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Berühmte Stimme
Sprecherin Heike Hagen ist Siri

Berühmte Stimme: Sprecherin Heike Hagen ist Siri
Menschen drehen sich verwundert auf der Straße um, denn sie erkennen die Stimme Heike Hagens. FOTO: Till Janz
Düsseldorf. Ihre Stimme kennt fast jeder: Heike Hagen ist die Frau hinter mehr als 60.000 Minuten TV-Dokumentation und gibt als Bordstimme von Airberlin Sicherheitshinweise. Und auch aus dem Handy ist ihre Stimme vielen vertraut - sie lieh der Spracherkennungssoftware Siri von Apple in der ersten Generation ihre Stimme.

Hagen wurde in Düsseldorf in eine Musikerfamilie geboren. Mit ihrer Heimatstadt verbindet sie vieles, auch wenn sie aktuell in Berlin lebt. "Der Medienhafen ist mein Lieblingsort, er ist so schick", sagt sie. Auch als sie Düsseldorf gegen Köln tauschte, zog es sie immer wieder in ihre Heimatstadt - wegen der Musik. In Düsseldorf hat sie nämlich ihre Liebe zur elektronischen Musik entdeckt, die sie hier ganz besonders findet.

Doch Hagen besitzt eben mehr als nur ein Faible für Musik. Früh entdeckte ein Theaterlehrer ihre Begabung als Sprecherin. Inzwischen arbeitet sie selbstständig von ihrem kleinen Studio aus - für Aufträge aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Ihren Hörern ein gutes Gefühl zu geben, das ist ihr wichtig: "Ich bin die Brücke zwischen dem Text und dem Menschen, der die Information empfängt." Mit ihrer Stimme will sie das ausdrücken, was der Autor sagen will, aber mit bloßem Text nicht schafft.

Anders ist es beim Einsprechen von Texten für intelligente Audioverarbeitungsprogramme, so wie bei Siri, oder bei Spracheingaben für Navigationssysteme. "Für ein Navi habe ich monatelang Sprachnuancen und Wörter gelesen, nach einem ganz bestimmten Schema." Bevor Hagen ihre ersten Texte für Siri lesen durfte, musste sie durch ein Casting mit über 100 Sprechern. Sie hat sich durchgesetzt, mit der Folge, dass ihre Stimme noch mehr zum Alltag vieler Menschen gehört. "Manche Menschen drehen sich verwundert auf der Straße um, sie erkennen die Stimme, aber können sie nicht zuordnen", erklärt Hagen. Wenn sie selbst ihre Stimme durch Zufall hört, reagiert sie inzwischen immer gleich. "Ich checke erst instinktiv, ob alles gut war." Aber dann entspannt sie sich.

"Jeder Tag bei mir ist anders", sagt die 47-Jährige. Durch Projekte und Aufträge arbeitet sie oft am Wochenende. Um einen Ausgleich zu bekommen, meditiert sie jeden Morgen, bevor sie eine Stunde lang ihre Stimme trainiert. Nicht nur das Sprechen füllt ihren Tag, auch die Nachbearbeitung der Audioaufnahmen macht sie selbst. Und sie arbeitet an ihrer Musik, sie schreibt und produziert eigene Songs. "Ich hatte schon immer einen inneren Drang zur Musik", sagt sie. Auch dabei ist es ihr wichtig, den gesamten Prozess selbst zu gestalten, "damit es so klingt, wie ich das vor meinem inneren Ohr schon immer gehört habe." In der Musik geht sie auf, sagt sie. "Manchmal arbeite ich 40 Stunden nonstop daran und trinke nur zwei Tassen Kaffee, Musik ist einfach mein Ding."

Sie macht genau das, was sie machen will, aber es war ein langer Weg, sagt Hagen. Und sie ist sich sicher: er ist noch nicht vorbei. "Die künstlerischen Ausdrucksformen können sich verändern", sagt sie. "Ich liebe die Malerei, und ich könnte mir vorstellen, ein Buch zu schreiben." Julia Rieger

Quelle: RP
 
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