: RP
 
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