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Satire
So wäre das Dschungelcamp in Düsseldorf

Satire: So wäre das Dschungelcamp in Düsseldorf
Die Kandidaten des fiktiven Düsseldorfer Dschungelcamps im grünsten Teil des Aaper Waldes (hinten von links): Dirk Elbers, Jenny Jürgens, Heino, Raucher Friedhelm, Dirk Westmeister, vorne von links: Thomas Beckmann, Jürgen Büssow, Milo Moiré, Christina Begale, Verona Pooth, Heidrun Leinenbach und die Freifrau von Kö. FOTO: Hans-Jürgen Bauer, Andreas Endermann, dpa, Andreas Bretz, Archiv, Werner gabriel/ Montage: Radowski/Krebs
Düsseldorf. Eine kleine Lichtung tief im Aaper Wald. Zwölf Düsseldorfer sitzen etwas verloren in dem Camp, das dort für sie errichtet wurde. Die Auswahlkriterien: Sie sind in Vergessenheit geratene Ex-Promis, oder beinahe mal berühmt gewesen, kurz davor, vergessen zu werden, oder einfach ewig auf der Suche nach ein bisschen Aufmerksamkeit. Und damit perfekte Kandidaten für ein fiktives Dschungelcamp in Düsseldorf. Nach dem Motto: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus." Von Nicole Lange

Tag 1 Die Kandidaten gewöhnen sich nur langsam an die Umgebung. Am schwersten hat's Raucher Friedhelm, bekannt durch seinen Prozess um das Recht, in der eigenen Wohnung zu rauchen. Nach einer halben Stunde ohne Zigarette (im Camp verboten!) verspürt er Entzugserscheinungen. Obwohl er hier nichtmal Nachbarn hat, die sich über Rauch im Treppenhaus beschweren könnten. Und kein Treppenhaus. Der Versuch, Tabak im Koffer von Nacktkünstlerin Milo Moiré zu schmuggeln, war übrigens schon im Ansatz gescheitert - sie hat nichts außer zwei Bikinis eingepackt, da fiel die Ware sofort auf. Ex-Regierungspräsident Jürgen Büssow hatte sich (gegen ein Berater-Honorar!) als Schmuggel-Helfer angeboten. Wollte Friedhelm aber nicht.

Tag 2 Richtig eingelebt hat sich bisher nur Cellist Thomas Beckmann. Aus dem maroden Schumannhaus muss er ja eh ausziehen und ist froh über die neue Bleibe. Nur die Quäk-Stimme von Verona Pooth stört ihn; also startet er eine Initiative, sie für den Auszug zu nominieren. Jürgen Büssow bietet an, die Kampagne zu begleiten, immerhin sei er exzellent vernetzt.

Dschungelcamp 2017: Diese Kandidaten sind im Gespräch FOTO: dpa, jka sab

Tag 3 Rausgewählt wird Jenny Jürgens, die niemand auf dem Schirm hatte, weil die "Ich bin ein Star"-Zuschauer alle keine ARD-Telenovelas gucken. Sie fliegt direkt zum Zweit-Wohnort nach Mallorca weiter.

Bei der ersten Dschungelprüfung bewährt sich Verona Pooth, weil sie klaglos Maden und Fischinnereien verputzt- und dabei auch nicht gleichzeitig reden kann. Sie entwickelt auch die erste Idee, wie sie ihren Auftritt später vermarkten will: eine neue Tiefkühlkost-Linie, für die sie selbst Werbung machen wird ("die Innereien mit dem Blubb"). Raucher Friedhelm versucht heimlich, Zigaretten aus Laub zu drehen.

Fotos: Das sagen die Kandidaten vor dem Start FOTO: RTL/Stefan Gregorowius

Tag 4 In der zweiten Dschungelprüfung muss jemand in einem Tümpel Sterne suchen. "Ich bin sogar schon im Kö-Graben geschwommen", sagt Castingshow-Talent Dirk Westmeister alias "Puma": "Außerdem mache ich für einen Auftritt im Tigertanga alles." Stattdessen wird er rausgewählt, Pooth muss ran und entwickelt wieder eine Vermarktungs-Idee: ein Shampoo, das Algen rauswäscht (Slogan: "Auch aus den Spitzen"). Raucher Friedhelm erzielt Erfolge damit, aus den Algen Tabak zu machen.

Tag 5 Alles redet nur über einen Streit zwischen der Freifrau von Kö und Ex-OB Dirk Elbers. Die Freifrau jammert, weil sie im Wald keine Abschmink-Pads dabei hat, aber Elbers will ums Verrecken sein Einstecktüchlein nicht als Ersatz hergeben. Büssow bietet sich als Vermittler an.

Dschungelcamp: Das machen die Stars heute FOTO: RTL

Tag 6 Verona Pooth wird rausgewählt. Plötzlich ist es so ruhig im Camp. Man hört nur das Fluchen von Raucher Friedhelm, der mit aneinander geriebenen Stöckchen Feuer für seine Algen-Zigaretten machen will.

Tag 7 Der Hunger drückt allen aufs Gemüt: Ex-Sportbotschafterin Christina Begale sollte sich durch ein Baum-Labyrinth kämpfen, um das Abendessen zu erspielen, hat aber einen Baum gerammt und ging leer aus. Zum Trost trägt Heino ein Medley seiner Hits "Im Wald, da sind die Räuber" und "Im grünen Wald, dort wo die Drossel singt" vor. Begale will entsetzt flüchten, aber ohne Führerschein kommt sie nicht weg. Also lässt sie sich rauswählen.

Tag 8 Die Temperaturen sinken. Nacktkünstlerin Moiré zieht sich erstmals einen Bikini gegen die Kälte über. Raucher Friedhelm hat inzwischen den Dreh mit den Hölzchen raus und hilft, ein Lagerfeuer zu entzünden. Dirk Elbers sorgt sich wegen der Brandgefahr, weiß aber aus sicherer Quelle, dass die Feuerwehr notfalls Überstunden macht. Die Freifrau von Kö verlässt das Camp: Ihre mitgebrachten zwei Kilo Make-up sind verbraucht, ab jetzt müsste sie ungeschminkt auftreten.

Tag 9 Dass Moiré plötzlich einen Bikini trägt, kommt nicht gut an: Sie wird rausgewählt. Die Männer im Camp versuchen aus Frust, mit einfachen Mitteln einen Altbier-Ersatz aus Baumrinde zu brauen.

Tag 10 Thomas Beckmann und Jürgen Büssow sind für den Auszug nominiert, aber keiner will gehen. Oberbürgermeister Thomas Geisel, begeisterter Camp-Zuschauer, schreibt Beckmann einen Brief, in dem er ihn bittet auszuziehen - die neue Pipeline durch den Wald könne eh erst bei "kompletter Entmietung" gebaut werden. Beckmann bleibt stur, und am Ende muss Büssow raus. Er wird jetzt Berater.

Tag 11 Seit Friedhelm seinen Tabak aus Baumrinde macht, ist die Luft im Camp dicker geworden. Heino klagt, seine Haare seien schon ganz angegilbt. Weil Friedhelm aber gegen seinen Auszug notfalls vor den BGH ziehen will, muss der Sänger als Nächster ausziehen. Er kündigt an, mit Rammstein eine Metal-Version von "Hohe Tannen" aufzunehmen.

Tag 12 Kurz vor dem Finale muss Thomas Beckmann doch noch raus. Raucher Friedhelm hat inzwischen die komplette Rinde und alles Laub im Wald verbraucht und geht freiwillig mit.

Tag 13 Dirk Elbers feiert etwas verfrüht, weil er nicht gemerkt hatte, dass noch eine Kandidatin mit im Camp ist. CDU-Frau Heidrun Leinenbach, die bei der letzten Wahl zum Parteichef Thomas Jarzombek herausgefordert hatte. Und die trotzdem so wenige Leute kannten, dass sie ohne Widerstand bis hierher gekommen ist. Elbers fühlt sich vor der Stichwahl siegesgewiss, verliert aber knapp. Beim Auszug gibt er sich trotzig: "Hier will ich eh nicht tot überm Baum hängen."

Leinenbach feiert. Als Dschungelkönigin will sie nun den inner-waldlichen Frieden wieder herstellen.

 

Quelle: RP
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