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Electricity-Kongress
Rüdiger Esch macht aus Musik eine Marke

Düsseldorf. Erster Gedanke, wenn man Rudi Esch begegnet: Wer den zu seiner Party einlädt, hat kein Stimmungsproblem. Der 50-Jährige aus Wersten ist von Beruf Checker, Aushecker und Ideen-Lotterie, und selbst wer ihn erst seit zehn Minuten kennt, fühlt sich als sein bester Freund.

Rudi Esch, der eigentlich Rüdiger heißt, aber von niemandem so genannt wird, hat vor zwei Jahren die Monografie "Electricity - Elektronische Musik aus Düsseldorf" im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht. Das Buch versammelt Zeitzeugenberichte aus jenen Tagen, da Kraftwerk und all die anderen Zukunftsmusik produzierten. Die Idee mag nicht neu gewesen sein, "Oral History" nennt man das Prinzip, alter Hut, aber das Buch wurde überall euphorisch besprochen, plötzlich merkten die Menschen auch anderswo, dass das hier eine ziemlich tolle Stadt ist. Esch standen nun viele Türen offen, wie er selbst sagt, und seither wirkt der Mann, der ausschließlich Arbeiterhemden der Firma Dickies trägt, als schwebe er auf Wolke sieben.

Gerade ist die englische Übersetzung erschienen, Esch organisiert Lesungen in England, er bittet stets Kumpel dazu. Und weil Esch auch Bassist der Band Die Krupps ist und fast jeden von irgendwelchen Auftritten irgendwie kennt, folgen viele Musikerkollegen seinen Einladungen: OMD, Heaven 17, Visage. Da sitzen sie dann und berichten stolz von damals.

Im vergangenen Jahr veranstaltete er erstmals eine Konferenz zum Buch. Beim "Electricity"-Kongress im CCD sprachen Hochschul-Professoren tagsüber über Pop aus Düsseldorf, abends brachten Künstler wie der frühere Kraftwerk- und Neu!-Musiker Michael Rother den Sound auf die Bühne, um den es die ganze Zeit geht. Am 14. und 15. Oktober gibt es die zweite Ausgabe, der Schwerpunkt liegt nun woanders: Esch bringt Menschen miteinander ins Gespräch, das kann er schließlich am besten. Der Gründer der legendären Plattenfirma Mute, Daniel Miller, der Anfang der 80er Jahre zum Beispiel Depeche Mode unter Vertrag nahm, wird dort zu erleben sein. Außerdem John Foxx von der Band Ultravox und der Londoner DJ Rusty Egan. Diese Leute sind Helden für all jene, die sich für Musik interessieren, die man mit wehmütigen Maschinen herstellt. Höhepunkt der Veranstaltung ist am 22. Oktober das Konzert von Jean-Michel Jarre, dessen "Oxygene" jeder summen kann, der in den 70ern jung war. Jarre ist Vater einer Synthesizer-Großfamilie, Barock-Elektroniker und Megakonzert-Potentat, und er hat in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass weniger mitunter mehr sein kann. So will er nicht mehr in Ägypten vor den Pyramiden oder auf dem Roten Platz auftreten, sondern im ISS Dome in Rath.

"Electricity" ist zur Marke geworden, neben Buch und Kongress hat Esch auch eine CD-Reihe unter diesem Titel gestartet - verlegt wird sie von Herbert Grönemeyer auf dessen Grönland-Label, und gerade ist die zweite Ausgabe erschienen, darauf findet man Perlen der Düsseldorfer Musikgeschichte: "Kebabträume" von DAF, "Gummitwist" von Der Plan, "Isi" von Neu!.

Ob das Thema Düsseldorf und elektronische Musik nicht ausgereizt sei, fragen manche inzwischen genervt. Esch wird darauf sagen, dass er eigentlich ein Rocker sei, Led Zeppelin sind seine Hausheiligen, und der Punk, das war seine Bewegung. Und dann erzählt er bestimmt, dass er just in Los Angeles war, und dass er dort Stewart Copeland getroffen hat, den Schlagzeuger von The Police. Der hat auch ein Buch geschrieben, "Strange Things Happen" heißt es, und Esch redete mit Copeland darüber, er schenkte ihm "Electricity", und weil das immer passiert, wenn jemand mit Esch spricht, waren die beiden bald Freunde. Nun will Esch Copelands Werk übersetzen, im Oktober stellt er seinen Plan bei der Frankfurter Buchmesse vor.

Man muss sich Rudi Esch als glücklichen Menschen vorstellen. Philipp Holstein

Quelle: RP
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