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Miriam Meckel
"Der Hafen hat was von New York"

Miriam Meckel von der Wirtschaftswoche im Interview über Düsseldorf
Bei Miriam Meckel, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, steht Hilden als Geburtsort im Ausweis. Ihre Heimat ist Düsseldorf. FOTO: Frank Schemmann/ Wirtschaftswoche
Düsseldorf. Neulich hatte sie wieder eine Erinnerungs-Reise: Am Hauptbahnhof kam Miriam Meckel am früheren Rex-Kino vorbei. "Dort habe ich als Zwölfjährige meinen ersten Kinofilm gesehen." Einen Klassiker, "Vom Winde verweht". Oder die ewige Philipshalle, die inzwischen Mitsubishi Electric Halle heißt und die Meckel sieht, wenn sie im Volksgarten ihre Laufrunden dreht. Dort erlebte sie ihr erstes Konzert: Annie Lennox. "Diese Erinnerungen sind ganz niedlich, fühlen sich auch gut an." Sie lächelt. Und genießt die Rückkehr in die Heimat. Von Denisa Richters

Seit bald neun Monaten ist Meckel Chefredakteurin des Magazins "Wirtschaftswoche", hat ihr Büro in der Universität St. Gallen, wo sie Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement ist, gegen eines im Handelsblatt-Komplex in der Carlstadt getauscht. Meckel ist die erste Frau an der Spitze des Wirtschaftsmagazins, der Start verlief nicht ohne Widerstände. Längst aber hat die 47-Jährige der Wirtschaftwoche ihre eigene Note gegeben - inhaltlich, personell, optisch. Sie bezieht im Editorial auch unbequeme Positionen, fordert zum Beispiel mehr Respekt im Umgang mit Griechenland - und nimmt die Flut zorniger, teils beleidigender Mails in Kauf. Bei Kanzlerin Merkel und Griechenlands Premier Tsipras prallten eben Kulturen aufeinander. "Hämischer Mainstream steht da niemandem gut zu Gesicht", sagt sie.

Liberal sei sie von ihrer Haltung. Ein politischer Mensch sei sie auch, schließlich erlebte Meckel ihre Teenager-Jahre in den 1980ern, als "Schwerter zu Pflugscharen" das Motto war. Später wurde Meckel Staatssekretärin unter den NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (bei ihm ist sie auch Regierungssprecherin) und Peer Steinbrück. Zwei SPD-Alphatiere.

Ein Parteibuch hatte sie jedoch nie. "Für Journalisten ist das schwierig, man hat immer mit der Unterstellung zu kämpfen, nicht frei zu sein." Dabei hätte die SPD Meckel gerne gehabt - zum Beispiel als Oberbürgermeister-Kandidatin in Münster. Auch da winkte sie ab. Zu viel Repräsentieren ist nicht ihr Ding. Sie möchte gestalten, konzipieren, vor allem schreiben. Ihre ersten Zeilen erschienen bei der Rheinischen Post, als Schülerpraktikantin beim Benrather Tagblatt. "Ich durfte einen kleinen Artikel über einen Verkehrsunfall schreiben." Die geklebten Seiten seien einem Straßenbahnfahrer übergeben worden, der sie von Benrath zur Druckerei fuhr.

Aufgewachsen ist Meckel im Benrather Musikantenviertel, ländlich, wohlbehütet, als Tochter eines Theologen, der Lehrer am Annette- von-Droste-Hülshoff-Gymnasium war. Die besuchte auch sie, gegen Bedenken ihrer Eltern. Komisch sei es schon gewesen, wenn sie als "chronische Zuspätkommerin" vor ihrem Vater in der Klasse stand. Von Benrath aus gesehen war Düsseldorfs Zentrum die "große Stadt, in die man fuhr". Oder trampte, wie es Meckel als Jugendliche machte, als ihr die Benrather Idylle zu langweilig wurde. "Engelchen" und "Zicke" waren die Anlaufstationen ("die ,Zicke' sah damals genauso aus wie heute"), auch der "Ratinger Hof", durch den zu jener Zeit elektronische Musik schallte.

Später, als WDR-Redakteurin im neu erbauten Düsseldorfer Studio, erlebte sie das Entstehen des Medienhafens. Mit dem Industriehafen als Kulisse, den vielen Cafés und Restaurants - "das könnte auch in New York sein". Wieder anders war Meckels Blick auf die Stadt in ihrer Zeit in der Staatskanzlei. So weit damals der Ausblick aus ihrem Büro im Stadttor war, so eng war der Zeitrahmen fürs Privatleben. Büro, Landtag, Dienstreisen bestimmten ihr Leben. Sie wohnte in Köln, pendelte täglich nach Düsseldorf.

Ihr Leben ist wie eine unendliche Blitzkarriere. 2010 erschien Meckels Besteller "Briefe an mein Leben", mit dem sie ihr Burnout-Syndrom in die Öffentlichkeit brachte. Ihr Rat an Frauen am Beginn der Karriere: sich mehr zutrauen, sich nicht zu sehr unter Druck setzen - und: nicht ständig nach Männer- und Frauendingen differenzieren.

Jetzt in Düsseldorf genießt sie es, von ihrer Wohnung in Unterbilk in wenigen Minuten mit dem Fahrrad in der Redaktion zu sein. "Manchmal laufe ich auch bewusst zu Fuß nach Hause, um zur Ruhe zu kommen." Ihre Partnerin Anne Will, ebenfalls Rheinländerin, kommt regelmäßig aus Berlin nach Düsseldorf. Meckel liebt das Rheinufer, den Carlsplatz und dessen Umfeld, freut sich über den Aufbau der Kirmes (sie ist der Achterbahn-Typ). Am Schönsten sei für sie, der doch das Orientierungs-Gene fehle, "in Düsseldorf zum ersten Mal Orte auch ohne Stadtplan zu finden".

Quelle: RP
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