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Manfred Kronen
Mr. Igedo wird 80

Manfred Kronen: Mr. Igedo wird 80
Manfred Kronen (r.) bei einem Treffen mit der englischen Prinzessin Anne und dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau (l.)
Düsseldorf. Als "König der europäischen Modemessen", als eine der Schlüsselfiguren in der deutschen Mode und als "Mr. Igedo" wurde Manfred Kronen einst international gefeiert. Der Mann, der quasi als Messedirektor geboren wurde und 1949 die Geburtsstunde der Modemesse Igedo zuhause im eigenen Wohnzimmer miterlebt hat (Gründervater war sein Vater Willi Kronen), wird heute 80 Jahre alt.

Ein Alter, das man ihm nicht ansieht, aber das war auch schon so als er 65 und 70 wurde - irgendwie scheint Manfred Kronen einfach alterslos. Er lacht und meint mit dem ihm eigenen charmanten Humor: "80 ist eben heute das neue 60".

Und das will gefeiert werden und zwar in Wien wie er gestern erzählte: "Mit meiner Frau Anna, meinem Sohn Manfred, der in London lebt, und den besten Freunden aus Deutschland, Frankreich und Österreich". Und weil ihm schon seit jeher alles Steife oder Förmliche zu wider ist, er vor allem langatmige Jubel-Reden nicht ausstehen kann, hat er für jeden Gast als Geschenk eine eigene "Kronen"-Zeitung gedruckt.

Manfred Kronen im Alter von fünf Jahren.

Natürlich spielt darin die Mode eine Hauptrolle. Schließlich ist der gebürtige Krefelder, der mittlerweile ein Leben zwischen Oberkassel, Wien und Deauville führt, 1965 als junger Jurist in die Geschäftsführung der Igedo ("Interessengemeinschaft der Damenoberbekleidung") eingetreten. Er hat sie zum weltweit größten Branchentreff aus- und aufgebaut. Was 1949 mit der ersten Straßenmodenschau auf der Kö und ein paar Aussteller-Kojen im Ehrenhof als Geburtsstunde der Modemessenstadt Düsseldorf begann, hat Manfred Kronen 36 Jahre lang bis 2004 als Messechef begleitet. Der Mann, der von Mode angeblich keine Ahnung hat, wusste aber offensichtlich, wie man sie millionenschwer vermarktet. Er hat der Branche die Plattform für ihr Geschäft geboten. Dabei hat er oft viel gewagt ("Leichtes kann ja jeder") und auch Niederlagen eingesteckt.

In den 1990er Jahren wurde Düsseldorf auf diese Weise zum Mekka der Modemacher - Wolfgang Joop, Jil Sander, Karl Lagerfeld, Donna Karan, Vivienne Westwood, all die Großen der Branche, darunter auch Klaus Steilmann, Robert Ley von Escada und Gerhard Weber, weltberühmte Models wie Naomi Campbell und Claudia Schiffer - sie alle kamen an den Rhein. 1984 initiierte Kronen erstmalig die "Deutschen Designer Schauen Düsseldorf", auf der nahezu alle namhaften deutschen Modemacher regelmäßig ihre neuen Kollektionen vorstellten. "Wir fühlten uns in der Rolle derjenigen, die den Designern klargemacht haben, wie über ihr wohlgehütetes Geheimnis, dass sie nun Mode machen, am besten geredet wird", hat Kronen einmal gesagt. 1999 war der Höhepunkt erreicht, die Messe mit 30.000 Fachbesuchern die größte ihrer Art, Ableger in Hongkong und Moskau entstanden.

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Doch dann waren die fetten Jahre vorbei. Vertikale Hersteller wie Zara und H&M brauchten keine Messe, immer mehr Hersteller wanderten in Showrooms ab. 2004 war dann Schluss für Manfred Kronen, sein Neffe Philipp führt seitdem die Geschäfte weiter. Der 80-Jährige ist nun Immobilienentwickler, trifft sich allmorgendlich, wenn er in Düsseldorf ist, mit Freunden auf einen Kaffee im Muggel und genießt sein Leben ganz ohne Mode. Dagmar Haas-Pilwat

Quelle: RP
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