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Porträt
Skurrile Filmraritäten auf 16 Millimeter

Porträt: Skurrile Filmraritäten auf 16 Millimeter
Henk van Dreumel mit einem der 16-Millimeter-Filmspulen. Das Verfahren war wegen der geringen Produktionskosten früher sehr beliebt. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Kundschafterin läuft im Bienenstock unter heftigem Vibrieren ihres Hinterteils aufgeregt einige Zentimeter gerade aus, kehrt dann plötzlich in einem Bogen zum Ausgangspunkt zurück. Diese Szenerie ist Bestandteil des Lehrfilms "Der Schwänzeltanz der Honigbiene", der in den 70er Jahren im Biologieunterricht vorgeführt wurde.

Mit ihrem Tänzchen zeigt die Flugbiene ihren Genossinen an, wo, und in welcher Entfernung zum Stock sie eine Futterquelle entdeckt hat.

Das ist nur einer von rund 600 Filmraritäten im 16-Millimeter-Format, die Henk van Dreumel im Verlauf vieler Jahre angehäuft hat. Das wohl skurrilste Schätzchen dieser Lehr- und Dokumentarstreifen ist der Aufklärungsfilm "Drogen", der Schülern ein absurd-klischeehaftes Bild von kiffenden Konsumenten und dreisten Dealern zeigt: Langhaarige Hippies sitzen weggetreten auf dem Boden, abstoßend wirkende Typen werden nach einem angeblichen LSD-Trip vor die Kamera gezerrt und geben lallend Auskunft über die diabolischen Dämonen, die in ihren Köpfen herumspuken. "Wenn ich diesen Film bisher vorgeführt habe, hat sich der Saal noch jedes Mal vor Lachen auf dem Boden gekrümmt", sagt van Dreumel. Der 50-Jährige zeigt die beiden Kurzfilme (je 20 Minuten) und noch vier weitere morgen in der Galerie Töchter & Söhne in Reisholz.

Wie der Schallplattensammler seine Liebe zum Vinyl zelebriert, hat sich der Schmalfilmexperte aus Flingern schon früh zum 16-Millimeter-Format bekannt, war beim Ausmisten verstaubter Medienräume an Schulen zur Stelle, um Projektoren vor dem Sperrmüll zu retten. Die grobe Körnung und die schlechte Auflösung seien dabei ebenso ein Muss wie das Rattern beim Abspielen der Filmrollen, die nicht zurückgespult werden konnten. "Ich fand es schade, dass dieses wertvolle Material verschwindet, denn nur ein minimaler Teil wurde digitalisiert", erzählt van Dreumel, der im zivilen Leben als Pädagoge für verschiedene Träger und Vereine tätig ist. Ein pensionierter ehemaliger Filmvorführer aus Köln, der in seiner Freizeit in der Garage noch an den alten Projektoren herumwerkelt, ist für ihn zur wichtigsten Bezugsperson geworden.

Dass die Filme aus heutiger Sicht meist eine unfreiwillige Komik aufweisen, liege natürlich nicht nur an der Naivität der Filmemacher, sondern auch an der damaligen Zeit - der Mode, den Frisuren, den Bärten, der Sprache in den 70er Jahren. "Die Auftagegeber wie das Katholische Filmwerk oder die Landesbildstelle Rheinland waren nämlich durchaus seriös", betont van Dreumel. Das gilt nur bedingt für ein weiteres kleines, mit Wasserfarben animiertes Meisterwerk aus einem Warschauer Trickfilmstudio. Inhalt: Ein alternder Cowboy schleppt sich durch die Wüste, findet aber noch die Kraft, als letzte heroische Tat ein unterdrücktes Goldgräberdorf von Halunken zu befreien. Marc Ingel

Galerie Töchter & Söhne, Reisholzer Werftstraße 73, morgen, 19.30 Uhr, Eintritt frei

Quelle: RP
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