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Clemens-Peter Bösken
Schriftsteller Jens Prüss liest für verstorbenen Freund

Düsseldorf. Abgedunkelt ginge der Saal 1115 des Amtsgerichts Düsseldorf auch als ein kleines Theater durch. Blaues, rotes, gelbes und lila Licht wechselt sich ab und versetzt Jens Prüss in ein seltsames Ambiente. Der Mann, der auch im Sitzen groß wirkt, hat dort Platz genommen, wo sonst Richter ihre Fragen stellen und Urteile fällen. So wie es auch Clemens-Peter Bösken viele Jahre lang tat. Bösken, der Amtsrichter, Düsseldorfer Heimatkenner, Dichter und postum auch Krimiautor, ist im April im Alter von 69 Jahren gestorben.

Vor seinem Tod hatte Bösken noch seinen ersten Kriminalroman vollendet: "Zweihundertsechs Knochen" (Verlag Oberkassel, 11,99 Euro). Das Erscheinen des Krimis vor einer Woche hat der ehemalige Gerresheimer und Vertreter der 68er Generation nicht mehr erlebt. Deswegen löste Prüss, der Mann im wechselnden Lichtschein, ein Versprechen ein, dass er Bösken vor dessen Tod gegeben hatte. Er wolle sich um sein Buch kümmern.

Gestern Abend hatten Prüss und der Verlag daher zu einer Lesung aus "Zweihundertsechs Knochen" geladen. Etliche Markierungen hatte Prüss vorbereitet mit Stellen, die er mochte und die ihn an den Autor erinnerten. Ihm gelang es dadurch, Charme und Witz in eine Veranstaltung zu bringen, die naturgemäß unter traurigen Vorzeichen stand.

Doch worum geht es in dem Krimi, der sich auf Düsseldorfer Terrain bewegt? Um einen Mordfall, den Zweiten Weltkrieg, Polizei- und Gerichtsarbeit, das Leben an sich, und natürlich Düsseldorf. Zwei Polizeikommissare stoßen auf eine Leiche auf einem Grundstück in der Pempelforter Feldstraße. Das Haus ist unbewohnt, der Garten kahl. Und unter der Erde dieses Gartens befindet sich ein Gerippe aus 206 Knochen, so viele, wie der menschliche Körper besitzt.

Die Kommissare begeben sich auf die Suche nach der Herkunft des Gerippes, das mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit männlich ist, und kommen schnell an die Grenzen der Rechtsmedizin. Dennoch hat Bösken sehr präzise und stets nah am Geschehen beschrieben, wie die Mediziner mit Kettensäge und silbernem Hämmerchen die Schädeldecke abnehmen - und auf ein vollständig verwestes Gehirn stoßen. Immer wieder taucht ein Mann namens Bönisch in den vorgelesenen Ausschnitten auf, der "sich als Täter aufdrängt", wie Jens Prüss sagt. Bönisch ist ein alter Mann, dem das Vormittagsprogramm des Privatfernsehens auf die Nerven geht und der den zweiten Weltkrieg noch miterlebt hat. Als er aus dem "auflagenstärksten Lokalblatt in Düsseldorf" erfährt, das in der Feldstraße eine Leiche gefunden wurde, gerät Bönisch ein wenig in Panik. Nur, warum?

(her)
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